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Chemnitz-Sportchef Sobotzik : „Mir kam blanker Hass entgegen“

Eine Erklärung zum Abschied: Thomas Sobotzik spricht über seine Beweggründe zum Rücktritt beim Chemnitzer FC. Bild: Picture-Alliance

Thomas Sobotzik hat beim Chemnitzer FC seinen Rücktritt erklärt: Nun schildert der Sportdirektor seine Beweggründe. Und er gibt rechtsextremen Teilen der Fanszene die Schuld.

  • -Aktualisiert am

          Spätestens am kommenden Montag wird die Zeit von Thomas Sobotzik beim Chemnitzer FC vorbei sein. Von seinem Posten als Geschäftsführer des Fußball-Drittligaklubs war der 44-Jährige bereits Anfang dieses Monats zurückgetreten, mit dem Ende der Transferperiode am 2. September hatte er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Auch die „organschaftliche Funktion“ als Geschäftsführer gibt der ehemalige Sport- und Finanzvorstand in den kommenden Tagen auf, wenn sein Nachfolger feststeht. Die Entwicklung tue ihm leid, „aber aufgrund der Ereignisse in den vergangenen Monaten sah ich keine andere Alternative mehr, als den Verein um die Entbindung von allen Aufgaben zu bitten“, sagte Sobotzik am Mittwoch in einer persönlichen Erklärung. „Was ich zuletzt an persönlichen Anfeindungen, Beschimpfungen und Drohungen erleben und erleiden musste, geht weit über das Maß hinaus, das verkraftbar ist.“ Nach „all den Wirren in den vergangenen 16 Monaten und besonders den unwürdigen Konflikten von Teilen der aktiven Fanszene mit mir“ war Sobotzik mit seiner Kraft am Ende.

          Aus der aktiven Fanszene sei ihm „immer öfter blanker Hass entgegen geschlagen. Ganz gezielt“ hätten „hier Leute aus dem rechten politischen Lager mit ihren rassistischen und antisemitischen Parolen den Verein und seine handelnden Personen in ein schlechtes Licht gerückt“, sagte er. Mit ihren Aktivitäten hätten sie die „Basis für eine verantwortungsvolle und erfolgreiche Arbeit akut gefährdet“. Gleichwohl bedauert der ehemalige Profi der Frankfurter Eintracht, der auch in Österreich und Norwegen gespielt hat, nicht, sich in Chemnitz engagiert zu haben. „Ich würde es immer wieder so machen und auch den Kampf gegen rechtsradikale Anhänger im Interesse des Vereins und auch des Images der Stadt aufnehmen – und mich somit klar positionieren im Sinne des gesellschaftlichen Auftrags des Fußballs.“

          Aufstieg in die Dritte Liga

          Im Mai 2018 war Sobotzik beim Chemnitzer FC in den Vorstand berufen worden. Nach dem Ende seiner Profikarriere – mit dem FSV Frankfurt war er 2008 noch einmal in die zweite Liga aufgestiegen – hatte er sich zunächst in der Privatwirtschaft betätigt und zusammen mit einem Partner eine Personaldienstleistungsfirma aufgebaut. Auch dabei brachte er seine Fähigkeiten ein. Der vielseitig interessierte Sobotzik, der auf einen respektvollen Umgang miteinander Wert legt, ist intelligent und zielorientiert. Außerdem übernimmt er gerne Verantwortung. Bevor Fredi Bobic im Mai 2016 Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt wurde, gehörte auch Sobotzik zum engeren Kandidatenkreis der Hessen. In Chemnitz schaffte die in eine GmbH ausgelagerte Profi-Mannschaft trotz des laufenden Insolvenzverfahrens den Aufstieg in die dritte Liga.

          Die Qualifikation für den diesjährigen DFB-Pokalwettbewerb sowie die „bereits erheblich vorangekommene finanzielle Konsolidierung“ wertet Sobotzik als weitere Erfolge. Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter Klaus Siemon „haben wir bis zum heutigen Tage unsere finanziellen und sportlichen Ziele erreicht“, zog Sobotzik Bilanz. „Denn das gab es noch nie im deutschen Fußball, dass ein Verein in der Insolvenz aufsteigt und dabei seine Struktur noch komplett ändert und professionalisiert.“ Sobotzik betonte am Mittwoch, dass er sich seit langem mit der „unheilvollen Situation“ in Chemnitz beschäftigt und „immer wieder aufs Neue klar Position bezogen“ habe. „Ich wäre auch jederzeit zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem radikalen Teil unserer Fans bereit gewesen. Aber dieses Anliegen hatte keine Chance auf eine Realisierung“, sagte er und zählte mehrere „Tiefpunkte“ auf, die er habe erleben müssen.

          Einer davon seien die Vorkommnisse nach dem DFB-Pokalspiel gegen den Hamburger SV gewesen. Ein Mitglied der aktiven Fanszene habe ihm am VIP-Ausgang bedrängt und zu ihm gesagt: „Verpiss dich, du scheiss Drecks-Jugo.“ Dieser Vorfall sei polizeilich genau so registriert, sagte der in Polen geborene Sobotzik. Beim darauffolgenden Heimspiel gegen Magdeburg habe es dann Schmierereien im Stadion mit Morddrohungen gegen Siemon und ihn gegeben. Und bevor die Entlassung des ehemaligen Mannschaftskapitäns Daniel Frahn vom Klub öffentlich kommuniziert worden sei, habe er bereits „wüste Beschimpfungen und Drohungen“ über WhatsApp erhalten. „Jeder kann sich vorstellen, wie so etwas einzuordnen ist“, sagte Sobotzik. Beim Auswärtsspiel der Chemnitzer in Halle hatte Frahn neben stadtbekannten Neonazis im Fanblock gestanden. Als die Sachsen bei Bayern München II spielten, wurde Sobotzik rassistisch und antisemitisch beleidigt.

          Der Verein reagierte darauf mit einer Stellungnahme: „Bedrohungen und Aussagen wie: Thomas Sobotzik, du Judensau oder Daniel Frahn ist wenigstens kein Neger, dürfen in unserer Gesellschaft keine Akzeptanz haben“, hieß es in einer Mitteilung der Chemnitzer, die die Äußerungen als „widerlich“ bezeichneten. Die Zeit in Chemnitz werde er „auf jeden Fall nicht vergessen. Sie werden mich über das Sportliche hinaus sicher ein Stück prägen bei künftigen Tätigkeiten“, sagte Sobotzik. „Generell ist Zivilcourage und damit das klare Eintreten für demokratische Werte in unserer Gesellschaft heute wichtiger denn je.“

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