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Trainer der Woche : Jürgen Klopp - Großer Sieger

  • -Aktualisiert am

Coach Klopp kann es noch gar nicht fassen Bild: dpa

Es sind mitunter die kleinen Zeichen, die aus Gewinnern große Sieger machen.

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          Schlußpfiff im Bochumer Ruhrstadion - zwei Anzeigetafeln zeigen das unglaubliche Ergebnis von 6:2 für Mainz 05. Ein Augenblick also für Veitstänze oder Menschenknäuel oder wilde Gesten - oder alles zusammen. Jürgen Klopp aber, wahrlich ein extrovertiertes Energiebündel an der Linie, entschied sich für ein Gegenprogramm: Er ging ruhigen Schrittes in die Bochumer Spielhälfte, sprach hier schulterklopfend Trost, half dort einem niedergesunkenen Verlierer wieder auf die Beine. Auch die Mainzer Fankurve, die lautstark nach den Siegern verlangte, beehrte er als letzter. Klopp ließ seinen Spielern und jedem anderen im Mainzer Gefolge den Vortritt. Und das, obwohl nicht zu überhören war, wem aus dem Mainzer Fußballkollektiv auch diesmal die Hauptrolle zugedacht war: "Jürgen! Jürgen! Jürgen!" Nicht nur die Spieler duzen ihren 37 Jahre alten Trainer - der Mainzer Anhang tut es auch. Dieser dankte ihm schließlich via Megaphon.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Natürlich war es so, daß sich Klopp bereits während des Spiels austoben konnte. Der zweite Durchgang, in dem sein Team fünf der sechs Treffer erzielte, war eine Episode für die Mainzer Vereinsrekordbücher. Da hatte er wie üblich die Fäuste geballt, die Zähne gezeigt, die Haare gerauft. Das Übliche: Klopp gab sich, wie seine Mannschaft spielt - aggressiv und leidenschaftlich. Trotzdem sagte er nach diesem wohl entscheidenden Schritt im Kampf gegen den Abstieg, er verspüre "überhaupt keine Euphorie, sondern nur Zufriedenheit". Ein bißchen wenig, könnte man meinen, nachdem der Aufsteiger soeben spektakulär ein zweites Jahr in der Bundesliga erstürmt haben dürfte. Aber erstens weiß Klopp, daß acht Punkte Vorsprung zwar viel sind, aber eben noch nicht alles. Und zweitens dürfte ihn sein sichtlich leidender Bochumer Kollege Peter Neururer daran erinnert haben, daß die Mainzer ebenfalls schon bittere Stunden erlebt haben. Wer wie Klopp zweimal so knapp am Aufstieg gescheitert ist, kann sich gut vorstellen, wie sehr ein Abstieg schmerzt.

          Die Mainzer bleiben also fast sicher in der Liga, und Klopp bleibt ganz sicher Mainzer. Seinen Vertrag hatte er kurz vor dem 6:2 per Handschlag um ein Jahr verlängert. Er sei "ein Glücksfall für den Verein", schwärmte Manager Christian Heidel nicht zum ersten Mal. So einer fällt auch anderen auf. An einen Vereinswechsel denkt Klopp vorerst nicht. Einen Seitenwechsel hat er dagegen soeben vollzogen: Er ist einer der neuen Fußballexperten des ZDF für die WM 2006.

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