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Ticketpreise in Premier League : Brot, Geld und Spiele

„Fußball ohne Fans ist keine gute TV-Show.“ Bild: dpa

In England werden Fußballtickets immer teurer, das macht die Anhänger wütend. Fans organisieren sich nun öffentlich und werden damit zum politischen Faktor – mit Erfolg.

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          Fußball wird zum Spielfeld direkter Demokratie. Rund 10.000 Anhänger des FC Liverpool verließen vor einer Woche nach 77 Minuten das Stadion, um gegen die Erhöhung der Eintrittspreise auf bis zu 77 Pfund (rund 100 Euro) zu protestieren. Die Botschaft kam an – nicht nur beim eigenen Team, das, verdattert vom Fan-Exodus, einen 2:0-Vorsprung verspielte; auch bei den amerikanischen Klubbesitzern. Sie entschuldigten sich öffentlich und nahmen die Preiserhöhung zurück.

          In der Premier League werden die TV-Einnahmen jedes Klubs demnächst um Dutzende Millionen Pfund pro Jahr steigen. Der Plan, die Zuschauer, die schon rund das Doppelte bezahlen wie in der Bundesliga, trotzdem weiter zu schröpfen, zeugt von zunehmender Weltfremdheit im globalisierten Fußball. Immer mehr Klubs in England gehören Milliardären aus aller Welt, Lichtjahre entfernt von der sozialen Realität im Land ihres Investments. Sie betrachten Fußball allein als Glanzprodukt für Bildschirme und Bilanzen – und sehen nun, dass die Menschen im Stadion mehr sind als klatschende Kulisse für eine TV-Produktion.

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          Fans verstehen heute, sich über soziale Medien öffentlich zu organisieren. Das macht sie zum politischen Faktor. Klubs müssen das akzeptieren – jedenfalls da, wo die Macht der Masse nicht missbraucht werden soll, etwa dafür, Einfluss auf sportliche oder personelle Entscheidungen nehmen zu wollen. Wo es um den Missbrauch der Macht durch Klubs geht, ist der Protest mehr als legitim.

          An diesem Sonntag wollen die Fans von Leicester City das Arsenal-Stadion aus Wut über die Verlegung des Top-Spiels um 21 Stunden (erst vor drei Wochen auf Wunsch des Pay-TV erfolgt) erst fünf Minuten nach Anpfiff betreten – so wie Dortmunder Fans im Pokal in Stuttgart wegen teurer Stehplatz-Tickets (19,50 Euro) die ersten zwanzig Minuten boykottierten. Ihre Botschaft: „Fußball ohne Fans ist keine gute TV-Show.“

          Premierminister David Cameron zeigt sich besorgt über steigende Ticket-Preise. Auch in der Liga selbst regt sich Solidarität. „Ich würde die Fans umsonst ins Stadion lassen“, sagt Watford-Trainer Quique Flores. West-Ham-Kollege Slaven Bilic fordert: „Wenn du Kaviar und Champagner willst, ist das teuer. Aber Brot und Milch sind billig. Auch der Fußball sollte es sein.“ Brot und Spiele - ihr Preis ist ein Teil des sozialen Friedens.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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