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Tickets für die EM 2008 : Dieser Weg wird kein leichter sein

Startschuss für den EM-Ticketverkauf mit den unvermeidlichen Turnier-Maskottchen Bild: AFP

Seit heute hat der virtuelle Ticket-Schalter für die Fußball-EM 2008 geöffnet. Bis Ende März werden in der ersten Runde der Ticket-Lotterie 346.500 Karten an den Fan gebracht. Wer sich online an den Bestellvorgang wagt, braucht vor allem eines: Geduld.

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          Was für die WM in Deutschland galt, trifft auch auf die Fußball-Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und in Österreich zu - auch und besonders, wenn man sich Eintrittskarten für die Spiele der Endrunde sichern möchte. Dieser Weg wird kein leichter sein. Während die deutsche Nationalmannschaft in der Qualifikation gerade vier von zwölf Partien absolviert hat, können die Fans seit heute Tickets kaufen. Doch wer 464 Tage vor dem Eröffnungsspiel der EM über die offizielle Website www.euro2008.com Karten bestellen will, braucht vor allem eines: Geduld.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Zuerst verweist die Website auf einige allgemeine Informationen. Am Ende der Seite wähnt man sich schon am Ziel: „Antrag stellen“ steht dort. Doch stattdessen landet der Fan zunächst einmal bei einer weiteren Übersicht mit Angaben und Tabellen zu Preisen, Bezahlverfahren und Regeln. Also noch einmal auf „Antrag stellen“ geklickt. Es folgen die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“. Akzeptiert. Und dann? „Bitte haben Sie etwas Geduld. Aufgrund der sehr vielen Anfragen sind Sie in eine Warteschlange aufgenommen worden.“ Na, prima.

          Insgesamt 1,05 Millionen Tickets für 31 Spiele

          Zeit also, sich ein wenig zu informieren. Die Preise liegen zwischen 45 Euro (Gruppenspiel, günstigste Kategorie) und 550 Euro (Finale, teuerste Kategorie). Bei der WM reichte die Spanne von 35 bis 600 Euro. Folglich kommt dem Fan auf den „billigen Plätzen“ das EM-Live-Erlebnis teurer zu stehen als ein Stadionbesuch bei der sommerlichen WM. Das ist aber noch nicht alles: Sofern man nicht aus den beiden Ausrichterländern stammt, addiert sich pro Bestellung eine Gebühr von 20 Euro. Zunächst werden bis zum 31. März über das Internet und per Telefon 346.500 Tickets verkauft. Pro Person, Spiel und Spieltag dürfen maximal vier Karten bestellt werden. Vorher sollte sich der Fan aber genau überlegen, welche Tickets er überhaupt will.

          Tickets für alle - die sich dem langwierigen Verfahren im Internet stellen

          Denn bis auf die Gastgeber ist noch keine Nation qualifiziert. Da bietet sich die „Teamserie Turnier“ an. Das Ticket gilt für alle Spiele einer ausgewählten Mannschaft. Scheitert das Team in der Qualifikation, bekommt man das Geld zurück. Eine weitere Möglichkeit ist es, sich für die „Teamserie Gruppenphase“ zu entscheiden. Hier sieht man alle Spiele seines Teams in der EM-Vorrunde, aber nicht darüber hinaus. Die dritte Möglichkeit ist das Einzelticket für eines der 31 Spiele. Insgesamt gibt es nur 1,05 Millionen Karten. In Deutschland waren es drei Mal so viele.

          Keine Bevorzugung für treue Fans

          Zudem wird es nicht wieder zahlreiche Verkaufphasen geben. Denn die weiteren Tickets gehen nach Ende der Qualifikation an die teilnehmenden Verbände. Statt acht, wie bei der WM, erhalten sie 20 Prozent der Tickets für Spiele mit eigener Beteiligung. Dieses Kontingent wird wohl von Ende 2007 an angeboten. „Unser Ziel war es, angesichts der kleinen Stadien, einen besonders hohen Anteil der Karten direkt an die Fans geben zu können“, erklärte der Schweizer Turnierdirektor Christian Mutschler. „Dieser Anteil wird die 75 Prozent übersteigen.“

          Dennoch machte sich zuletzt in der Schweiz Unmut breit. Die Mitglieder des Fanklubs der Nationalmannschaft, die ihr Team seit Jahren zu allen Spielen begleiten, werden nicht bevorzugt. Zwar ist in der zweiten Phase an eine Berücksichtigung gedacht, doch die Fans befürchten, im Stadion sehr verteilt zu sein, was die Stimmung zerstöre, wie es Vizepräsident Gregori Stefani formulierte. Dass das nicht unbedingt so sein muss, hat die WM gezeigt. Immerhin sind je 750 Tickets pro Spiel für die Bewohner der acht Ausrichterstädte reserviert.

          „Portal ist geöffnet“! Endlich. Und dann?

          Ähnliche Sorgen machen sich die langjährigen Anhänger im Nachbarland Österreich. Einziger Vorteil - wie auch für die Schweizer - ist, dass sie gezielt für die Spiele des eigenen Team Einzelkarten bestellen können. Zudem möchte der Österreichische Fußball-Bund eine Treueaktion anbieten. Jeder Fan, der seit Ende 2006 ein Ticket für ein Länderspiel kauft, wird in eine Liste eingetragen. Die ersten 1300 dieser Liste erhalten Ende 2007 ein Vorkaufsrecht. Doch auch dieses System stößt auf Kritik, wird doch vor allem aktuelle Treue belohnt. Sicherlich wird das Thema Tickets mindestens bis zum Ende der EM ein Aufreger bleiben.

          Mittlerweile hat sich die Warteschlange aufgelöst: „Das Eintrittskarten-Portal ist nun geöffnet!“ Endlich. Neuer Kartenantrag? Ja! Und dann? „Bitte haben sie etwas Geduld. Sie befinden sich in einer Warteschlange.“ So muss das wohl in der heutigen Zeit des Internets sein. Doch zum Glück spielt es keine Rolle, wann man bestellt. Am Ende der ersten Phase werden die Karten unter allen Bestellern verlost. Wahrlich kein leichter Weg.

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