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Ticketbörse Viagogo : Wackliges Kartenhaus

  • -Aktualisiert am

Auf Schalke wurde die Kooperation mit Viagogo schnell wieder beendet Bild: dpa

Mit Aufschlägen von bis zu 100 Prozent können bei dem Ticketportal Viagogo Karten für Fußballspiele erworben werden. Auch für die Partie der Nationalmannschaft gegen Chile werden schon Tickets angeboten. Dabei hat der Vorverkauf noch gar nicht begonnen.

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          Über mangelnde Werbung muss sich Viagogo nicht beschweren, seitdem der Internetmarktplatz in die Fußball-Bundesliga eingestiegen ist. Der Ticketvertreiber hat seinen Bekanntheitsgrad immens gesteigert, jedoch vor allem durch Negativschlagzeilen, die aufgebrachte Fans ausgelöst haben. An mehreren Bundesligastandorten protestierten in den vergangenen Monaten die potentiellen Stadionbesucher über die hohen Preise, die sie zahlen müssten, wenn sie die auf der Netzplattform angebotenen Karten kauften. Was soll die Aufregung?, kann man fragen. Schließlich wird niemand dazu gezwungen, in ein Fußballstadion zu gehen, schon gar nicht zu Preisen, die als horrend empfunden werden. Angebot und Nachfrage regeln auch diesen Markt, und solange ein Unternehmen sich an die Gesetze und Vertragsinhalte hält, sollte es ihm nicht verübelt werden, Geschäfte zu machen.

          Viagogo kommt über zwei Kanäle an die Tickets, die es weiterveräußert. Einmal über Privatleute, die verhindert sind, das Spiel zu besuchen, obwohl sie schon ein Ticket erworben haben. Zum anderen über Vereine, mit denen das Unternehmen direkt zusammenarbeitet. Die Klubs reservieren dem Portal ein Kontingent oder auch die Ticketrückläufer, die der Gastverein unter dessen Fans nicht absetzen konnte. Die Internetbörse trägt also dazu bei, dass die Ränge in den Stadien nicht leer bleiben.

          Aufschlag von bis zu 100 Prozent

          Mit diesem Argument kann man den Fans von Schalke 04 allerdings nicht kommen. Die Anhängerschaft des Reviervereins löste auf der Mitgliederversammlung Tumulte aus, als das Management einen Vertragsabschluss mit Viagogo bekanntgab. Neben ihrer Abneigung gegen Profitorientiertheit im Profifußball im Allgemeinen und bei Viagogo im Besonderen, befürchteten sie finanzielle Nachteile für sich. Das Argument anderer Vereine, dass Viagogo einen willkommenen weiteren Vertriebsweg bietet, um Karten loszuwerden, sticht bei einer Auslastung der „Arena Auf Schalke“ von über 99 Prozent nicht. Ähnlich ist die Situation bei Bayern München, weswegen der Rekordmeister seine Vereinbarung mit der Ticketbörse beendet hat. Die Bayern überlegen nun, selbst eine Tauschbörse einzurichten, die Karten nicht mit einem Aufschlag von bis zu 100 Prozent anbietet.

          Schalke hat seinen Vertrag mit Viagogo nicht auslaufen lassen, sondern nach nicht mal zwei Wochen fristlos gekündigt. Das Unternehmen habe gegen Vertragsinhalte verstoßen. Viagogo widerspricht. Eine Bewertung ist unmöglich. Das Unbehagen der Fans muss sich jedoch auf die Geschäftsführung übertragen haben. Zumindest Verwunderung löst das Angebot von Viagogo für das Länderspiel der deutschen Nationalelf im nächsten März gegen Chile aus. Zu Preisen zwischen 65,83 Euro und 227,01 Euro bietet das Portal Tickets an. Dabei hat der Vorverkauf des Deutschen Fußball-Bundes noch nicht begonnen. Nicht mal die Preise wurden gestaltet, geschweige denn Karten gedruckt. Und eine vertragliche Vereinbarung zwischen Verband und Viagogo besteht auch nicht.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

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