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Theo Zwanziger im Gespräch : „Ich wünschte, dass sich der DFB einschaltet“

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Theo Zwanziger, Mitglied des Fifa-Vorstandes und früherer Präsident des DFB, mahnt eine gesamtpolitische Verantwortung an Bild: dpa

Kippt Qatar? Fifa-Vorstand Theo Zwanziger spricht im Interview in der Sonntagszeitung über die schwierige Einigung in der WM-Frage, sein Nein zu einem Turnier im Sommer und Michel Platinis zögerliches Verhalten.

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          Mit einer verantwortungsvollen Vergabe eines Weltereignisses hat die Qatar-WM-Diskussion nichts zu tun. Ist das Hin und Her mit der Suche nach dem richtigen Termin für das Turnier 2022 nicht eine Bankrotterklärung des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) und der Führungskompetenz seiner Topfunktionäre?

          Den Begriff Bankrotterklärung würde ich nicht verwenden, weil ich auch Respekt habe vor den 14 Männern, die damals für Qatar stimmten. Es gibt eben viele Facetten, die für eine Vergabe sprechen, insbesondere, dass man mit der WM erstmals in die arabische Welt gehen wollte. Das ist nicht verwerflich. Richtig ist, dass die Grundanforderungen, also vor allem die klimatischen Bedingungen, unterschätzt worden sind. Die heute eindeutige Haltung der Mediziner hat es damals nicht gegeben.

          Qatar war damals vor der ominösen Wahl Letzter auf der Fifa-Empfehlungsliste.

          Die deutliche Aussage, dass im Sommer nicht gespielt werden kann, ist damals nicht so artikuliert worden. Aber diese Entscheidung war eine Fehlentscheidung und wird die Fifa noch jahrelang beschäftigen. Im Sommer kann dort nicht gespielt werden. Das steht für mich fest. Außer, man legt Qatar unter eine Kühlhaube.

          Was ist, wenn das angestrebte Konsultationsverfahren scheitert und sich die verschiedenen Akteure des Weltfußballs nicht auf einen Termin für die Qatar-WM einigen können?

          Dann wird es sehr schwer, eine verantwortliche Ebene zu finden, um doch im Sommer zu spielen. Eine Sommer-WM in Qatar halte ich für ausgeschlossen und nicht verantwortbar. Jeder, der da ohne Rücksicht auf Verluste mit dem Kopf durch die Wand will, der ist verantwortlich für jeden Todesfall, der dann dort passiert. Ich würde das nie mittragen.

          Ohne Einigung muss die WM 2022 also woanders stattfinden?

          Dann muss eine neue Entscheidung her. Zurück in den Sommer, das wird nicht gehen.

          Sehen Sie einen Ausweichtermin?

          Ich will nicht ausschließen, dass es noch einen anderen Termin gibt. Das sollte mit allen Beteiligten sorgfältig geprüft werden. Aber die Akzeptanz für eine Einigung wird weiter schwinden, wenn sich die Interessengruppen im Konsultationsverfahren bekämpfen.

          Sie sehen also eher weniger Chancen auf eine Einigung?

          Wenn der Prozess gründlich, sauber, transparent und unter Einbindung aller Betroffenen abläuft, dann wird es sicherlich ganz schwierig werden, eine Einigung auf einen Alternativtermin außerhalb des Sommers zu bekommen. Aber das Procedere ist wiederum die einzige Chance, die WM in Qatar zu retten.

          Wie geht es nun weiter?

          Wer glaubt, dass nach der Entscheidung für ein Konsultationsverfahren Qatar aus den Schlagzeilen ist, der irrt. Es gibt da ja noch die Korruptionsvorwürfe, die in den Medien kursieren. Ich weiß nicht, ob die berechtigt sind. Das ist eine Verantwortung der Ethikkommission. Es gibt Hinweise, dass von ihr ermittelt wird. Wir müssen den Bericht abwarten. Das wird in jedem Fall die Bewährungsprobe der neuen Ethikkommission.

          Die Fifa ist nach den Berichten über die schlechte Behandlung von Arbeitsmigranten in Qatar und den Tod von 44 nepalischen Arbeitern unter Druck geraten. Welche Verantwortung sehen Sie bei der Fifa als Turnierveranstalter?

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