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Slomka zurück in Hannover : Ein Wiedersehen nicht ohne Brisanz

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Zurück in Hannover: Mirko Slomka ist neuer Trainer des Bundesliga-Absteigers. Bild: dpa

Schlaudraff als Sportdirektor und Slomka als Trainer sind die nächsten Hoffnungsträger bei 96. Beide haben in Hannover schon erfolgreiche Zeiten erlebt. Aber sie waren auch aneinandergeraten.

          Das neue Team, mit dem wieder einmal alles besser werden soll, versuchte natürlich sofort, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Jan Schlaudraff als Sportdirektor und Mirko Slomka als Cheftrainer heißen die nächsten Hoffnungsträger von Hannover 96. Ihr Auftrag, den direkten Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga zu schaffen, bleibt allerdings von schwierigen Rahmenbedingungen geprägt. Über Wochen war die Neubesetzung der beiden wichtigsten Personalien aufgeschoben worden. Entsprechend groß droht der Wettbewerbsnachteil bei der Planung der Saison 2019/20 zu werden. „Der Trainer weiß, dass ihm beim Trainingsstart noch nicht die komplette Mannschaft zur Verfügung haben wird“, sagte Schlaudraff zu seinem Einstand. Das klang hart, aber eben auch sehr ehrlich.

          Hannover 96 steht vor einem Neuanfang, der als besonders gründlich einzustufen bleibt. Nach einer Saison mit vielen Pleiten und Imageschäden findet die Sportliche Leitung handfeste Probleme vor. Stand heute sind mit Ihlas Bebou (TSG Hoffenheim) und Niklas Füllkrug (Werder Bremen) zwei der bisher besten Profis verkauft worden. Nennenswerte Neuzugänge gibt es noch nicht zu verzeichnen – es fehlt an frischem Geld. „Wir wollen neue Strukturen und eine eigene Spielphilosophie entwickeln“, kündigte Martin Kind an. Als Geschäftsführer und Hauptgesellschafter möchte er aus der Vergangenheit gelernt haben. Hannover 96 will künftig wieder attraktiven und schnellen Angriffsfußball spielen. Mit welchem Personal das gelingen soll, ist noch offen. Der Trainingsstart am 17. Juni lässt eigentlich keine mehrtägigen Workshops mehr zu, um über die eigenen Ideale und Ziele des Vereins zu sinnieren.

          Das Wiedersehen von Schlaudraff und Slomka bleibt nicht ohne Brisanz. Beide haben als Stürmer und Trainer in Hannover schon sehr erfolgreiche Zeiten inklusive umjubelter Auftritte in der Europa League erlebt. Aber sie waren auch aneinandergeraten, weil Slomka nicht immer das volle Vertrauen in die Qualitäten von Schlaudraff hatte. Ist in dieser Hinsicht nicht ein neuer Knatsch absehbar? „Wir Menschen können uns weiterentwickeln“, befand 96-Boss Kind. Er setzt darauf, dass gemeinsam ein harmonisches Wirken gelingt. Für den Fall der Fälle, dass sich die Sportliche Leitung nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen kann, behält sich der 75 Jahre alte Unternehmer das letzte Wort vor. Kind mahnte sowohl Schlaudraff als auch Slomka dazu an, die von ihm formulierten Spielregeln einzuhalten.

          Nüchtern betrachtet ist Hannover 96 nur noch einer von vielen ambitionierten Vereinen, der sich mit dem zweiten Abstieg innerhalb von drei Jahren große Probleme eingehandelt hat. Kind ist gemeinsam mit Hauptgesellschafter Dirk Rossmann dazu gezwungen, ein finanzielles Minus der Profigesellschaft in Höhe von mindestens 18 Millionen Euro selbst auszugleichen. Zu dieser Summe ist mindestens noch eine Abfindung für Thomas Doll zu addieren, der noch als Cheftrainer unter Vertrag steht, aber für den Neuaufbau nicht berücksichtigt wird. „Der Profifußball ist kein Wunschkonzert. Die Trainer werden für Ergebnisse bezahlt“, sagte Kind über die Demission von Doll und die Verpflichtung von Slomka.

          Der neue Trainer von Hannover 96 hat vor allem das Argument auf seiner Seite, dass er sich in seiner Heimatstadt bestens auskennt. Nach eher erfolglosen Versuchen, sich als Cheftrainer des Hamburger SV und Karlsruher SC zu etablieren, bekommt Slomka in Hannover eine neue Chance. „Ich fühle mich hier pudelwohl, wenn ich durch die Geschäftsstelle gehe“, sagte der kommunikative Übungsleiter an seinem ersten Arbeitstag an alter Wirkungsstätte. Er ist nach André Breitenreiter und Doll bereits der dritte Trainer innerhalb von weniger als sechs Monaten, mit dem in Hannover große Hoffnungen verbunden sind.

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