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Testspiel : Dänen stinksauer auf Löw und den DFB

  • Aktualisiert am

Fühlt sich vom DFB getäuscht: Dänemarks Coach Morten Olsen Bild: AP

Dicke Luft vor dem Länderspiel am Mittwoch: Die Dänen beklagen sich lauthals, dass die Deutschen nur mit einer B-Mannschaft antreten und fühlen sich respektlos behandelt. „Warum spielen wir überhaupt?“, fragte ein dänischer Spieler. Der Konter aus dem DFB-Tross folgte prompt.

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          Sie fühlen sich respektlos behandelt und als Sparringspartner missbraucht: Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch gehen die dänischen Nationalspieler in das Länderspiel am Mittwoch (20.00 Uhr) in Duisburg gegen Deutschland. „Wenn Deutschland das Spiel nicht haben will, warum spielen wir dann überhaupt?“, fragte der frühere Schalker Christian Poulsen.

          Auch Nationaltrainer Morten Olsen ließ seiner Wut über die plötzliche Abkommandierung von acht deutschen Spielern nach dem 2:1-Sieg am Samstag in der EM-Qualifikation in Tschechien freien Lauf. „Ich habe viele Jahre hier gearbeitet und die Deutschen immer als sehr gastfreundlich erlebt. Aber das ist respektlos“, schimpfte der frühere Bundesliga-Spieler und -Trainer des 1. FC Köln.

          „Wieso brauchst du meine Spieler?“

          „Mein Kollege muss mich nicht anrufen und sagen, mit welcher Taktik er spielt oder wenn ihm zwei oder drei Leute ausfallen“, erklärte Olsen und ärgerte sich vor allem über den Stil seines Kollegen sowie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): „Die Absprache war ganz deutlich die, dass wir beide mit der besten Mannschaft
          spielen. Wenn es dann Gründe gibt, warum der DFB sieben oder acht Spieler ersetzen muss, kann man anrufen und darüber reden. So habe ich es aus der Zeitung erfahren, und das macht man einfach nicht.“

          Nach dem Spiel in Tschechien habe er „keine sieben oder acht verletzte Spieler bei Deutschland erkennen können“, monierte Olsen und wollte auch der Argumentation Löws, seinen Spieler wegen zu großer Belastung eine Pause zu gönnen, nicht folgen: „Ich weiß, es gibt Spieler, die schon viele Spiele absolviert haben, aber die habe ich auch. Und bei mir rufen jetzt die Vereinstrainer an, und fragen mich: 'Wieso brauchst Du meine Spieler? Die Deutschen spielen doch auch nicht mit der A-Elf.'“

          Unverständnis über Beckenbauer-Aussagen

          Poulsen, der inzwischen beim spanischen Uefa-Cup-Sieger FC Sevilla spielt, unterstützt diese These. „Ich habe in dieser Saison schon 46 Spiele absolviert und damit sicher mehr als jeder deutsche Spieler“, meinte der Ex-Bundesliga-Profi: „Wir haben noch mehr Spieltage ausstehen als in Deutschland, und mein Verein ist noch im Pokal und im Uefa-Cup vertreten. Aber ich bin stolz, für mein Land zu spielen.“ Der DFB habe schon bei der Vereinbarung des Termins gewusst, „dass vier Tage zuvor ein schweres Qualifikations-Spiel ansteht.
          Wenn ich dann ein Interview mit Franz Beckenbauer lese, in dem er fragt, wieso man jetzt gegen Mannschaften wie Dänemark spielt, dann verstehe ich das einfach nicht.“

          Der verbale Konter aus dem DFB-Quartier kam postwendend. „Die Äußerungen der Dänen zeugen nicht von großem Respekt vor unseren jungen Spielern, die auch in der Bundesliga gute Leistungen bringen“, sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff. Er wies auch die von Olsen geäußerte Darstellung zurück, wonach vereinbart gewesen sei, dass die Dänen gegen die stärkste deutsche Mannschaft antreten würden. „Von einer Absprache, dass beide mit der besten Mannschaft antreten, ist bei den Verhandlungen beider Verbände nie die Rede gewesen“, versicherte Bierhoff.

          Unverständnis äußerte auch der Bremer Niclas Jensen, neben dem Mainzer Leon Andreasen einziger aktueller Bundesliga-Spieler im Kader der Dänen: „Die Deutschen haben uns das Spiel angeboten. Wenn sie jetzt so viele Spieler nach Hause schicken, zeugt das nicht von Respekt. Da muss man ein bisschen sensibeler sein.“ Und der frühere Stuttgarter Jon Dahl Tomasson ergänzte: „Wenn man ein Länderspiel bestreitet, bietet man die beste Mannschaft auf. Da muss man doch gar nicht diskutieren.“

          Simon Rolfes direkt in der Startelf

          Der „Perspektivkader“ der deutschen Nationalmannschaft hat sich dennoch auf die Fahne geschrieben, nahtlos an den Erfolg des A-Teams am vergangenen Samstag in der EM-Qualifikation gegen Tschechien (2:1) anzuknüpfen und sich bei Bundestrainer Joachim Löw für die kommenden Aufgaben zu empfehlen. Bis zu sechs Neulinge stehen beim WM-Dritten vor ihrer Nationalmannschafts-Premiere.

          „Wir wollen in dem Spiel gegen Dänemark erkennen, wer mit Blick auf die WM 2010 und die EM 2012 ein Mann für uns sein kann. Wer hat die Qualität, ein Nationalspieler der Zukunft zu sein. Es darf zwar jeder Fehler machen, aber wir wollen selbstbewusst auftreten und auch das Spiel gegen Dänemark gewinnen“, sagte Löws Assistenztrainer Hans-Dieter Flick, der federführend für die Betreuung der Perspektivspieler zuständig ist.

          „Wir haben keinen Schiss“

          Auch die Nachwuchskicker schlugen nach einer Sitzung mit Nationalmannschafts-Psychologe Hans-Dieter Hermann forsche Töne an. „Die Dänen brauchen uns nicht zu unterschätzen. Für uns ist es eine absolute Herausforderung, wir wollen uns bei der Nationalmannschaft beweisen“, sagte der Leverkusener Simon Rolfes, der auf der Position von Torsten Frings beginnen wird und bei seiner Premiere gleich in der Start-Elf steht. Auch sein Teamkollege Gonzalo Castro zeigte großes Selbstvertrauen: „Wir haben keinen Schiss und werden so richtig Gas geben. Wir sind kein halbes Nationalteam.“

          Um die Laune der Dänen war es schon vor der Anreise nach Deutschland nicht allzu gut bestellt. Zu groß ist der Ärger über die1:2-Niederlage am Samstag in der EM-Qualifikation gegen Spanien. Ein Sieg über die hoch gelobte DFB-Elf sollte zur Frustbewältigung beitragen. „Die Mannschaft hat einen mentalen Knacks, den wir
          reparieren müssen. Wir wollen das Spiel nutzen, um Selbstvertrauen zu tanken“, sagte Olsen. Anders als sein Gegenüber Löw wird er deshalb wohl auf den Großteil seiner Stammkräfte zurückgreifen.

          Die voraussichtlichen Aufstellungen:

          Deutschland: Enke (Hannover 96/29 Jahre/0 Länderspiele) - Fritz (Werder Bremen/26/4), Madlung (VfL Wolfsburg/24/1), Manuel Friedrich (FSV Mainz 05/27/6), Jansen (Borussia Mönchengladbach/21/13) - Hilbert (VfB Stuttgart/22/0), Hitzlsperger (VfB Stuttgart/24/22),Rolfes (Bayer 04 Leverkusen/25/0), Trochowski (Hamburger SV/23/2) - Kuranyi (FC Schalke 04/25/37), Schlaudraff (Alemannia Aachen/23/2)

          Dänemark: Thomas Sörensen (Aston Villa/30/61) - Priske (FC Brügge/29/22), Gravgaard (FC Kopenhagen/28/13), Agger (FC Liverpool/22/12), Jacobsen (FC Kopenhagen/27/10) - Christian Poulsen (FC Sevilla/27/46), Daniel Jensen (Werder Bremen/27/27), Kahlenberg (AJ Auxerre/24/13) - Rommedahl (Charlton Athletic/28/64), Tomasson (FC Villareal/30/87), Grönkjaer (FC Kopenhagen/29/62)

          Schiedsrichter: Webb (England)

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