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Europa im Tauschrausch : Wer bietet mehr für Neymar?

Tauschobjekt? Neymars Tage in Paris scheinen gezählt. Bild: EPA

Der Transfer von Neymar für 222 Millionen Euro nach Paris machte die ganze Branche wahnsinnig. Ein Wiederverkauf mit Gewinn ist kaum zu realisieren. Und nun? Die Klubs versuchen es auf dem Transfermarkt mit einer neuen Strategie.

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          Was machen Weltvereine wie Real Madrid eigentlich mit Spielern, die sie unbedingt loswerden wollen? Sie bieten sie zum Tausch an. Das behauptet zumindest die französische Sportzeitung „L’Équipe“ am Donnerstag. Die einfache Rechnung: Neymar = 100 Millionen + Stürmer Gareth Bale + Mittelfeldspieler James Rodríguez + Torhüter Keylor Navas. Zuvor hatte anscheinend schon Barcelona 100 Millionen Euro plus drei Spieler geboten, ebenso wie Juventus Turin; die Italiener wollten offenbar auch noch den Argentinier Paulo Dybala als Zugabe an die Seine schicken. Die Verantwortlichen von Paris Saint-Germain scheinen von keinem dieser Angebote angetan und sollen sofort abgelehnt haben.

          Vor zwei Jahren haben sie noch wahnwitzig anmutende 222 Millionen Euro für Neymar an den FC Barcelona überwiesen. Mit ihm wollten die Franzosen, gepimpt mit mehr als einer Milliarde Euro von den Besitzern aus Qatar, die Champions League erobern, die bestehenden Fußball-Machtverhältnisse in Europa ins Wanken bringen. Nichts davon ist Wirklichkeit geworden. Stattdessen machte dieser Transfer eine ganze Branche wahnsinnig. Ousmane Dembélé erzwang mit seinem Streik in Dortmund einen Wechsel nach Barcelona. Transfersumme: etwa 125 Millionen Euro. Im Winter danach verpflichteten die Katalanen auch noch Philippe Coutinho und überwiesen für ihn 145 Millionen Euro nach Liverpool. Nur eineinhalb Jahre später leiht ihn der FC Bayern München für eine Saison und 8,5 Millionen Euro aus.

          Sind das erste Anzeichen einer Geld-Krise im Fußball-Universum? Wohl kaum. Geld ist bei den Größten der Branche nach wie vor genug vorhanden. Der Neymar-Transfer dürfte sich für Paris allein durch den Verkauf von Merchandise-Artikeln, durch das gestiegene Zuschauerinteresse und die weltweite Berichterstattung gelohnt haben. Aber der Kreis jener Klubs, die derartige Summen für einen Spieler aufbringen können, ist zu klein, um einen Wiederverkauf mit Gewinn realisieren zu können – ganz unabhängig davon, dass die Fußball-Aktie Neymar zuletzt erheblich an Wert verloren hat. Genau wie jene von Bale (Ablöse 101 Millionen Euro) oder James Rodriguez (75 Millionen).

          Karrieren mit ungewisser Zukunft gibt es trotz des kleinen Kaders auch beim FC Bayern München. Was wäre also mit diesem Angebot im Tausch für einen Neymar? 80 Millionen Euro + Jerome Boateng + Renato Sanches. Oder: 100 Millionen Euro + Jerome Boateng + Renato Sanches + Hasan Salihamidzic.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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