https://www.faz.net/-gtl-tn6y

Trainer-Rotation : Reimann soll Braunschweiger Chaos beenden

  • Aktualisiert am

Zurück in Deutschland: Willi Reimann Bild: dpa

Von der Urlaubsinsel Madeira weg wurde Willi Reimann von Eintracht Braunschweigs Hauptsponsor Jochen Staake als Trainer des Zweiliga-Letzten verpflichtet. Reimann übernimmt den Posten vom vier-Wochen-Trainer Djuradj Vasic.

          Willi Reimann soll bei Eintracht Braunschweig das Chaos beenden und den deutschen Meister von 1967 vor dem Abstieg in die Regionalliga bewahren. Der 56 Jahre alte Trainer wird am Mittwoch beim Tabellenletzten der 2. Bundesliga als dritter Coach in dieser Saison vorgestellt.

          „Die Trainerfrage ist geklärt, es fehlt nur noch die Unterschrift“, sagte am Dienstag Jochen Staake, der als Hauptsponsor der neue starke Mann der Eintracht ist. Zuvor war Djuradj Vasic nach nur 30 Tagen als Trainer entlassen worden. Zudem sind die Kompetenzen von Manager Rolf Dockter sowie Vereinspräsident Gerhard Glogowski drastisch reduziert worden.

          Von Madeira nach Braunschweig

          Mit der Verpflichtung von Reimann soll nach wochenlangen Turbulenzen wieder Ruhe im Verein einkehren. „Ich bin noch nicht so alt und will arbeiten“, sagte der frühere Bundesligaprofi am Dienstag, der im Urlaub auf Madeira kontaktiert wurde. Zuletzt war der Fußball-Lehrer in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Al Shaab tätig, davor zwei Jahre lang bei Eintracht Frankfurt.

          Djuradj Vasic: „Einmalige Chance” nach vier Wochen verspielt

          Er war zudem bei St. Pauli und dem Hamburger SV, in Wolfburg und Nürnberg als Trainer tätig. Reimanns Gehalt will Staake finanzieren. Der millionen-schwere Sponsor ist seit mehreren Jahren die graue Eminenz im Verein und hat jetzt die Macht im Club übernommen. „Wir brauchen neben dem Trainer einen Fußball-Sachverständigen“, sagte der Unternehmensberater und kündigte die schnelle Verpflichtung eines Sportdirektors an.

          „Task Force“ zur Rettung gegründet

          Staake leitet bei dem zuletzt konfus auftretenden Zweitligisten seit Montagnacht eine so genannte „Task Force“, die nun die Geschicke der Profiabteilung lenken soll. Clubchef Glogowski, der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident, gehört diesem neuen Gremium nicht mehr an.

          Reimanns Vorgänger Vasic, mit einem Vertrag bis 2009 ausgestattet, erreichte eine desaströse Bilanz mit fünf Niederlagen in fünf Spielen und 2:13 Toren. Er war zuvor Trainer des hessischen Regionalliga-Dorfvereins SV Wehen, und hatte es als „einmalige Chance“ bezeichnet, in die 2. Liga zu wechseln. Während Vasic sich bei der Eintracht versuchte, stürmte sein Ex-Verein ohne ihn in der Regionalliga Süd an die Tabellenspitze.

          Pygmäen bei der Eintracht

          Der Eintracht sprach er bereits nach der ersten Partie die Zweitliga-Tauglichkeit ab: „Die Mannschaft ist nicht in der Lage, Fußball zu spielen, wie man ihn in der 2. Liga spielen muß.“ Außerdem hatte er für Aufsehen gesorgt, weil er die Spieler als zu klein bezeichnete. Dockter, der Vasic als Nachfolger von Michael Krüger geholt hatte, teilte dieses Auffassung und bezeichnete die Akteure als „Pygmäen“. Auch Dockters Macht wurde deutlich reduziert, der kurzzeitige Sportmanager wird nur noch für den kaufmännischen Bereich zuständig sein.

          Anfang Oktober hatte Eintracht Braunschweig sich bereits von Trainer Krüger und Manager Wolfgang Loos getrennt. In der Zwischenzeit war dem Krüger-Assistenten Willi Kronhardt mit dem 2:0 gegen den TSV 1860 München der bisher einzige Saisonsieg geglückt. Kronhardt wurde kurz danach ebenfalls entlassen.

          Weitere Themen

          Klinsmann offen für Rückkehr zum VfB

          Stuttgarter Krisenklub : Klinsmann offen für Rückkehr zum VfB

          Nach dem Rücktritt von Wolfgang Dietrich braucht der VfB Stuttgart einen neuen Präsidenten. Jürgen Klinsmann stünde dem Zweitligaverein wohl zur Verfügung – liebäugelt offenbar aber mit einem anderen Posten.

          Topmeldungen

          Erdgas-Streit mit der EU : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.

          Von der Leyen in Straßburg : Flucht nach links

          In ihrer Bewerbungsrede ringt Ursula von der Leyen vor allem um die Zustimmung von Sozialdemokraten und Liberalen. Ihre Chancen auf einen Wahlerfolg am Abend dürften gestiegen sein – dank ihres engagierten Auftritts. Eine Analyse.
          Bundeskanzler Konrad Adenauer (links) und Ludwig Erhard im September 1963 in Bonn

          Nachkriegszeit : Wie sich die CDU vom Sozialismus abwandte

          Nach dem Krieg forderte die CDU die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien. Dann kam Ludwig Erhard – und mit ihm vor genau 70 Jahren die politische Kehrtwende hin zur Marktwirtschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.