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Sylvia Schenk im Gespräch : „Blatter mangelt es an Glaubwürdigkeit“

  • Aktualisiert am

Die „Fußballfamilie” ist in Aufruhr: Fifa-Präsident Sepp Blatter Bild: dapd

Wie käuflich sind Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees im Bezug auf die WM-Vergabe 2018/2022? Im FAZ.NET-Interview spricht Sylvia Schenk von Transparency Deutschland über den langwierigen Kampf gegen Korruption und die Probleme im Fifa-System.

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          Nach weiteren Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 weitete die Fifa am Montag ihre Untersuchungen aus. Einem Bericht der britischen Zeitung „Sunday Times“ zufolge soll der ehemalige Fifa-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen behauptet haben, dass Spanien und Portugal sowie Qatar einen Stimmentausch vereinbart hätten.

          Reporter der Zeitung hatten sich als Lobbyisten ausgegeben und ein Interview mit Zen-Ruffinen, der bis 2002 Generalsekretär des Weltfußballverbandes war, heimlich mitgefilmt. Die Fifa erklärte, sie habe die Zeitung „unverzüglich gebeten, alle potentiellen Beweismittel zu erhalten“. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Fifa ihre Exekutivmitglieder Amos Adamu aus Nigeria und Reynald Temarii aus Tahiti vorläufig suspendiert, weil sie angeboten haben sollen, ihre Stimme bei der Entscheidung über die Austragungsländer zu verkaufen.

          Im FAZ.NET-Interview spricht die frühere Leichtathletin und Juristin Sylvia Schenk, von 2001 bis 2004 Präsidentin des Bund Deutscher Radfahrer und heute Vorstandsmitglied der Organisation Transparency Deutschland, über den langwierigen Kampf gegen Korruption und die Probleme im Fifa-System.

          „Es wird nicht der Eindruck von Null-Toleranz vermittelt”: Sylvia Schenk

          Was denken Sie, wenn Fifa-Präsident Joseph Blatter, wie in dieser Woche passiert, vom Deutschen Fußball-Bund als „besondere Persönlichkeit“ zum Ehrenmitglied ernannt wird?

          So ist der Sport. Ich will nicht behaupten, Joseph Blatter wäre korrupt. Ich spreche ihm auch nicht ab, das Ruder in seinem Verband rumreißen zu wollen. Aus welchen Gründen auch immer.

          Ist Blatter denn ein verdienter Funktionär?

          Nach meinen Kriterien ist er das nicht. Er müsste über jeden Zweifel stehen. Aber da sind viele Dinge in der Vergangenheit nicht transparent gelaufen. Die Fifa und Joseph Blatter haben einen großen Mangel an Glaubwürdigkeit, obwohl sie eigentlich noch mehr als andere Vorbild sein müssten für ein sauberes Geschäftsgebaren. Zudem wird nicht der Eindruck von Null-Toleranz vermittelt.

          Blatter und das Exekutivkomitee der Fifa als sogenannte Regierung des Weltfußballs haben auch jetzt wieder nach den neuesten Enthüllungen Schwierigkeiten, Integrität glaubhaft zu vermitteln. Was ist das für eine Funktionärselite?

          Bei der Personalrekrutierung im nationalen und internationalen Sport geht es nicht darum, eine möglichst integre Person nach oben zu bringen. Oftmals kommen nur die mit den stärksten Ellenbogen und rüdesten Methoden durch. Im Fußball kommt neben dem Prestige viel Geld mit ins Spiel. Das zieht bestimmte Leute an. Auch solche, die vielleicht auf nicht ganz saubere Weise reich geworden sind und sich über den Fußball ein sauberes Mäntelchen umhängen. Die sitzen dann irgendwann auch in den Funktionen.

          Blatter spricht gerne von der „Fußballfamilie“. Muss man da nicht mit dem Wissen um so einige zweifelhafte Vorgänge der Vergangenheit bei der Fifa ein mulmiges Gefühl bekommen?

          Das passt nicht mehr in diese Zeit. Er versteht sich als Patriarch, obwohl er in Wahrheit der Konzernchef eines Milliardenunternehmens ist. Er hat damit die Verantwortung für saubere Geschäfte.

          Aus Sicht von Transparency: Wie durchsetzt ist die Fifa von Korruption?

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