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Theo Zwanziger im Interview : „Dieses Gehabe der Fifa muss weg“

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Reformen - aber wie? Theo Zwanziger Bild: Wonge Bergmann

DFB-Präsident Theo Zwanziger über Blatters Vertrauenswürdigkeit, den Kampf gegen Korruption und den Fehler, die WM nach Qatar vergeben zu haben.

          Wie vertrauenswürdig ist Joseph Blatter mit dem von ihm am Freitag verkündeten Maßnahmenkatalog zur Reformierung des Internationalen Fußballverbandes (Fifa)?

          Ich persönlich habe den Fifa-Präsidenten immer als einen Menschen erlebt, der sein Wort hält. Also nie so, wie er oftmals in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Deshalb baue ich auf seinen Reformwillen. Ich habe ein ausgezeichnetes Verhältnis zu ihm, und es ehrt mich, dass er in seinen Reformbemühungen sehr stark auch auf meine Unterstützung und meine Fähigkeiten setzt. Der Zeitplan, den der Fifa-Präsident entworfen hat, ist ambitioniert, und ich bin daher gespannt, ob das Tempo in dem Erneuerungsprozess so hoch gehalten wird, wie es der Fifa-Präsident versprochen hat.

          Man könnte auch zweifeln und behaupten, dass er als langjähriger Präsident der Fifa den Sittenverfall zu verantworten hat und deshalb wohl kaum als Vorkämpfer einer Reform taugt.

          Es wird natürlich immer Menschen geben, die ihr Bild von Blatter nicht verändern wollen und werden. Aber es gibt glücklicherweise mittlerweile auch einige, die zu denken beginnen, dadurch ihre Feindbilder abbauen und den Blick nach vorne richten. Vielleicht kann man Sepp Blatter vorwerfen, dass er einige Dinge zu lange hat laufen lassen, ohne konsequent einzugreifen.

          Hätte man nicht für einen echten Neustart Blatter zum Rücktritt bewegen müssen? Das wäre doch ein Signal gewesen?

          Es wäre ein rein populistisches Signal gewesen. Und außerdem: Wie soll das gehen? Sepp Blatter ist auf dem letzten Kongress in Zürich mit einer großen Mehrheit für weitere vier Jahre gewählt worden. Man kann doch nicht auf der einen Seite eine demokratische Verfassung haben wollen und dann auf der anderen Seite einen Staatsstreich machen. Der Reformprozess zum jetzigen Zeitpunkt ist daher nur mit Blatter möglich, darauf habe ich immer wieder hingewiesen. Und wenn er sich, wie jetzt auch im Exekutivkomitee, an die Spitze dieser Bewegung setzt, dann gibt es sehr gute Chancen, auch Widerstände in den eigenen Reihen zu beseitigen und die dringend notwendigen Reformen umzusetzen.

          Sie werden in der Fifa fortan für die Überarbeitung der Statuten und die Revision verantwortlich sein. Damit müssen Sie zwangsläufig auch den alten Profiteuren des Systems etwas wegnehmen. Mit welchen Widerständen rechnen Sie? Wer sind Ihre Gegner?

          Meine Aufgabe ist zunächst einmal zukunftsorientiert. Ich muss dafür sorgen, dass die Statuten der Fifa eine Struktur bekommen, in der Transparenz, Demokratie und Unabhängigkeit eine gewichtige Rollen spielen. Das ist die Grundlage dafür, dass etwaige Verfehlungen der Vergangenheit sich nicht wiederholen oder besser geahndet werden können. Natürlich werde ich auf diesem Weg auf andere Betrachtungsweisen, ja auch auf Widerstände stoßen, aber dann gilt es eben, Überzeugungsarbeit für die Sache zu betreiben. Außerdem: Einige der alten Strippenzieher, wie Sie sie nennen, sind im Exekutivkomitee doch gar nicht mehr dabei. Es gibt da jetzt schon neue Gesichter, die den Reformen aufgeschlossen gegenüberstehen.

          Herr Blatter hat angekündigt, dass er eine bisher geheime Liste mit Schmiergeldempfängern, die Millionen von der 2001 liquidierten Sportrechteagentur ISL/ISMM erhielten, dem Exekutivkomitee vorlegen will. Auf diesem Papier sollen Ihre drei Gremiumskollegen Teixeira, Hayatou und Leoz stehen. Müsste nicht auch die Öffentlichkeit von den Namen erfahren?

          Ich finde die Ankündigung, die Akte zu öffnen, ist ein erstes starkes Signal des Fifa-Präsidenten, dass er wirklich auch Dinge aus der Vergangenheit aufklären will.

          Nochmals: Die Schmiergeldliste ist doch von hohem öffentlichen Interesse.

          Klar ist, dass wir alle Verdachtsmomente und Korruptionsfälle der Vergangenheit abarbeiten müssen, um die Glaubwürdigkeit in die Institution Fifa und somit auch in den Fußball weltweit zurückzugewinnen. Aber das ist zunächst nicht der Kernpunkt der mir übertragenen Aufgabe in diesem Reformprozess. Das muss die Fifa mit externen Spezialisten lösen.

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