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Fußball-Talentreport (1) : Spekulationsgeschäft mit Jugendlichen

Weckt die Hoffnung auf eine hohe Rendite: Martin Ödegaard Bild: Picture-Alliance

Hinter dem Wettbewerb um Supertalente des Fußballs aus aller Welt findet in der Bundesliga tagtäglich ein Kampf um Hochbegabte statt. Dabei geht es um die künftige Basis deutscher Profi-Vereine.

          Es war der Winter der Talente. Über Wochen und Monate haben Fußballfans in ganz Europa verfolgt, wohin die Traumreise eines sechzehnjährigen norwegischen Jungen wohl führen würde. Die größten Klubs Europas hatten einem Milchgesicht den roten Teppich ausgerollt. Die Bayern wollte es haben, Arsenal, Liverpool und viele andere mehr.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es schien, als wäre Martin Ödegaard mehr als nur das vermeintlich größte Fußballtalent der Welt, eine Garantie-Version des neuen Messi sozusagen, ein Superstar. Und so präsentierte Real Madrid, der größte Klub der Welt, Ende Januar fast zwangsläufig der Öffentlichkeit seinen buchstäblich jüngsten Fang vor den Fernsehkameras aus aller Welt.

          „Geld“, aber sagte der Junge bei seiner Vorstellung, „ist für mich nicht das Thema.“ Das muss es auch nicht sein. Denn im Fußball wird mittlerweile schon die Hoffnung auf Leistung fürstlich entlohnt. Martin soll nach Medienberichten in Madrid 45.000 Euro verdienen – pro Woche. Das macht rund 2,5 Millionen im Jahr. Real Madrid hat seinem Vater einen Job im Klub verschafft, und dass die gesamte Familie mit dem Sohn umziehen würde - ob nun nach Deutschland, England oder eben Spanien -, war ohnehin klar.

          Der Junge ist ja erst sechzehn, fast noch ein Kind. „Der Hype ist wie bei Justin Bieber“, sagte sein Berater, der ehemalige Bundesliga-Profi Tore Pedersen. Bieber stand mit 16 allerdings schon auf Platz eins der US-Charts. Ödegaard spielte bisher nur in der zweiten Mannschaft von Real, was aber auch dort einen Riesenwirbel verursachte.

          Kimmich ist teurer als einst Ballack

          In der Winterpause hatte auch der FC Bayern ein Zeichen gesetzt. Der deutsche Rekordmeister verpflichtete den neunzehnjährigen Joshua Kimmich von RB Leipzig für rund 8,5 Millionen Euro. Joshua wer? Für das Talent aus Leipzig, das noch keine einzige Minute in der Bundesliga gespielt hat, zahlen die Bayern mehr als noch vor gut zehn Jahren für Michael Ballack, den damals besten deutschen Spieler, der die Nationalelf ins WM-Finale 2002 geführt hatte und Bayer Leverkusen ins Endspiel der Champions League.

          Das Kinder- und Jugend-Spekulationsgeschäft am Ball boomt wie nie. Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) hat daher in seinen Report „Global Market Transfer 2015“ erstmals auch das Geschäft mit Minderjährigen aufgenommen. Die Transferkosten stiegen im Jahr 2014 auf die Rekordsumme von mehr als vier Milliarden Dollar. Dabei verzeichnete die Fifa allein 1793 Anfragen für Transfers von Minderjährigen - bei insgesamt 13.090 Wechseln. Das sind 13,7 Prozent.

          Beim Debüt bei Real war die Aufregung groß um den Norweger

          Mit dem großen Geld, das in Kinder und Jugendliche in der Hoffnung auf hohe sportliche und finanzielle Rendite gesteckt wird, treten auch die Schattenseiten dieses Geschäfts hervor. So hat zum Jahreswechsel der Internationale Sportgerichtshof den Einspruch des FC Barcelona gegen ein Fifa-Urteil abgewiesen, das den Klub wegen Unregelmäßigkeiten bei der Verpflichtung minderjähriger Spieler mit einem Transferverbot für zwei Transferperioden bestraft. Laut spanischen Medienberichten soll die Fifa auch gegen Real Madrid ermitteln. Laut Fifa-Report ist Spanien das Land, das weltweit die meisten Minderjährigen „kauft“, Deutschland liegt auf Rang fünf.

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