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Torwartwechsel : Jenseits von Wolfsburg

  • -Aktualisiert am

Torwart Simon Jentzsch: Warten auf den Nachfolger Bild:

Wenn zwei Nationaltorhüter für einen Posten im Gespräch sind, und keiner will ihn haben, dann handelt es sich um einen Verein, der größer sein will, als er ist. Simon Jentzsch lernt dort derzeit das Warten, wie anderswo Timo Hildebrand und Jens Lehmann.

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          Was steht bei Hildebrands zu Weihnachten auf dem Tisch? Glaubt man den wiederholten Einlassungen des Fußball-Nationaltorwarts, wird es „Quatsch mit Soße“ sein. Guten Appetit! Der Odenwälder wehrt sich dieser Tage mit der nicht aus der Delikatessabteilung der Sprachbildner stammenden Wendung gegen eine ihn seit längerem umwabernde Spekulation. Der im Mai noch gefeierte Torwartheld des VfB Stuttgart, der nach seinem verunglückten Wechsel zum FC Valencia nur darauf warte, endlich in Wolfsburg am Ziel seiner Sehnsucht zu sein - so wird es auf dem Boulevard seit Wochen suggeriert.

          Tatsächlich behauptet Timo Hildebrand selbst, der Valencias alternde Stammkraft Cañizares erst noch überflügeln und seinen holländischen Trainer Ronald Koeman erst noch überzeugen muss, er denke gar nicht an eine Rolle rückwärts in die Kuschelzone Bundesliga. Warum denn auch? Der 28 Jahre alte Schlussmann ist mal gerade ein halbes Jahr in Valencia und hat beim spanischen Traditions- und Spitzenklub einen Vertrag bis 2010 unterschrieben.

          Kein Zug von London nach Wolfsburg

          Doch in Wolfsburg, wo sie sich gern größer geben als sie sind, suchen sie händeringend nach einem Keeper von Welt. Nachdem Felix Magath, Bayern Münchens Meistertrainer von gestern, seinen Stammtorwart Simon Jentzsch neulich bei Halbzeit im Spiel gegen Eintracht Frankfurt wütend austauschte und de facto degradierte, fachen die Niedersachsen selbst die Gerüchte rund um die einsame Spitzenposition zwischen den Pfosten gern an. So hat jetzt auch der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats dieses vom Volkswagenkonzern gemanagten Klubs seinen Beitrag zum Thema geliefert, als er fast beleidigt klarstellte, dass Jens Lehmann - der erste deutsche Nationaltorhüter und zweite VfL-Kandidat aus der Sicht der Grün-Weißen - kein Anwärter auf den Platz im Wolfsburger Tor sei, solange er nicht selbst erklärt habe, den FC Arsenal verlassen zu wollen.

          Lehmann, zur Zeit nicht mehr als die Nummer zwei bei der Nummer eins der englischen Premier League, hat überhaupt noch nicht gesagt, dass er Arsenal verlassen wolle. Was er kundtat, war, dass seine Kinder in London zur Schule gingen und ihnen ein abrupter Wechsel in ein anderes Land vielleicht nicht gut bekäme. Eine Sehnsucht nach Wolfsburg ließ der gebürtige Essener bisher nicht einmal zart anklingen. Mag sein, dass er diesen Bundesliga-Standort noch entdeckt, mag aber auch sein, dass ihn Arsenal innerhalb der Premier League im Wechselmonat Januar ausleiht.

          Das neue Fußballjahr ist lang

          Aber auch das ist Spekulation wie die Vermutung, ein bei Arsenal kaum zum Einsatz kommender Lehmann verspiele damit seine Position als deutscher Ersttorhüter bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz. Solange auch Hildebrand um die Gunst seines Trainers kämpft, scheint die nationale T-Frage offen. Dass der eine wie der andere bei der EM dabeisein werde und seine Gunst genieße, hat Bundestrainer Löw indes gerade erst bekräftigt.

          Das neue Fußballjahr ist lang und wird wie schon das alte voller Überraschungen stecken - auch jenseits von Wolfsburg, wo Simon Jentzsch wie Hildebrand und Lehmann derzeit das Warten lernt. Auch dieser Keeper scheint sich nicht vom Fleck rühren zu wollen. Sein Vertrag läuft bis 2011. Und überhaupt: Wer weiß, ob Magath dann noch sein Trainer und Geschäftsführer ist?

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