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Theo Zwanziger : Abschied eines Alleingängers

Hohe Ansprüche, verwirrende Widersprüche: Altendiez ist überall Bild: dpa

Starker Start, einsames Ende: Theo Zwanziger war ein Präsident der hohen Ansprüche und der verwirrenden Widersprüche. Er hat den DFB verändert - und umgekehrt.

          4 Min.

          Am Dienstag verabschiedete sich der DFB-Präsident in Bremen bei Kaffee und Kuchen von der Nationalelf. Zuvor hatte er sich schon bei seiner jahrelangen Macht- und Heimatbasis auf dem Amateurkongress in Kassel bedankt und bei der Verleihung des Integrationspreises in Berlin noch mal der Bundeskanzlerin seine Aufwartung gemacht. Theo Zwanziger nimmt schon seit ein paar Wochen auf seiner Deutschlandreise Abschied von seinem Amt, aber Schlagzeilen hat das kaum mehr gemacht.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Vor knapp drei Monaten, als er auf der Weihnachtsfeier des Verbandes ganz überraschend seinen Rücktritt ankündigte, war das noch ganz anders. Zwanziger hatte sich damals allerdings vorgenommen, seine Geschäfte erst nach der EM im Oktober an seinen Nachfolger zu übergeben. Aber da spielten seine Kollegen schon bald nicht mehr mit. Nun muss Zwanziger, den zuletzt keine Fußballgröße mehr zum Amtsverbleib auffordern mochte, also schon an diesem Freitag in einem Frankfurter Flughafenhotel auf einem außerordentlichen DFB-Bundestag sein Amt Wolfgang Niersbach überlassen.

          Seit am Aufstieg des Generalsekretärs und an den neuen Verhältnissen nicht mehr zu rütteln ist, hat sich der scheidende DFB-Präsident auf die Rolle des zufriedenen Chefs verlegt, der seinen Laden geordnet hinterlässt und die Nachfolge geregelt hat. Man sollte während seiner letzten Amtstage keinesfalls den Eindruck gewinnen, es mit einem Getriebenen zu tun zu haben, schon gar nicht mit einem Vertriebenen. Es wäre daher wenig überraschend, wenn Zwanziger an diesem Freitag bei seinem letzten großen Auftritt weiter an einem schönen Abschiedsbild werkelte. Das Bundesverdienstkreuz bekommt er obendrauf. Weit spannender ist allerdings eine andere Frage: Was bleibt von seiner gut siebenjährigen Präsidentschaft, in der Zwanziger den DFB veränderte, aber das Amt noch stärker ihn?

          „Es ist Zeit zu gehen“
          „Es ist Zeit zu gehen“ : Bild: dpa

          Seine eigene Bilanz hat er in diesen Tagen in den Medien schon gezogen. Zwanziger sieht seine „inhaltlichen Ziele weitgehend erreicht“. Seine Aufgabe als DFB-Präsident sei erfüllt. Tatsächlich aber gibt es einiges zu tun für seinen Nachfolger, an großen und kleinen Baustellen mangelt es nicht in den nächsten Jahren. Die Gewaltfrage bewegt den deutschen Fußball genauso wie zu Zwanzigers Amtsantritt, das Verhältnis zur problematischen Fangruppierung der Ultras hat sich sogar verschlechtert. Der Schiedsrichterskandal mit all seinen Facetten, der mit der Affäre Amerell/Kempter unter Zwanziger seinen Anfang nahm, ist nicht nur in steuerlichen Fragen ungeklärt. Der Frauenfußball, der mit der WM 2011 in Deutschland seinen Höhepunkt erlebte, ist nach der sommerlichen Scheinblüte um Jahre zurückgefallen.

          Tatkraft und Zickzackkurs

          All das waren Themen, denen der Präsident viel Aufmerksamkeit und Einsatz schenkte, es waren seine Themen. Glänzend stehen bei seinem Abschied derzeit aber vor allem Löws Nationalelf und die Finanzen da, das uralte Kapital des DFB. Hinzugefügt in seiner Zeit aber hat Zwanziger dem Verband ein gesellschaftliches Gewissen. Dieses Erbe scheint seinem Nachfolger Niersbach jedoch kaum Herzensangelegenheit zu sein. In all den Jahren hat man jedenfalls von dem Pragmatiker und Praktiker aus dem Generalsekretariat dazu kaum etwas gehört. Dennoch wird der DFB in der gesellschaftlichen Frage kaum hinter die Anfänge von Zwanzigers Präsidentschaft zurückfallen können.

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