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Paris St. Germain ist Meister : Tuchel und das Bohren in der tiefen Wunde

  • Aktualisiert am

Große Freude kam bei Paris und Trainer Tuchel beim Meistertitel nicht auf. Bild: Reuters

Der französische Meistertitel von Paris St. Germain wird nur beiläufig registriert. Vielmehr stehen bei Thomas Tuchels Team das Scheitern in der Champions League im Mittelpunkt – und die beiden Stars.

          Über Thomas Tuchels Gesichts huschte nur ein kurzes Lächeln, bei den Champagner-Duschen der Profis in der Kabine war er gar nicht erst dabei. Obwohl der 45-Jährige das Gegenteil beteuerte, war beim ganz in schwarz gekleideten Trainer von Paris St. Germain kaum Freude über seinen ersten Meistertitel zu erkennen. Der Gewinn der französischen Meisterschaft wurde in Paris lediglich registriert – das musste Tuchel unmittelbar nach dem sechsten PSG-Triumph in den vergangenen sieben Jahren erkennen.

          Bei den ersten beiden Fragen während der Pressekonferenz ging es tatsächlich nicht um den achten Titelgewinn des Hauptstadtklubs. Zunächst musste sich Tuchel zu Kylian Mbappe und Neymar äußern. Erst nachdem die Befindlichkeiten der beiden Superstars geklärt waren, durfte der Deutsche über den Erfolg der Mannschaft sprechen. „Alle haben von uns die Meisterschaft erwartet. Aber wenn man es dann geschafft hat, ist es etwas anderes“, sagte Tuchel: „Das ist meine erste Meisterschaft – deshalb ist es natürlich etwas Besonderes für mich. Und deshalb muss ich mich bei allen im Klub bedanken – ganz besonders bei den Spielern.“

          Doch kaum hatte Tuchel seine Danksagungen beendet, wurde wieder in jener Wunde gebohrt, die seit dem 6. März beim äußerst ambitionierten und mit Milliarden aus Qatar alimentierten Klub klafft. Dem Trainer wurde das Aus im Achtelfinale der Champions League gegen Manchester United abermals auf's Brot geschmiert. Tuchel blieb nichts anderes übrig, als um Geduld zu bieten. „Der Gewinn der Champions League ist ein riesiges Unterfangen“, äußerte der Coach: „Ein Klub wie Juventus Turin wartet nun schon seit über 20 Jahren darauf – und das ist Juventus!“

          Immerhin kann Tuchel beim nächsten Anlauf in der kommenden Saison auf Mbappe bauen. Der Weltmeister, der alle drei Tore beim 3:1 (2:0) gegen seinen früheren Klub AS Monaco erzielte, gab ein klares Bekenntnis zu PSG ab – und erteilte Spekulationen über einen Wechsel zu Real Madrid eine Absage. „Ich habe mich diesem Projekt verschrieben. Gut für Real, wenn sie Zinedine Zidane als Trainer haben. Ich werde ihre Spiele als Bewunderer ansehen“, sagte der Stürmer, der ebenfalls nicht um einen Kommentar zur Königsklasse umhin kam: „Natürlich hatten wir uns in der Champions mehr erhofft. Aber wir durften uns davon nicht demoralisieren lassen.“

          Mbappé war 2017 vom AS Monaco zu PSG gewechselt, insgesamt hatte der Hauptstadt-Klub 180 Millionen Euro für den Torjäger überwiesen. Sein Vertrag läuft noch bis Ende Juni 2022. Der 20-Jährige hat nach dem Hattrick gegen Monaco bereits 30 Saisontore auf dem Konto. Das schaffte in Frankreichs Liga zuletzt Jean-Pierre Papin in der Spielzeit 1989/90.

          Der Gewinn des nationalen Titels war kein allzu großes Kunststück mehr für den Verein der deutschen Nationalspieler Julian Draxler und Thilo Kehrer, der gegen Monaco im Sondertrikot in Gedenken an die ausgebrannte Kathedrale Notre-Dame auflief. Durch das 0:0 von Verfolger OSC Lille beim FC Toulouse waren die Pariser schon vor der Partie durch – fünf Spieltage vor Saisonende. Allerdings hatte Paris schon in drei Spielen zuvor die Chance gehabt, den Sack zuzumachen, vergaben diese aber durch Remis und Niederlagen, wie beim 1:5 in Lille.

          Nun konnten sich Mbappe und Neymar, der nach drei Monaten Verletzungspause in der zweiten Hälfte sein Comeback feierte, über die volle Aufmerksamkeit freuen – auch vonseiten ihres Trainers. „Wir brauchen Kylian, um unsere Ziele zu erreichen. Er ist entscheidend für uns“, sagte Tuchel über Mbappe. Mit Lob vom Coach wurde auch 222-Millionen-Mann Neymar überschüttet: „Er hat sofort gezeigt, dass er ganz einfach Lösungen findet und unser Spiel schneller macht.“

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