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Trainer-Pionierin Wübbenhorst : „Es ging nur um Fußball“

  • Aktualisiert am

Mit ihrem Spruch: „Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf“ gewann Imke Wübbenhorst den Preis der Deutschen Akademie für Fußballkultur. Bild: dpa

Für ihren Traumjob im Männer-Profifußball schmiss Imke Wübbenhorst ihren Job als Lehrerin und kündigte die Wohnung. Nun ist sie Trainerin der Sportfreunde Lotte. Für Aufsehen sorgte sie mit einem Spruch über Schwanzlängen.

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          Als das Telefon klingelte, spielte ihr Geschlecht keine Rolle. Und allein das bedeutete Imke Wübbenhorst ungemein viel. „Am meisten hat mich beeindruckt, dass es die ganze Zeit nur um Fußball ging“, berichtete die neue Trainerin der Sportfreunde Lotte über die „sehr langen und intensiven Gespräche“ mit dem Regionalligaklub: „Es ging wirklich darum, sich über eine Spielphilosophie auszutauschen.“

          Als erste Frau nach Inka Grings tritt die Pionierin in der Domäne Männerfußball einen Job als hauptamtlicher Trainer bei einem Viertligaklub an. Beim derzeitigen Tabellenzehnten unterzeichnete Wübbenhorst einen Zweijahresvertrag. „Das ist das, was ich mir immer gewünscht habe“, sagte die ehemalige deutsche Junioren-Nationalspielerin bei ihrer Vorstellung am Freitag an und versicherte: „Ich scharre schon mit den Hufen.“

          Mit ihrem Aufsehen erweckenden Engagement beim Oberligaklub BV Cloppenburg war sie 2019 mit dem Spruch: „Ich bin Profi - ich stelle nach Schwanzlänge auf“ auch international in die Schlagzeilen geraten - und gewann den Preis der deutschen Akademie für Fußballkultur. Seitdem hatte die 31-Jährige auf ihren Traum als Trainer im bezahlten Männerfußball hingearbeitet. 

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          Sie ließ sich von ihrem Beruf als verbeamtete Gymnasiallehrerin beurlauben, kündigte die Wohnung und nistete sich bei Freunden ein, um die DFB-Fußball-Lehrer-Ausbildung zu finanzieren. „Es war ein anderes Leben, aber es war auch schön. Und ich weiß, wofür ich es getan habe“, sagte Wübbenhorst.

          In diversen Hospitationen ließ sie sich inspirieren, schaute bei Frank Wormuth in Almelo oder Julian Nagelsmann in Leipzig ganz genau hin. Am Ende der Ausbildung fehlten nur die Abschlussprüfungen - doch drei Tage vor deren Beginn wurde Wübbenhorst vom Lockdown aufgrund der Coronakrise ausgebremst. Die A-Lizenz besitzt sie dennoch, die abschließende Prüfung zum Fußballlehrer soll nachgeholt werden.

          Wann sie ihre Kompetenz das erste Mal für Lotte an der Seitenlinie beweisen darf, ist offen. Erfolgt ihr Debüt in dieser Saison oder erst in der nächsten? Jetzt gerade sei es für jeden Trainer schwierig, sagte Wübbenhorst: „Man muss alternative Lösungen finden.“ Sorgen um ihre Stellung macht sie sich ohnehin nicht. „Ein Mensch wird über mehr als nur das Geschlecht definiert“, betonte Wübbenhorst, die sich ungern als Pionierin sieht: „Das ist etwas, das ich nie sein wollte. Ich fühle mich auch nicht so.“

          Ihr ist wichtig: Sie ist im bezahlen Männerfußball angekommen, das Ticket für das Trainerkarussell ist gelöst. „Ich wünsche mir, dass dieses Ticket eine lange Gültigkeit hat“, sagte Wübbenhorst. Denn auch sie weiß, „wie kurzweilig so eine Trainertätigkeit sein kann“.

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