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Transfer-Kommentar : Vorteil Dortmund

  • -Aktualisiert am

Robin Hood und seine Hoffnungsträger: Jürgen Klopp mit den Neuverpflichtungen Pierre-Emerick Aubameyang (l-r), Sokratis Papastathopoulos und Henrich Mchitarjan Bild: dpa

46 Millionen Euro haben die Borussen für ihre neuen Hoffnungsträger Mchitaryan, Aubameyang und Sokratis ausgegeben. Dennoch positioniert Klopp den BVB als Robin Hood der Liga.

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          Es ist schon geschickt, wie Jürgen Klopp seinen BVB positioniert: Ausgerüstet wie Robin Hood mit Pfeil und Bogen nehmen die Dortmunder nach den Worten ihres Trainers ihr Ziel ins Visier und haben es dabei mit einem Konkurrenten zu tun, dem panzerbrechende Waffen für den nächsten durchschlagenden Erfolg zur Verfügung stehen. Die „Bazooka-Bayern“ werden in den Sprachgebrauch der Fußball-Bundesliga eingehen, wenn sie wirklich weiter alles wegfegen, was sich ihnen in den Weg stellt.

          Doch das abgewandelte Bild von David und Goliath stimmt nicht mehr mit der Realität überein. Es handelt sich im Kampf um die deutsche Vorherrschaft im Fußball eher um einen Wettstreit zwischen reich und steinreich. 46 Millionen Euro haben die Borussen für ihre neuen Hoffnungsträger Henrich Mchitaryan, Pierre-Emerick Aubameyang und Sokratis ausgegeben. Die Bayern investierten 37 Millionen für Götze, Jan Kirchhoff kam ablösefrei von Mainz 05. Damit haben die armen Ritter aus Dortmund neun Millionen Euro mehr ausgegeben, das bleibt erst einmal festzuhalten, auch wenn sich die Bilanz noch bis zum Ablauf der Transferperiode am 31. August ändern kann. Bei den Weggängen beklagt der BVB den Verlust von Götze, die Bayern dagegen sind nicht unglücklich, Mario Gomez losgeworden zu sein. Diese Veränderungen zusammengenommen, haben die Kräfte zugunsten der Dortmunder verschoben.

          Mchitarjan ähnelt Götze in der Spielanlage

          Wieso? Weil Götze die Bayern nicht entscheidend weiterbringen wird. Damit der Jungstar eine tragende Rolle spielen kann, muss er mindestens eine der bisherigen bayerischen Hauptfiguren in der Offensive in ihrer Wirkung beschneiden. Sei es Müller, Kroos, Schweinsteiger, Robben oder Ribery oder gar Mandzukic - je nachdem, was Trainer Pep Guardiola mit Götze vorhat.

          Der Verlust von Gomez kann zudem einen eventuellen geringen Mehrwert durch Götze wieder zunichtemachen. Denn einen Torjäger, der zuverlässig trifft, wenn es gerade mal nicht so berauschend bei den Ballzauberern läuft, haben sie jetzt nicht mehr. Pizarro erzielte als Einwechselspieler gerade zwei seiner 13 Pflichtspieltoren der vergangenen Saison. Und Mario Mandzukic muss seine Fähigkeit zum Joker erst nachweisen, Trainer Heynckes wechselte ihn in seinem Rotationssystem kaum ein.

          Ob der Armenier Mchitarjan an Mario Götze heranreichen wird, ist zwar ungewiss. Aber auf jeden Fall ist er in seiner Spielanlage seinem Vorgänger so ähnlich, dass er in das System von Trainer Klopp gut hineinpassen wird. Und genug Qualität bringt der Star von Schachtjar Donezk allemal mit, dass er den Spielfluss des BVB nicht ins Stocken bringen wird. Davon haben sich die Dortmunder in den Achtelfinal-Duellen der Champions League überzeugen können. Mit dem Gabuner Aubameyang haben sie zudem ihrem Angriffsspiel eine neue Variante hinzugefügt. Wenn die Dortmunder jetzt noch in der Abwehr nachbessern, können sie zuversichtlich sein, das Rennen um die deutsche Meisterschaft lange offen zu gestalten. Zumal die Bayern sich ja auch noch an einen neuen Trainer gewöhnen müssen.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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