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Trainer Feldkamp bei Galatasaray : „Kaahli“ und wie er die Welt sieht

  • -Aktualisiert am

Kind des Ruhrgebiets mit Erfolg am Bosporus Bild: picture-alliance/ dpa

Man spricht Deutsch bei Galatasaray Istanbul: Karl-Heinz Feldkamp scheint hier nicht nur Fußball zu lehren. Der 73-Jährige hat sich vom Idol zur Respektsperson verwandelt. Heute empfängt sein Verein im Uefa-Pokal Bayer Leverkusen.

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          „Helfen, Ümit, helfen!“ „Kein Foul, kein Foul, Hakan!“ Der kleine, in zwei Winterjacken eingepackte Mann am Mittelkreis rudert mit den Armen. Aus der Ferne rollt der Ruf des Muezzin heran. Man spricht Deutsch im Übungsbetrieb bei Galatasaray Istanbul. Der Trainer Karl-Heinz, genannt Kalli Feldkamp, scheint hier nicht nur Fußball zu lehren. „Manchmal rutschen mir die deutschen Worte einfach raus“, sagt der Dreiundsiebzigjährige.

          Kommandos wie „Komm“ oder „Press“ hätten auch die türkischen Spieler schon lange verinnerlicht. Für alles andere müssen seine Co-Trainer und Dolmetscher Burak Dilmen und Ahmet Akcan, mit dem er schon 1992 bei Galatasaray zusammenarbeitete, einspringen. Aber oft, sagt Feldkamp, sei ja ein Spieler, der Deutsch spricht, beteiligt. Das sind immerhin acht im Kader von Galatasaray, darunter Lincoln, der divenhafte Brasilianer, der vor der Saison aus Schalke an den Bosporus kam. „Wann warst du gestern Abend zu Hause?“, ruft Lincoln dem Kollegen Hakan Balta, der in Berlin aufgewachsen ist, zur Begrüßung zu. Das ist wahrscheinlich mehr, als er in seiner gesamten Schalker Zeit auf Deutsch herausgebracht hat.

          „Ich spreche von Berufsauffassung“

          „Kaahli“ hat sehr viel Erfahrung, achtet sehr auf Disziplin im Team, ist aber manchmal sehr hart, sagen die türkischen Journalisten am Spielfeldrand. Auch sie hätten es mit ihm oft nicht leicht. Hat sich Feldkamp im Alter wieder auf seine Feldwebelmentalität besonnen, mit der er bei seinen frühen Trainerstationen in Deutschland regelmäßig aneckte? „Das Wort Disziplin gebrauche ich nicht“, sagt das „Kind des Ruhrgebiets“ Feldkamp, „ich spreche von Berufsauffassung. Von solch hochbezahlten Leuten erwarte ich einfach, dass am Ende Leistung herauskommt.“

          Feldwebel Feldkamp: „Das Wort Disziplin gebrauche ich nicht”

          In der Liga führt Feldkamps junges Team das Tableau nach 21 Spieltagen mit einem Zähler vor dem Stadtrivalen Fenerbahce an, im Uefa-Cup überstand Galatasaray mit viel Dusel die Gruppenphase und empfängt in der ersten K.-o.-Runde an diesem Mittwoch Bayer Leverkusen. „Wenn du Meister wirst, hast du ein Boot, wenn du Zweiter wirst, musst du durch den Bosporus schwimmen“, weiß der Essener um die seit Jahr und Tag unveränderte Erwartungshaltung bei der türkischen Fußballgroßmacht.

          Acht Jahre Altersruhesitz nahe Marbella

          Feldkamp hat mittlerweile das Gesicht eines Großvaters, aber Augen so wach, als ob er gerade von der Trainerakademie komme. Seinen alten Spitznamen „Beyaz Tilki“ (weißer Fuchs) haben sie in Istanbul nach seiner Ankunft direkt wieder recycelt - zumal sein meist unter einem Käppi verborgener Schopf schlohweiß ist. Der Respekt vor „Kaahli“ ist allerorten zu spüren, fällt in Stadt, Stadion oder Taxi das Gespräch auf Galatasaray.

          Wie einst heißblütig verehrt wird er aber nicht mehr von den Fans. Der Gewinn des Doubles 1993 - nachdem er zuvor den 1. FC Kaiserslautern zu Meisterehren führte - ist zwar nicht vergessen, aber allein davon zehren kann Feldkamp nicht mehr. Die Fußballwelt hat sich weiter gedreht, ohne Kalli Feldkamp in der ersten Reihe, nachdem er 1999 bei Besiktas Istanbul wegen anhaltender Herz-Kreislauf-Beschwerden („Den Trainer Feldkamp wird es nie mehr geben“) zurücktrat und acht Jahre lang seinen Altersruhesitz nahe Marbella ausprobierte. Als die Galatasaray-Führung ihm im Frühjahr 2007 anbot, zurückzukehren, egal in welcher Position, sagte er: Ach ja, warum eigentlich nicht als Trainer.

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