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Corona im Profi-Fußball : Team Vorsicht

Hält sich noch sehr zurück, „was den direkten Kontakt anbelangt“: Thomas Müller nimmt Corona nicht auf die leichte Schulter. Bild: dpa

Vor Corona sind alle gleich: Weshalb Thomas Müller und andere Nationalspieler für Rücksicht und Zurückhaltung werben – und ihren Fans dabei sehr nahekommen.

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          „Nationalspieler bist du immer.“ Es ist ein schöner Satz, den Hansi Flick seinen Spielern mit auf den Weg gegeben hat, als Maxime für alle Lebenslagen gewissermaßen: Es geht dabei weniger um das Selbstwertgefühl einer besonderen Spezies als um das Gespür dafür, wie man sich in der exponierten Rolle als Nationalspieler zu bewegen und zu verhalten hat, nicht zuletzt außerhalb des Fußballplatzes. Aus gegebenem Anlass zitierte auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff am Mittwoch den Flick’schen Imperativ. Dass bei der Ankunft des Teams in Hamburg am Dienstag Antonio Rüdiger der Einzige aus dem Team war, der vor dem Hotel den Wunsch der wartenden Fans nach Selfies und Autogrammen erfüllte, hatte in diesem Zusammenhang für kritische Nachfragen gesorgt – Stichwort: Fan-Nähe.

          Fußball-Länderspiele

          Bemerkenswert fielen die Antworten der Spieler darauf aus. Zum Beispiel von Thomas Müller, der am Dienstag geschildert hatte, dass er sich „noch sehr zurückhalte, was den direkten Kontakt anbelangt“. Konkret: Bei Autogrammen steht Müllers persönliche Corona-Ampel auf Rot, Grün zeigt sie bei Selfies mit zwei Metern Abstand.

          Jonas Hofmann wurde noch deutlicher. Aus den Worten des Gladbachers sprach ein grundsätzliches Unbehagen gegenüber dem Eindruck, dass „viele Corona sehen, als wäre es komplett überstanden“. Er würde gerne Autogramme geben, sagte Hofmann, warb aber auch vor dem Hintergrund von Impfdurchbrüchen sehr dafür, dass alle noch eine Weile „mitziehen“, was Regeln und Empfehlungen angeht. Eine Haltung, der man mit Blick auf Herbst und Winter auch über den Fußball hinaus Nachahmer wünschen würde.

          Die brennende Frage des Fußballs

          Es gibt also auch im Fußball noch ein „Team Vorsicht“, das Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, zuletzt in die Nähe eines „Teams weltfremd“ rückte. Die beiden Beispiele zeigen aber noch etwas anderes: Vor Corona sind in gewisser Weise alle gleich, und aus den individuellen Konflikten und Gewissensfragen, was das richtige Verhalten ist, hilft es auch nicht heraus, wenn man einer besonders privilegierten Gruppe angehört. Im Falle Müllers nicht einmal, wenn man schon mit dem Virus infiziert gewesen ist.

          Wie viel Nähe ist möglich und wie viel Abstand nötig? Diese brennende Frage, so viel ist schon sicher, wird den Fußball durch die kalte Jahreszeit begleiten. Bierhoff klang in dieser Hinsicht deutlich lockerer, als die Nationalspieler das von Tim Meyer berichtet hatten, dem Teamarzt und Leiter der Task Force Sonderspielbetrieb, und damit durchaus im allgemeinen Trend.

          Dem woll(t)en Spieler wie Müller und Hofmann nicht ohne Weiteres folgen. Mit der Artikulation ihrer Bedenken gelang ihnen ein kleines Kunststück: Indem sie die Fans auf Abstand hielten, ließen sie sie auf eine andere Art sehr nah an sich heran.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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