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Tahiti beim Confed-Cup : „Spanien wird uns nicht abschießen wollen“

  • Aktualisiert am

Ankunft in Belo Horizonte: „Wer wusste vorher schon, dass Tahiti ein Fußballteam hat?“ Bild: AFP

Die Amateur-Auswahl des Pazifik-Archipels Tahiti ist die exotische Unbekannte beim Confed-Cup in Brasilien. Trainer Etaeta im Gespräch über Ehre und Angst, in Maracanã zu spielen.

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          Eddy Etaeta, Ihre Spieler werden erstmals in einem Stadion der Größe des Maracanã auflaufen. Wie lässt sich verhindern, dass die Kulisse sie einschüchtert?

          „Das habe ich mir auch überlegt. Das Maracanã ist ein Mythos. Es muss ein beeindruckender Ort sein, auch ich war noch nie dort. Wir haben daher beim Training zu Hause über den Lautsprecher die Atmosphäre eingespielt, damit sich die Jungs an das Geschrei von 100.000 Zuschauern gewöhnen können und nicht überwältigt sind. Es ist sehr schwer, sich bei diesem Geräuschpegel auf das Spiel zu konzentrieren, wenn man im Kopf nicht vorbereitet ist. Ich habe auch kleine Spielerporträts der Gegner zusammengestellt und meinen Jungs gesagt: Seht her, das ist Xavi, das ist Iniesta. Das sind keine Monster, also starrt sie nicht an.“

          Sie haben gesagt, dass es nicht ihr Ziel sein kann, ein Spiel zu gewinnen, sondern den Amateurfußball bestmöglich zu repräsentieren.

          „So ist es. Wir holen den Profifußball ein Stück weit in die Realität zurück. Und die sieht so aus, dass es auf der Welt 99 Prozent Amateurfußballer und nur ein Prozent Profis gibt. Das wird immer vergessen, da im Fernsehen nur die großen Mannschaften gezeigt werden. Es ist uns daher eine Ehre, dass wir diesen Amateurfußball auf einer solchen Bühne repräsentieren können. Wir können Werte wie Respekt und Loyalität vermitteln, die im Profifußball oft verloren gehen, an der Basis aber unabdinglich sind. Ich habe zu meinen Spielern gesagt, ob wir gegen Spanien spielen oder gegen Nigeria - am Ende des Matchs werdet ihr euch die Hände schütteln, auch wenn ihr verloren habt. Es wird honoriert werden, dass ihr euer Bestes gebt und Kampfgeist zeigt.“

          Trainer Eddy Etaeta: „Zuhause spielen wir vor 100 bis 200 Zuschauern“
          Trainer Eddy Etaeta: „Zuhause spielen wir vor 100 bis 200 Zuschauern“ : Bild: dpa

          Vergangene Woche haben Sie im Vorbereitungsspiel gegen die U 20-Mannschaft Chiles sieben Tore kassiert. Beunruhigt Sie dieses Resultat? Haben Sie keine Angst vor 0:10-Niederlagen?

          „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass wir nicht im Hinterkopf haben, dass es passieren kann, aber wir sprechen eigentlich nicht darüber. Weder innerhalb des Trainerteams noch mit den Spielern. Wir wollen nicht, dass sie sich schon auf so etwas einstellen, nur weil es möglich ist. Zumal ich ohnehin nicht glaube, dass es dazu kommt. Spanien wird uns nicht abschießen wollen. Das gebietet der Anstand. Hat es der Weltmeister nötig, uns mit 20 Toren zu demontieren und den Amateurfußball zu blamieren? Wäre das respektvoll, wäre das schön? Ich denke nicht.“

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