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Bayern München : Mit der Bazooka auf Neuer

Manuel Neuer: Im reifen Fußball-Alter so gierig? Bild: dpa

Image und Integrität von Kapitän Neuer geraten durch die utopische Gehaltsansage in Gefahr. Doch auch der Klub steht in der Torwartfrage nicht gut da. Aus der Corona-Krise könnte eine Bayern-Krise werden.

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          Corona bringt auch den FC Bayern durcheinander. Wer immer die Summe von zwanzig Millionen Euro in die Öffentlichkeit brachte, die Manuel Neuer angeblich als Saisongehalt für einen Fünfjahresvertrag fordern soll – er musste wissen, dass er damit im Vertragspoker in diesen sensiblen Zeiten zur Bazooka gegriffen hatte.

          Ein Angriff, der geeignet scheint, Image und Integrität des Kapitäns der Nationalmannschaft und des FC Bayern zu beschädigen – weil nun viele, die in der Krise um ihre Existenz kämpfen, Neuer als gierig und unsensibel für die Nöte normaler Menschen ansehen werden. Er birgt das Risiko eines Zerwürfnisses zwischen Meister und Kapitän, wie es das beim bisher bestgeführten Verein Deutschlands seit Jahrzehnten nicht gab.

          Neuer hat die Forderung nach einem Fünfjahresvertrag nun dementiert, ja dieses Ansinnen angesichts seines Alters von 34 als „utopisch“ bezeichnet. Die genannte Summe dagegen wird von seinem Berater als falsch bezeichnet. Sie wäre im Gehaltsgefüge der Bayern auch nichts Außergewöhnliches, insbesondere seit der Verpflichtung der im Unterhalt extrem teuren, im Resultat bisher enttäuschenden Neuzugänge Philippe Coutinho und Lucas Hernández im vergangenen Sommer.

          Neuer verdient schon jetzt ein Vermögen. Man hätte ihm die Gelassenheit zutrauen können, damit zufrieden zu sein, sich und anderen mit einer Summe X nichts mehr beweisen zu müssen. Doch als Kapitän steht er unter dem Druck, seiner Mannschaft auch in eigener Sache Durchsetzungsvermögen zu zeigen – und sich nicht billiger zu verkaufen als andere, die viel weniger geleistet haben. Es ist die etwas schlichte, vielleicht pubertäre, aber im Profifußball gängige Logik: Das Geld selbst ist egal, es ist eh genug. Aber wie viel es ist, zeigt meinen Wert im Gefüge.

          Noch vor zwei Monaten hätte die Summe keinen großen Aufruhr ausgelöst, nur das berechtigte Kopfschütteln über die immer weltfremderen Bezüge der besten Kicker. Da aber war die Festlegung des Vereins auf eine Zukunft mit Trainer Hansi Flick noch nicht erfolgt, die Neuer abwarten wollte. Nun ist das erledigt. Doch inzwischen sind eben auch zwanzig Millionen geeignet, eine öffentliche Erregung zu erzielen, die sich als Trumpf im Verhandlungspoker nutzen lässt.

          Ob das klug ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Sache könnte am Ende nur Verlierer haben und neben Neuers Image auch das des FC Bayern beschädigen, der in der Ära Hoeneß eine dauerhaft vertrauliche Beziehung mit seinen wichtigsten Spielern zu pflegen verstand. Diese „Wertschätzung“ vermisst Neuer, „wenn jetzt Sachen offenbar gezielt nach außen getragen werden“. Das, sagt er, „kenne ich so nicht beim FC Bayern“.

          Der FC Bayern an sich selbst vielleicht auch nicht. Der Verein hat sich selbst unter Druck gebracht, indem er das Gehaltsniveau spanischer Topklubs durch die Leihe Coutinhos importierte und so Begehrlichkeiten bei eigenen Stammspielern weckte. Auch durch die Verpflichtung des Torwarts Alexander Nübel, der gleich einen Fünfjahresvertrag bekam, aber bisher weit davon entfernt scheint, in die Fußstapfen eines Neuer treten zu können – dessen Position auch dadurch sportlich unangefochten ist. Sollte der Klub das Vertrauen seines Kapitäns verlieren, könnte aus der Corona-Krise auch eine Bayern-Krise werden.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

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