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Testspielturniere im Fernsehen : Öffentliches Aufwärmen – mehr nicht

Durfte beim Audi Cup auch noch ran und konnte seine jüngeren Teamkollegen unterstützen: Bayern-Profi Thomas Müller Bild: dpa

Höchstens ein Warmlaufen mit Pokal: Die Topklubs schonen bei bedeutungslosen Turnieren ihre Stars –  und setzen Spieler ein, die nie eine Erstligapartie bestreiten werden. Die TV-Sender freut es trotzdem.

          Es war eine ruhige Woche für die teuersten Fußballer der Welt. Neymar wurde von der brasilianischen Polizei, die keine Anklageerhebung wegen Vergewaltigung gegen ihn empfahl, ebenso geschont wie von Trainer Thomas Tuchel, der ihn beim Test- und Vermarktungskick von Paris Saint-Germain gegen den FC Sydney in China nicht einsetzte. Cristiano Ronaldo verbrachte beim Gastspiel mit Juventus Turin gegen eine Südkorea-Auswahl in Seoul einen Abend auf der Bank, was Empörung und Klagedrohungen bei Fans und Geschäftspartnern auslöste. Im Vertrag waren 45 Minuten am Ball, nicht 90 Minuten auf dem Hintern vereinbart.

          Am gemütlichsten hatte es Gareth Bale, den Real-Trainer Zinédine Zidane nicht mal zum sogenannten Audi Cup mitnahm. Ein spanisches Medium verkauft nun als Enthüllung, ein Video von Bale auf dem Golfplatz sei aufgenommen worden, während Real Madrid, vom daheimgebliebenen Star ignoriert, in München das Halbfinal-Schicksalsspiel gegen Tottenham bestritt. Glücklich die Welt, die solche Skandale braucht.

          Und glücklich ein Business, das mehr nicht benötigt, um das Geschäft am Laufen zu halten. Der sportliche Wert der Ware Fußball ist für deren geschäftlichen Wert immer seltener nötig. Nötig sind nur ein paar Fußballer, die die richtigen Trikots zur richtigen Sendezeit tragen. Leider ist das von Seoul bis Mainz noch nicht allen klar – dass im Monat Juli nicht richtiger Fußball im Fernsehen läuft, sondern nur ein öffentliches Aufwärmprogramm mit Ball und Schiedsrichter. Dass das Münchner „Turnierchen“, wie ZDF-Reporterin Claudia Neumann es nannte, zwei Tage lang fast zehn Stunden öffentlich-rechtliches Gebührenprogramm füllen konnte, stellt eine rekordverdächtige Bagatellisierung des Sendeauftrags dar.

          Ein Pokal zum Verstauben: Tottenham gewinnt den Audi Cup.

          Damit man auch keine der insgesamt 64 Auswechslungen der vier Partien verpasste, darunter diverse Akteure, die man wohl nie in einem Erstligaspiel sehen wird, wurde das Programm-Flaggschiff „heute journal“ auf Halbzeitlänge gekürzt – die es dann aber mit präzisem Timing in der Pause des Audi-Cup-Endspiels mit der Top-Nachricht von der Anklageerhebung gegen den früheren Audi-Chef würzen konnte. Auch eine Art Endspiel.

          Die Quote stimmte sogar, beim Finale sahen fünf Millionen Menschen zu, phasenweise waren die Partien auch ganz ansehnlich, aber doch nicht mehr als ein teuer verkauftes Warmlaufen mit Pokal – den der FC Bayern im Elfmeterschießen gegen Tottenham verpasste. Ein Wettkampf und eine Trophäe mit sportlichem Wert stehen erst Samstag auf dem Programm, auch im ZDF. Im Supercup in Dortmund geht es erstmals in der neuen Fußballsaison um mehr als nur darum, den Leuten etwas zu verkaufen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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