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Traditionsklubs vor Abstieg : Missmanagement und Verschwendungssucht

Dem HSV droht ein finanzielles Desaster

Das Geschäft, die Spielerverträge sind auf die beiden unterschiedlichen Szenarien erste oder zweite Liga ausgelegt. So läuft das auch in Braunschweig und bei einigen anderen Klubs. Selbst bei Mainz 05, seit fünf Jahren wieder in der Bundesliga und nun mit Europa-League-Perspektive, gehört die Möglichkeit eines sportlichen Abrutschens immer mit zur Kalkulation. „Wir schauen mit einem Auge auch immer nach unten und wollen keine zu großen Risiken eingehen. Plätze in höheren Regionen wie in dieser Saison sind für uns deshalb so viel wert wie für andere große Klubs eine Meisterschaft“, sagt der Mainzer Manager Christian Heidel. Sein Klub gehört neben Konkurrenten wie Augsburg oder Freiburg seit einiger Zeit zu den Effektivitätsmeistern in der Bundesliga, die als finanziell eigentlich Chancenlose aus jedem Euro Einsatz viel sportlichen Erfolg herausholen.

Eine Vorführung für schwache Managementleistungen an bedeutenden Bundesliga-Standorten wie in Hamburg, Stuttgart oder auch woanders. Nicht weniger stockend, hier dann mit internationaler Perspektive enttäuschend ist die Entwicklung bei anderen Liga-Kraftwerken wie Schalke, Leverkusen oder Wolfsburg, deren Verantwortliche viel zu wenig aus den finanziellen Möglichkeiten machen. Ligachef Christian Seifert betont immer wieder, dass die Lücke zwischen dem FC Bayern und den übrigen Vereinen geschlossen werden müsse, ansonsten bestünde die Gefahr, dass die potentere englische Premier League die Bundesliga leer kaufe.

Diese Ansage gilt auch für den HSV. Stiege der wirklich ab, drohte dort ein Drama. Das Budget von 120 Millionen Euro im Jahr müsste auf etwas mehr als die Hälfte schrumpfen. Das Fernsehgeld in der zweiten Liga nimmt rapide ab und liegt je nach Plazierung bei höchstens zehn Millionen Euro pro Saison. Auf den billigsten Plätzen in der ersten Liga ist dagegen doppelt so viel durch die Fernsehverträge zu verdienen. Kleiner Vorteil für die Bundesliga-Absteiger in dieser Saison ist, dass der Auszahlungsmodus fürs TV-Geld gerade verändert wurde und in der kommenden Spielzeit noch auf Bundesliga-Niveau abgerechnet werden. Doch der Einnahmeeinbruch folgt dann eben zeitverzögert ein Jahr später.

So wäre es auch für den HSV. Der hat Verbindlichkeiten in Höhe von 100 Millionen Euro. Die Personalkosten liegen bei rund 40 Millionen Euro. Nahezu alle Spieler haben Verträge, die auch in der zweiten Liga auf ähnlichem Gehaltsniveau gelten. Die Hamburger dürften auf den Spielerverträgen sitzenbleiben, weil aus Erfahrung keiner der möglicherweise interessierten Vereine das jeweilige Gehalt des wechselwilligen Spielers übernehmen würde. So ist jetzt schon klar, dass der HSV noch Geld mitgeben müsste, um sich von teuren Profis trennen zu können. Ein Desaster.

Von der jahrelangen Misswirtschaft, der Strategie der Verschwendung mit drei verschlissenen Sportdirektoren sowie elf Trainern seit 2008 sollte sich der HSV endgültig lösen, einen neuen Weg finden. Ein schwieriger Prozess. Und in der zweiten Liga wartete nicht unbedingt das einfachere Programm, wenn man dann auch gegen den am Samstag aufgestiegenen konzerngesponserten Red-Bull-Klub RB Leipzig um den Bundesligaplatz kämpfen müsste. Hinzu kommen andere unangenehme Konkurrenten, die seit Jahren geschickt mit ihren Mitteln umgehen, sie oft an der richtigen Stelle einsetzen und viel flexibler sind als ein träger Koloss wie der Hamburger SV.

SC Paderborn als Gegenmodell

Wie geschickt Erfolg im Fußball geschaffen werden kann, zeigt gerade der Zweitliga-Zweite SC Paderborn. Mit einem Lizenzspieleretat von etwas mehr als sechs Millionen Euro ist der Sprung in die Bundesliga derzeit sehr gut möglich. Der Klub legt viel Wert auf einen innovativen Trainerstab, der Spieler aus der dritten oder sogar vierten Liga entwickelt, und vermeidet, einen Wasserkopf mit unnützen Fußballstrukturen aufzubauen. Auch die kleinen Vereine mit guten Ideen und smartem Management werden immer mehr zum Ärgernis für lahme Traditionsklubs.

„Wenn wir in die Bundesliga aufsteigen sollten, werden wir dort kein Harakiri veranstalten. Wir würden bei unserer Strategie bleiben. Außerdem brächte es uns keinen Punkt mehr, ob wir unseren Spieleretat auf zwölf, 15 oder 18 Millionen erhöhten. Die anderen Klubs haben durchschnittlich 47 Millionen zur Verfügung“, sagt der Paderborner Manager Michael Born. Paderborn treibt die Effizienz im Fußball auf den Gipfel, zeigt, wie wenig die Höhe des Personalbudgets mit dem Tabellenplatz zu tun haben muss und blamiert damit die Gilde inkompetenter Führungskräfte in der Bundesliga.

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