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Tottenham Hotspurs : Altmodische Werte und ein goldenes Händchen

Spurs-Trainer Harry Redknapp: Mehrfach hatte er schon ein goldenes Händchen Bild: dapd

An diesem Mittwoch treten die Tottenham Hotspurs in der Champions League zum Achtelfinal-Rückspiel (20:45 Uhr) gegen den AC Mailand an. Der Londoner Verein ist erst durch die Verpflichtung des Trainer-Veteranen Harry Redknapp zum Spitzenklub geworden.

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          Die Vergangenheit sagt etwas anderes, aber 2011 heißt Europas aktuelle Fußballhauptstadt London. Die britische Metropole ist mit gleich drei Klubs im Achtelfinale der Champions League vertreten. Alle drei gewannen ihre Hinspiele: der FC Chelsea 2:0 beim FC Kopenhagen, die Tottenham Hotspurs 1:0 beim AC Mailand, der FC Arsenal 2:1 gegen den FC Barcelona, gegen den er aber am Dienstag im Rückspiel 1:3 unterlag. Auch in der Liga sind die drei Londoner Spitzenklubs unter den ersten fünf plaziert. Das Unglaubliche an alldem ist, dass trotz dieser klangvollen Klubnamen noch nie ein Verein aus London, der Metropole des Fußball-Mutterlandes, seit Erfindung des Europapokals 1955 die wichtigste Klubtrophäe des Kontinents gewonnen hat. Diese Durststrecke soll in diesem Mai enden. Dann findet das Finale im Londoner Wembley-Stadion statt.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          In wohl keinem anderen Ort der Welt gibt es eine solche Anhäufung von Weltklassespielern wie in London, das mit Fulham auch noch einen Europa-League-Finalisten 2010 stellte. Zuletzt war sogar einer da, der in London aufwuchs, dort aber nie als Profi gespielt hat. David Beckham hielt sich in der Spielpause der amerikanischen Liga sechs Wochen lang in Tottenham fit - so wie ein Jahr zuvor bei Arsenal. Beckhams Erscheinen war zumindest ein Signal, dass die Spurs aufgeholt haben und bereit sind für einen Weltstar.

          Harry Redknapp machte Tottenham zum Spitzenklub

          Während Arsenal seit Eintreffen des Trainers Arsène Wenger 1996 und Chelsea seit Eintreffen des Milliardärs Roman Abramowitsch 2003 zur Spitzenklasse zählen, sind die Spurs erst in den letzten beiden Jahren, nach der Verpflichtung des Trainer-Veteranen Harry Redknapp, zum Spitzenklub geworden. Redknapp gilt als einer, der auf altmodische Fußballwerte setzt, vor allem die Wahl der richtigen Spieler. Mehrfach hatte er ein goldenes Händchen, vor allem, als er im Sommer Rafael van der Vaart günstig von Real Madrid kaufte. Der Holländer wurde zum Publikumsliebling und ist mit zwölf Treffern der beste Schütze im Team.

          Publikumsliebling in London: Rafael van der Vaart (r) feiert mit Peter Crouch den 1:0-Sieg gegen den AC Mailand
          Publikumsliebling in London: Rafael van der Vaart (r) feiert mit Peter Crouch den 1:0-Sieg gegen den AC Mailand : Bild: REUTERS

          Eine schmerzliche Niederlage haben die Spurs kürzlich erlitten. Im Kampf um die Nutzung des Olympiastadions nach den Spielen von 2012 zogen sie den Kürzeren gegen West Ham United. Während die Spurs nun in ihrer stimmungsvollen, aber zu engen White Hart Lane bleiben müssen, winkt den „Hammers“ mit dem modernen Stadion, das nach den Spielen 60.000 Fußballzuschauer fassen soll, mittelfristig der Aufstieg in die Liga der Londoner Topklubs. Auch sportlich lief es nach Rückkehr des lange verletzten früheren Stuttgarters Thomas Hitzlsperger (zwei Tore in drei Spielen) und nach dem Kauf des Hoffenheimers Demba Ba (vier in drei) zuletzt ungewohnt gut für West Ham. Nach Siegen gegen Liverpool und Stoke verließ West Ham am Wochenende erstmals in dieser Saison einen Abstiegsplatz in der Premier League.

          Wichtiges Gegengewicht im aktuellen Fußballklima

          Redknapp war als Spieler und als Trainer insgesamt 15 Jahre bei West Ham tätig. Der lockere Londoner, der in der Nähe des Towers geboren wurde, bietet mit seiner volksnahen, freundlichen Art ein wichtiges Gegengewicht im aktuellen Fußballklima auf der Insel zu den eher verkniffenen Schotten, vor allem jenen gleich sechs Glasgowern, die derzeit bei den zwanzig englischen Erstligaklubs als Trainer arbeiten - allen voran Alex Ferguson. Der Altmeister von Manchester United blieb am Sonntag nach dem 1:3 in Liverpool aus Groll über eine Strafe wegen Beschimpfung des Schiedsrichters wieder einmal der Presse fern.

          In Sachen Erfolgen kann Redknapp, der noch nie einen Meistertitel errang, mit dem erfolgreichsten Klubtrainer der Welt natürlich nicht mithalten. In Sachen Popularität schon, was an seinem schlagfertigen Witz liegen muss. Selbst als er vor einem Monat in Madrid war, um den Uruguayer Diego Forlan zu beobachten, und ihn dort sechs Ganoven an einem Süßigkeitenstand ausraubten, blieb der 63 Jahre alte Londoner locker: „Sie haben mir alles weggenommen, nur mein Handy nicht. Das war ihnen wahrscheinlich zu alt.“

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