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Traditionsklubs vor Abstieg : Missmanagement und Verschwendungssucht

Das Abstiegsgespenst hockt schon auf der Tribüne Bild: imago sportfotodienst

Die Traditionsvereine Hamburger SV und 1. FC Nürnberg stehen in der Bundesliga am Abgrund, der VfB Stuttgart musste lange leiden. Ursache ist schlechtes Management, kleinere Klubs machen es besser.

          Kollektive Niedergeschlagenheit ist bei Eintracht Braunschweig in dieser Saison nie ausgebrochen. Und weiterhin darf an dem traditionsreichen Fußballstandort ja noch aufs Wunder am letzten Bundesliga-Spieltag gehofft werden. So ruhig kann Abstiegskampf sein, während es woanders lichterloh brennt. „Diese Saison hat uns vorangebracht. Die Botschaft an alle unsere Mitarbeiter ist, dass wir ein Topjahr hatten und uns auch ein Abstieg nicht zurückwerfen würde“, sagt der Braunschweiger Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt. Sein Motto: Wir kommen wieder, auch wenn es wirklich erst mal runtergehen müsste.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Bundesliga-Schlussspurt in der Gefahrenzone des Tabellenkellers ist facettenreich. Hier entspannter Realismus, da hängende Köpfe oder großes Drama. Andere Klubs sind wie gelähmt vom Schrecken des schon oft bemühten Abstiegsgespenstes und kämpfen mit den wirtschaftlichen Konsequenzen einer sportlichen Disqualifikation. „Der Verteilungskampf unter den Vereinen wird immer härter. Aber das macht die Bundesliga ja auch interessanter. Am Ende geht es um den effektiven Einsatz der Gelder, um eine sorgsame und vernünftige Finanzplanung. Da sehen wir uns gut aufgestellt“, sagt Voigt.

          Fehleinschätzungen und Management-Flops

          Die Eintracht wird mit mehreren Millionen Gewinn aus der Saison gehen. Woanders wie beim 1. FC Nürnberg sorgt das drohende Abstiegsschicksal nach fünf Jahren in der Bundesliga für erhebliche Verwerfungen, aber auch dort gerät die Fußballunternehmung aufgrund solider Planung kaum in Schieflage. Dagegen zerreißt es den Hamburger SV förmlich. Nachdem über viele Jahre Missmanagement und Verschwendungssucht herrschten, müsste der hoch verschuldete Liga-Dino im Abstiegsfall sogar um seine Existenz in der zweiten Liga bangen. Schnellstens müssen frische Millionen her, um die Lizenz zu sichern.

          Eigentlich sollten Vereine mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten eines HSV zu den Treibern der Bundesliga gehören. Sie müssten es sogar zum Nutzen der ganzen Liga, gerade in internationaler Hinsicht. Die Hamburger sind einer der acht Klubs, die dreistellige Millionenumsätze vorweisen. Stetes Wachstum und hohes sportliches Niveau sind hier normalerweise angesagt. Auch der VfB Stuttgart hat diese Dimension und verfügt über eine breite Vermarktungsbasis im wirtschaftlich starken Südwesten, aber enttäuscht trotzdem regelmäßig. Führungschaos, zwei Trainerentlassungen führten fast in den Abstieg, der am Samstag gerade eben vermieden werden konnte. So steht diese Bundesligasaison mal wieder auch für krasse sportliche Fehleinschätzungen und Management-Flops bei einigen sogenannten Traditionsklubs. Dazu passt die Aussage des erfolglosen HSV-Sportchefs Oliver Kreuzer vor dem Saisonstart, als dieser anmerkte, das HSV-Team müsse in Zukunft doch wieder mal die Meisterschale hochheben. Fragt sich nur welche, in näherer Zukunft vielleicht den Pokal für den Ersten der zweiten Liga.

          Der Kampf gegen den Abstieg setzt die Verantwortlichen erheblich unter Druck. Gerade dort, wo eigentlich in anderen Kategorien gedacht wird, kommt Panik auf. „Man kann sich nicht vorstellen, wie hart das ist. Die Leute sind plötzlich von Angst erfüllt, alles im Verein wird von heute auf morgen in Frage gestellt. Der Fußball ist so ein emotionales Geschäft“, sagt Martin Bader, Vorstand und Sportdirektor beim gestrauchelten 1. FC Nürnberg. Auch beim „Club“ ging es hoch her, wurden zwei Trainer in dieser Saison ausgetauscht. Noch immer hadert man mit den vielen verletzten Stammkräften und 24 Aluminiumtreffern, die wichtige Tore verhinderten. Doch der Abstieg in die zweite Liga bedroht nicht die Existenz. „Unsere Struktur ist dafür ausgelegt, dass alle fünf bis sieben Jahre ein Abstieg kommen kann. Es wäre fahrlässig, wenn uns das umhauen würde“, sagt Bader.

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