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Trapp wieder in Frankfurt : „Für mich war klar, dass ich das unbedingt machen möchte“

Namhafter Konkurrent An Routinier Gianluigi Buffon – und an PSG-Eigengewächs Alphonse Areola – führte in Paris für Kevin Trapp kein Weg vorbei. Bild: Reuters

Rolle rückwärts: Torhüter Kevin Trapp will bei Paris St. Germain kein Lückenbüßer sein und wechselt zurück zur Frankfurter Eintracht. Das soll nicht nur seiner Karriere wieder frischen Schwung verleihen.

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          Sie haben es spannend gemacht. Am Freitag schloss sich das Transferfenster in der Bundesliga, und kurz vor Ultimo gelang der Frankfurter Eintracht dabei ein Geschäft, das die gewachsenen Ambitionen wie das gestiegene Ansehen gleichermaßen symbolisiert: Kevin Trapp kehrt von Paris Saint-Germain zu den Hessen zurück. Er schloss sich für zwölf Monate aufs Neue dem Fußballverein an, für den er schon bis Sommer 2015 drei Jahre zwischen den Pfosten stand.

          Seit Mitte der Woche verdichteten sich Hinweise auf die Rückholaktion, doch von Seiten der Frankfurter gab es zunächst keine Bestätigung des Coups, der dann durch einen Hackerangriff auf die Rechner der Kommunikationsabteilung früher als vom Klub geplant öffentlich wurde: Auf dem Youtube-Kanal der Hessen tauchte ein Video auf, in dem der Torhüter über sein befristetes Comeback im Trikot der Eintracht plauderte. Der Clip wurde umgehend wieder entfernt, ehe durch eine offizielle Mitteilung, in der Sportdirektor Bruno Hübner die Übereinkunft bestätigte, Klarheit herrschte.

          Zum Nachdenken veranlasst

          „Für mich war klar, dass ich das unbedingt machen möchte“, sagte Trapp zum Wiedereinstieg. Die Eintracht habe eine beachtenswerte Performance vom Abstiegskandidaten zum Pokalsieger hinter sich – und verfüge über viel Talent und Potential: „Hier wird gut gearbeitet“, sagte Trapp. Er freue sich auf einen „guten Konkurrenzkampf“ mit Frederik Rönnow. Der 26 Jahre alte Däne hatte sich im Juli (als Nachfolger von Lukas Hradecky) der Eintracht angeschlossen, überzeugte bislang aber nicht und hatte zudem mit Verletzungssorgen zu kämpfen. „Die Knieprobleme von Frederik Rönnow haben uns zum Nachdenken veranlasst“, sagte Hübner zu den Beweggründen, die der spektakulären Personalie vorausgingen.

          Trapps Rolle rückwärts soll, das machte er bei seiner Vorstellung deutlich, seiner Karriere frischen Schwung verleihen. Zuletzt geriet seine Entwicklung bei PSG ins Stocken. Unter Laurent Blanc war er in der Saison 2015/16 die Nummer eins, und es gelang ihm, sich „auf extrem neue Einflüsse“ einzustellen, wie er es formulierte. Er absolvierte 35 Partien, ehe ihm unter Blancs Nachfolger, dem Spanier Unai Emery, schwächere Leistungen zum Nachteil gereichten. „Dass ich damit nicht zufrieden war“, sagte Trapp im Rückblick, „versteht sich von selbst.“

          Das Champions-League-Hinspiel gegen Barcelona, das 4:0 ausging, bleibe ihm als „sensationelles“ Erlebnis in Erinnerung, das Rückspiel, das 1:6 endete und das Aus im Achtelfinale bedeutete, nannte er gar „historisch“. Bei vielen Pariser Fans und dem Coach verlor vor allem Trapp durch das Debakel an Kredit. Der gebürtige Saarländer sprach von mehreren Situationen, in denen er habe lernen müssen, mit Unvorhergesehenem klarzukommen. Er fühle sich heute „gereift“. Für ihn sei als Profi ein Leitmotiv wichtig: „Ich bin jemand, der die Dinge gerne selbst in die Hand nimmt.“ Aus seiner Sicht habe daher „jetzt alles für Frankfurt gesprochen“.

          In der vergangenen Runde kam er bei PSG in der Liga nur zu vier Einsätzen. Die Hoffnung, dass sich unter der Regie des im Sommer angetretenen Thomas Tuchel seine Lage grundlegend verbessern würde, stellte sich als trügerisch heraus. In der Klubführung in Paris haben Emissäre der qatarischen Herrscherfamilie das Sagen. Sie werden getrieben vom Wunsch nach spektakulären Akteuren und verfügen über schier unerschöpfliche Geldvorräte, mit denen sie PSG als internationale Vorzeigeadresse etablieren wollen. Während der Fußball-WM wurde in diesem Kreis der Beschluss gefällt, die Equipe um einen zusätzlichen Star zu ergänzen: Mit dem 40 Jahre alten Routinier Gianluigi Buffon tauchte so ein weiterer namhafter Konkurrent auf, der Trapp vorgezogen wurde.

          Buffons Zuspruch nur ein schwacher Trost

          Hinter dem Franzosen Alphonse Areola, gegen den er im internen Wettstreit schon keine sonderlich guten Karten besaß, wurde Trapp zuletzt auf die Rolle des Ersatzmanns des Stellvertreters degradiert. Buffons Zuspruch war da nur ein schwacher Trost. Trapps Einstellung in der täglichen Trainingsarbeit sei „vorbildlich“, stellte der Italiener fest: „Ein Team wie PSG spielt ungefähr 56 Spiele in der Saison. Es ist undenkbar, nur zwei Torhüter zu haben. Es ist daher nur logisch, dass Kevin bleiben muss.“ Ein Irrtum. Trapp sagte am Freitag in Frankfurt, dass er am liebsten „immer spielen“ wolle, und lobte ansonsten in höchsten Tönen Buffon, dem er sich „freundschaftlich verbunden“ fühlt.

          Die Rolle als Lückenbüßer, der nur noch sporadisch sein Können würde zeigen können, war jedenfalls nicht das, was sich mit Trapps Ehrgeiz in Einklang bringen ließ. Auch weil sich dadurch seine Position in der Nationalmannschaft erheblich zu verschlechtern drohte. Trapp möchte beim Neuaufbau unter Joachim Löw zum Kreis der Auserwählten gehören. Er habe auch mit dem Bundestrainer über seinen Schritt gesprochen, berichtete der 28-Jährige, „er war sehr glücklich über meine Entscheidung“. Löw berücksichtigte ihn für die bevorstehenden Länderspiele gegen Frankreich und Peru nicht. Trapp nahm es sportlich. So könne er stattdessen seine Eingewöhnung vorantreiben, meinte der Keeper, der auf Anhieb in Frankfurt besonders im Blickpunkt steht. Schon an diesem Samstag gegen Werder Bremen (15.30 Uhr / Live im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) soll er zur Startelf gehören.

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