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Tottenham-Assistent Freund : „Wir sind nah an den großen Vier“

  • Aktualisiert am

Steffen Freund begleitet die erfolgreiche Saison von Tottenham Hotspur als Assistenztrainer Bild: dpa

Steffen Freund kehrte in dieser Saison als Co-Trainer zu Tottenham Hotspur zurück. Vor dem Europa-League-Viertelfinale gegen Basel (21.05 Uhr) spricht der ehemalige Nationalspieler über die Attraktivität des Wettbewerbs und die Premier League.

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          Tottenham-Teammanager André Villas-Boas erklärte, man spiele in der Europa League, um den Cup zu gewinnen. Seinem Vorgänger Harry Redknapp wurde nachgesagt, dass er den Wettbewerb nicht so ernst nahm ...

          ... weil er oft junge Spieler in der Europa League eingesetzt hat. André Villas-Boas gewann mit dem FC Porto vor zwei Jahren die Europa League und durfte die Erfahrung machen, wie großartig es ist, einen so langen Weg erfolgreich abzuschließen. Zehn Spiele haben wir in der Europa League jetzt schon hinter uns und Klubs wie Olympique Lyon oder Inter Mailand geschlagen. Jetzt wollen wir weiterkommen. Wir haben die große Chance, den Cup zu holen.

          Was fällt Ihnen ein zum FC Basel, auf den Sie an diesem Donnerstag in der Europa League treffen?

          Das ist der FC Bayern München der Schweiz. Der FC Basel hat ein wunderschönes Stadion und eine Mannschaft, der viele der besten Spieler der Schweiz angehören und die über große internationale Erfahrung verfügt.

          Tottenham Hotspur versucht in die Phalanx der vier großen englischen Klubs - Manchester United, Manchester City, FC Chelsea und FC Arsenal - einzudringen. Wie weit ist der Klub dabei schon gekommen?

          Wir sind ganz nah dran. Im letzten Jahr haben wir es geschafft, und in dieser Saison sind wir auch wieder gut dabei im Kampf um Platz vier. Das war zu der Zeit, als ich selbst noch bei Tottenham Hotspur spielte (1999 bis 2003, die Red.), anders. Damals bewegten wir uns immer im Tabellenmittelfeld. Seitdem hat sich der Verein stetig weiterentwickelt. Wir haben gerade erst ein neues Trainingsgelände auf allerhöchstem Niveau bezogen. Das war ein ganz wichtiger Schritt für die Zukunft.

          Nah dran: Steffen Freund mit Tottenhams Torhüter Hugo Lloris und dem Mittelfeldspieler Tom Carroll
          Nah dran: Steffen Freund mit Tottenhams Torhüter Hugo Lloris und dem Mittelfeldspieler Tom Carroll : Bild: dpa

          Der nächste soll der Bau eines neuen, größeren Stadions sein.

          Ins jetzige Stadion passen 36.800 Zuschauer, aber es könnten 60.000 Karten verkauft werden. Derzeit nimmt der Verein bei einem Heimspiel durch den Ticketverkauf rund eine Million Euro ein. Bei Arsenal mit dem deutlichen größeren Emirates Stadium sind es 2,5 Millionen Euro. Das macht auf die Saison gerechnet einen deutlichen Unterschied. Würden wir am Ende unter den ersten vier stehen und uns dort etablieren, käme der Verein beim Thema Stadionneubau sicher einen großen Schritt voran. Aber der Klubpräsident und die Leute an seiner Seite überstürzen nichts. Der Verein wird seriös geführt und steht finanziell gut da.

          Geht Tottenham Hotspur einen anderen Weg als die Ligakonkurrenten, bei denen der Geldbeutel lockerer sitzt?

          Wenn Sie so wollen: ja. Wir können und wollen uns die extremen Ablösesummen nicht leisten. Aber es ist ja auch nicht schlecht, einen Mann wie Gareth Bale früh zu holen und dann hier auszubilden. Das ist der Weg von Tottenham Hotspur. Aber natürlich zahlen auch wir gute Gehälter. Und was die Einnahmen angeht, liegt Tottenham Hotspur in der Größenordnung von Schalke 04 oder Borussia Dortmund.

          Sie sind jetzt seit acht Monaten bei Tottenham Hotspur. Wie schätzen Sie das Niveau der Premier League ein?

          Das ist nach wie vor sehr hoch. Jede Mannschaft ist auf ihre Art stark. Die einen in technischer Hinsicht und andere wie Stoke City, die extrem gut gegen den Ball spielen, oder Norwich, das noch den einfachen Stil mit langen Bällen nach vorne verfolgt, aber auch sehr schwer zu spielen ist.

          Freund arbeitet hinter Tottenhams Teammanager André Villas-Boas
          Freund arbeitet hinter Tottenhams Teammanager André Villas-Boas : Bild: AFP

          Weil kein englisches Team den Sprung ins Champions-League-Viertelfinale geschafft hat, werden Zweifel laut, ob die Premier League tatsächlich noch die stärkste Liga der Welt ist.

          Das ist eine große Verschiebung, keine Frage. Aber daraus gleich abzuleiten, dass die Premier League ihre Spitzenposition verloren hat, halte ich für fehl am Platz. Das darf man nicht an nur einer Saison festmachen. Zumal im Duell gegen Real Madrid mit Manchester United die bessere Mannschaft ausgeschieden ist. Für mich ist die Premier League nach wie vor die stärkste Liga der Welt. Das Potential ist enorm, auch was die Einnahmen angeht. (In dieser Saison nimmt die Premier League 1,2 Milliarden Euro aus der Fernsehvermarktung ein, die Bundesliga 600 Millionen Euro, die Red.)

          Ist die ehemals so gerühmte Nachwuchsarbeit der englischen Klubs in jüngster Vergangenheit etwas vernachlässigt worden - vielleicht auch, weil viele Spieler aus dem Ausland geholt wurden?

          Bei Tottenham Hotspur wird die Nachwuchsförderung weiterhin sehr groß geschrieben. Das zeigt sich schon am neuen Trainingsgelände, wo es sieben Rasenplätze allein nur für die Jugendteams gibt. Um die Nachwuchsarbeit bei den anderen Vereinen beurteilen zu können, bin ich zu weit weg. Tatsache ist aber, dass die englischen U-Nationalmannschaften nach wie vor erfolgreich sind. Was die hohe Zahl ausländischer Spieler angeht, ist das natürlich schon ein Punkt, den man bedenken sollte.

          Aber insgesamt sehen Sie den englischen Klubfußball nicht in der Krise?

          Nein, absolut nicht. Es stehen drei englische Teams im Europa-League-Viertelfinale - das darf man nicht vergessen.

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