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Taliban, Qatar und die WM : Aus Liebe zum Geld

Goldener Glanz: Die Fußball-WM 2022 wurde an Qatar vergeben. Bild: dpa

Die nächste Fußball-WM soll in Qatar stattfinden. Ausgerechnet dieses Land hilft nun einem der Taliban-Führer bei der Einreise nach Afghanistan. Diese Geschichte steht wieder für das Schmutzige am Spiel.

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          Eine Geschichte aus Doha, wo die neuen Freunde des FC Bayern und vieler anderer Vereine und Verbände des Weltfußballs herkommen. In der Hauptrolle Mullah Baradar, der stellvertretende Anführer der Taliban, der – um das gleich klarzustellen – kein Freund der Bayern ist.

          Er hat dort, in der Hauptstadt Qatars, seit 2019 das politische Büro der Taliban geleitet. Jetzt ist er wieder in Afghanistan und wird vermutlich der politische Führer des neuen Regimes werden.

          In der vergangenen Woche, das zeigte ein pakistanischen Nachrichtensender, kam Mullah Baradar am Flughafen in Kandahar an mit einem Militärflugzeug, das einen Schriftzug trug: Luftwaffe Qatar. In der Woche also, in der so viele Menschen aus Afghanistan aus Angst um ihr Leben aus dem Land raus wollen, hilft der Staat, der im nächsten Jahr die Fußball-WM ausrichtet und den Weltfußball mitfinanziert, dem Mann in das Land rein, der mit seiner mörderischen Organisation diese Angst auslöst.

          So steht diese Geschichte aus Doha mit dem Hauptdarsteller Baradar wieder für das Schmutzige am Spiel: Es gibt kein Geld, auf das Vereine und Verbände verzichten wollen. Es gibt kein Geld, für das sie sich schämen.

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

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