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Krise beim FC Arsenal : Der langsame Abschied von Professor Wenger

  • -Aktualisiert am

Wie lange bleibt Arsene Wenger noch Teammanager beim FC Arsenal? Bild: dpa

Arsène Wenger hat beim FC Arsenal seit 1996 eine Ära geprägt. Der Franzose hatte große Erfolge und hat den Klub von Grund auf verändert. Nun aber wird schon an der Zukunft gebastelt – ohne Wenger.

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          Arsène Wenger wittert einen Komplott. Die Schiedsrichter der Premier League, so glaubt der Trainer des FC Arsenal, hätten sich gegen seine Mannschaft verschworen. Nach den Spielen sitzt der Achtundsechzigjährige inzwischen immer häufiger in den Pressekonferenzen und beklagt die seiner Meinung nach miserablen Leistungen der Unparteiischen. Etwa nach dem 2:2 gegen den FC Chelsea Anfang Januar, als Chelsea zwischenzeitlich durch einen umstrittenen Elfmeter zum 1:1 ausgeglichen hatte. Wenger sagte danach, er müsse seine Mannschaft am besten schon vor den Spielen auf die bevorstehenden „schlechten Entscheidungen“ der Referees vorbereiten.

          Ein paar Tage zuvor, beim 1:1 gegen West Bromwich Albion, führte Arsenal 1:0, als Schiedsrichter Mike Dean Momente vor dem Abpfiff einen Elfmeter wegen Handspiels gegen Arsenal pfiff. Das Spiel endete 1:1. Danach stapfte Wenger in Deans Kabine und echauffierte sich über dessen Entscheidung. Die Folge: eine Sperre von drei Spielen und eine Geldstrafe in Höhe von 40.000 Pfund. Wenger nahm das Urteil hin, blieb aber bei seiner Meinung: Dean habe „nur gesehen, was er sehen wollte“ – und überhaupt seien das alles „besorgniserregende Zufälle“. In der Liga gab es in der Liga zuletzt zwar ein 4:1 gegen Crystal Palace, doch schon an diesem Mittwoch (21.00 Uhr bei DAZN) geht es im prestigeträchtigen Stadtduell gegen Chelsea nach einem 0:0 im Hinspiel um den Einzug ins Endspiel um den Ligapokal.

          Wengers Fehde mit den Schiedsrichtern ist nicht neu. Aber der Glaube an eine Verschwörung mag trotzdem nicht so recht passen zu dem Franzosen, dem lange Zeit der Spitzname „Le Professeur“ anhaftete. Auf diese Weise spielten Presse und Fans mit Wengers intellektuellem Auftreten, das vor allem in den frühen Jahren seines Engagements bei den Londonern so gar nicht zur damaligen englischen Fußballkultur passte. „Die Anschuldigung, es gebe eine vorsätzliche Kampagne der Schiedsrichter gegen Arsenal, ist lächerlich“, schrieb der „Guardian“ nun: „Aber Wenger befindet sich in einer Stimmung, in der er hinter jeder Ecke eine Verschwörung sieht.“ Vom Professor zu einem Mann, der zu glauben scheint, die Welt hätte sich gegen ihn verbündet. Wie konnte es nur so weit kommen?

          Als Wenger im Herbst 1996 als neuer Trainer des FC Arsenal vorgestellt wurde, war er in England ein weitgehend Unbekannter. Zuvor hatte er bei Nancy, Monaco und in Japan Erfahrung als Trainer gesammelt. „Arsène Who?“ titelte damals der Londoner „Evening Standard“. Dabei war Wenger mit Monaco wenige Jahre zuvor französischer Meister geworden. Aber auch der damalige Arsenal-Kapitän Tony Adams musste sich erst an den Gedanken gewöhnen, dass fortan ein Typ wie Wenger das Sagen haben würde. „Anfangs dachte ich: Was weiß dieser Franzose schon über Fußball?“, sagte Adams einmal: „Der trägt eine Brille und sieht aus wie ein Lehrer. Spricht der überhaupt vernünftiges Englisch?“ Wenger spürte die Vorbehalte: „Ich bemerkte eine ganze Menge Skepsis, aber das ist normal, vor allem auf einer Insel. Weil die Menschen dort historisch sehr isoliert gelebt haben, sind sie vorsichtig gegenüber ausländischen Einflüssen.“

          Der ausländische Einfluss sollte sich beim FC Arsenal jedoch schon bald bezahlt machen. Wenger schrieb seinen Spielern eine gesunde Ernährung vor und strich die gelegentlichen Saufgelage. Er verordnete ihnen individuelles Training samt moderner Methoden, er überwachte Fitness und Gesundheit jedes Einzelnen. Was heute selbst bei unterklassigen Teams als normal gilt, war zu der Zeit in England beinahe eine Revolution. Der Autor Daniel Storey schreibt in seinem Buch „Portrait of an Icon“: „Dieser Klub, der mehr als alle anderen für die archaische Arbeiterklasse- und Trinkkultur in der ersten Liga stand, war nun der erste, der aufwachte und eine neue Ära einleitete.“ Wenger verquickte das traditionell-englische Spiel mit verfeinerter Technik und größerer Konzentration auf Pässe und die Offensive. Für den englischen Fußball sei das wie eine „Erleuchtung“ gewesen, schreibt Storey.

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