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Trainerausbildung : Und Möller zeigt's dem Holländer

  • -Aktualisiert am

Seitenwechsel: Andreas Möller macht die Trainerlizenz Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Für die Trainerlizenz gehen ehemalige Fußballgrößen sogar auf die Knie - beim Judo. Der Kampfsport ist nur ein kleines Puzzleteil in der Ausbildung an der Deutschen Sporthochschule in Köln.

          Dies ist eine Sporthalle und kein Stripteaselokal - auch wenn die Kommandos an diesem Morgen Zweifel erlauben. "Schuhe aus!" Danach: "Strümpfe aus!" Und schließlich: "Hose aus!" Die ersten beiden Anweisungen sind ernst gemeint, die dritte nicht. Ein Scherz unter Fußballspielern. Andreas Möller will seinen früheren Profikollegen Bernd Hollerbach zu noch mehr Freizügigkeit animieren. Klappt aber nicht. Barfuß sollen die Fußballtraineranwärter in der Judohalle der Deutschen Sporthochschule in Köln antreten, nicht entblößt.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          "Judo hatten wir noch nicht", sagt Erich Rutemöller, Trainer und Lehrgangsleiter des Deutschen Fußball-Bundes. "Kann gar nicht schaden, mal neue Bewegungen kennenzulernen." In den nächsten neunzig Minuten hat nicht er das Sagen, sondern Judo-Bundestrainer Frank Wieneke. Der kernige Gastdozent, einst Olympiasieger, lehrt die DFB-Kommilitonen erst mal Demut: "Hinknien!" Rutemöller grinst: "Nichts für Fußballer. Da brechen die ersten Knie durch."

          Zum Glück halten alle Gelenke. Müssen sie auch, denn der Ausflug in die fremde Welt des Kampfsports ist erst der Anfang an diesem Tag, und dieser Tag ist nur ein kleiner Teil im großen Ausbildungspuzzle des DFB. Etwa fünf Monate dauert der Lehrgang für Fußball-Lehrer: acht Wochen Köln, vier Wochen Praktikum, acht Wochen Köln, inklusive Aufnahmegespräch, Einführung, Spielbeobachtungen, Rhetorikkurs. Es ist der fünfzigste, Jubiläum also. Sepp Herberger hat die Trainerausbildung aufgebaut, seitdem gilt sie als vorbildlich. Im ersten Jahrgang, 1948, war Hennes Weisweiler einer seiner Schüler. Er wurde sein Nachfolger. Auf Weisweiler folgte Gero Bisanz, auf Bisanz Erich Rutemöller. Seit 2000 ist er erster Ausbilder des DFB. Ein gnädiger Lehrgangsleiter.

          Einer, der es schon kann: Jürgen Klopp

          Wer verletzt ist oder Judo suspekt findet, darf zuschauen, wie Wieneke Griffe, Würfe und richtiges Fallen üben läßt. Der frühere HSV-Profi Hollerbach ist unter den Zuschauern, Heiko Herrlich, zuletzt bei Borussia Dortmund, aber auch Jürgen Klopp, der in Mainz längst Trainer ist. Er ist die große Ausnahme unter den 31 Lehrgangsteilnehmern. Er kommt nur montags. Ein Zugeständnis und eine Farce zugleich: Klopp trainiert seit vier Jahren Mainz 05 und hat Sport studiert. Weil aber hierzulande niemand ohne DFB-Lizenz einen Profiverein trainieren darf, muß Klopp antreten. Ab und zu jedenfalls. "Ich baue ihm alle Brücken, die er braucht", sagt Rutemöller. Ginge es nach ihm, müßte Klopp seine Eignung vermutlich nicht mehr nachweisen.

          Freundschaftliches Gerangel

          Wieneke entläßt die Judonovizen mit einem kleinen Wettkampf. Andy Möller, der Weltmeister von 1990, mißt sich mit Ton Caanen. "Zeig's dem Holländer", ruft einer lachend. Caanen hat einen Erstligaverein in der Ukraine trainiert, braucht dort aber die von der Europäischen Fußball-Union anerkannte DFB-Lizenz. Ende der Woche ist er wieder zu Verhandlungen dort. In Holland hätte die Ausbildung zu lange gedauert, also bat er um Aufnahme in Köln. Huub Stevens, holländischer Trainer des 1. FC Köln, hat ein gutes Wort für ihn eingelegt. "Unser WM-Motto heißt ,Zu Gast bei Freunden', da müssen wir in solchen Fällen helfen", sagt Rutemöller.

          Möller gewinnt das freundschaftliche Gerangel 2:1 nach Punkten. Caanen beklagt sich hinterher beim Bundestrainer, der den Kampfrichter gibt. "Das ist hier nicht wie beim Fußball", sagt Wieneke. "Was der Schiedsrichter entscheidet, ist Gesetz." Auf Wiedersehen, und viel Spaß bei der nächsten Unterrichtsstunde: Methodik und Pädagogik bei der Trainingsgestaltung.

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