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Thomas Strunz : „Ich bin die beste Wahl“

  • -Aktualisiert am

Als Manager beim VfL Wolfsburg geht Thomas Strunz hochmotiviert in die Rückrunde Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Er gibt sich angriffslustig - und bringt als Manager Siegermentalität zum VfL Wolfsburg. Sportchef zu sein ist für ihn ein Traumjob. Der Ruf vom faulem Profi „Struuunz“ ist schon lange Schnee von gestern.

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          „Halli-Hallo“, sagt Thomas Strunz zur Begrüßung, seine gute Laune ist fast ansteckend. Das hat viele Gründe. Einer ist die Zeitungslektüre an diesem Vormittag. Strunz hat gelesen, was Stürmer Thomas Brdaric gesagt hat, und das gefällt ihm.

          Die Bayern seien keinen Deut besser als der VfL Wolfsburg, sagt Brdaric, in der Rückrunde wolle der VfL angreifen. Recht so! Genau dieses Selbstbewußtsein will der 36 Jahre alte Thomas Strunz seinem neuen Arbeitgeber einpflanzen. Daß es aus Brdarics Mund doch sehr marktschreierisch klingt, stört Strunz nicht. „Nur wenn man sich viel vornimmt, kann man etwas erreichen“, sagt er.

          Traurigster Tabellenführer in die Geschichte der Bundesliga

          Thomas Strunz ist seit einer Woche Manager des VfL Wolfsburg. In diesen Tagen ist es ihm schon gelungen, einen frischen und aufrechten VfL zu präsentieren - allein durch seine durchdachten, angriffslustigen Äußerungen. „Ich bin der Meinung, daß die Mannschaft das Potential für ganz oben hat. Das ist meine hundertprozentige Überzeugung“, sagt Strunz. Ganz oben war sie ja in der Hinrunde lange Wochen, aber es folgte chronische Zerknirschung anstelle von überbordendem Selbstvertrauen. Der VfL Wolfsburg ging als traurigster Tabellenführer in die Geschichte der Bundesliga ein, als Spitzenreiter, der den eigenen Qualitäten nicht traute und prompt in einer Mischung aus sportlicher Schwäche und internen Querelen von Rang eins fiel.

          Das hat Strunz genau beobachtet; er wurde Ende November 2004 als Nachfolger des im Sommer gefeuerten Peter Pander vorgestellt. Kein Wort mehr davon, Strunz' Blick geht nach vorn: „Daß wir nicht nach oben gehören, das waren doch Aussagen einzelner. Ich sehe das nicht so. Uns fehlt einfach noch die Konstanz. Das ist völlig normal, der VfL ist doch erst sieben Jahre in der Bundesliga. Aber es gibt keine Übermannschaften mehr in der Liga. Das ist ein Vorteil für alle.“

          Der Sportchef soll langfristig, perspektivisch etwas entwickeln

          Bei der VfL Fußball GmbH ist man erst einmal begeistert von Strunz' neuer Fußballwelt. Dem VfL fehlte bislang das Sieger-Gen, man war zu schnell mit zu wenig zufrieden, und das trotz der von Hauptanteilseigner VW bereitgestellten Millionen. Eine lähmende Selbstzufriedenheit überfiel zu oft die Profis, weil auch kein Sportchef da war, der richtig Druck machte. Strunz, der Europameister von 1996, der deutsche Meister und Pokalsieger, soll dem profilsuchenden Klub mehr Farbe geben auf seinem Weg auf Europas Fußballbühne - er bringt Siegermentalität mit. Die hatte auch Stefan Effenberg, als er im Herbst 2002 als Spieler kam. Das Experiment mißglückte. Strunz hingegen soll als Sportchef „langfristig, perspektivisch etwas entwickel“. Er fordert Zeit für das Umdenken, er ist kein Naivling. „Das kann dauern“, sagt Strunz, „mit alten Denkmustern bricht man nicht so schnell“

          Bei VW war man bislang immer geduldig mit der Fußball-Tochter, doch in Zeiten des eisernen Sparens bei der Konzernmutter darf Strunz nicht auf allzu viel Langmut hoffen. Erfolg möglichst bald, das sind die schlichten Erwartungen an ihn und Trainer Gerets - weniger als Rang fünf soll es in dieser Saison schon mal gar nicht sein. So denken sich das zumindest die Verantwortlichen, vor allem die von VW, die Pander im Sommer nach 14 Jahren entließen und dann lange suchten, bevor sie Strunz fanden, vorher Völler und Calmund nicht wollten, Bode nicht bekamen. Strunz, die zweite Wahl? „Ich bin die beste Wah“, sagt Strunz.

          Mein Job beim VfL ist außergewöhnlich, er ist eine tolle Chance“

          Der frühere Fußballprofi weiß, daß er einen Traumjob abbekommen hat. Nach Ende seiner Laufbahn machte er sich vor vier Jahren mit der Spielerberatungsagentur „Strunz & Friend“ in Düsseldorf selbständig. Er hatte nicht die großen Namen in der Kartei, sondern erfolgshungrige, junge Spieler aus der zweiten und dritten Liga. Die Agentur erwirtschafte Gewinn. Im Sommer 2004 war keiner seiner 29 Klienten arbeitslos. Im Gegensatz zu anderen Beratern hat Strunz einen guten Ruf in der Szene. Sonst wäre er bei VW auch nicht untergekommen. „Mein Job beim VfL ist außergewöhnlich, er ist eine tolle Chance. Der Verein ist relativ jung, es gibt keine statischen Gebild“, sagt er, „bei uns ist alles in Bewegung“ Den Gedanken, daß „sein“ Klub eigentlich nur ein Marketing-Werkzeug des Weltkonzerns ist, hat Strunz schon verinnerlicht. „Die Frage ist: Wie kann VW noch mehr vom VfL profitieren, wie kann der VfL noch mehr seiner sozialen Verantwortung nachkommen.“

          „Struuunz!“ hat nicht geschadet

          Andere Fragen hat sich Strunz auch gestellt; Fragen, die seine Aufgabengebiete jenseits der Spielerverpflichtung, der Vertragsverlängerung umreißen. Wie kann man den Bekanntheitsgrad des VfL steigern? Wie füllt man das Stadion? Wie bekommt Wolfsburg mehr Fans, mehr Popularität? Strunz soll helfen, dem VfL das Image des Werksklubs zu nehmen. Verläßlich will er arbeiten und sich mit dem neuen Geldgeber identifizieren, so, wie er es bei Uli Hoeneß immer bewundert hat. Doch am Ende will er seinen eigenen Weg gehen und niemanden kopieren.

          Dazu gehört auch, ältere Spieler wie Stefan Schnoor zu duzen, jüngere zu siezen. „Ich habe keine Angst, mich unbeliebt zu machen. Autorität hat nichts mit duzen und siezen zu tun.“ Ein Text über Strunz ohne Trapattoni? Strunz hat längst Frieden geschlossen mit dem Trainer, der ihn als faulen Profi bloßstellte. Auf der „Strunz & Friend“-Homepage kann die Brandrede von Trap heruntergeladen werden. Gelassenheit ist auch ein Wesenszug des Thomas Strunz. Er weiß: Ohne „Struuunz“ wäre Strunz nie Manager des VfL Wolfsburg geworden.

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