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SV Wilhelmshaven : Ein Sieg im Kampf gegen die Fifa

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Der SV Wilhelmshaven kämpft seit Jahren gegen den Fußball-Weltverband Fifa Bild: dpa

Seit mehr als sieben Jahren kämpft der SV Wilhelmshaven gegen den Fußball-Weltverband. Nun erklärt ein Gericht den Zwangsabstieg für unwirksam. Der DFB reagiert enttäuscht. Denn dieser Erfolg könnte weitreichende Folgen haben.

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          Der SV Wilhelmshaven hat im langjährigen Rechtsstreit mit dem Fußball-Weltverband Fifa einen Erfolg mit möglicherweise weitreichenden Folgen errungen. Das Oberlandesgericht Bremen (OLG) erklärte den auf Anweisung der Fifa verhängten Zwangsabstieg des Amateurklubs aus der Regionalliga Nord für unwirksam. Zugleich stellten die OLG-Richter fest, dass maßgebliche Fifa-Vorschriften zur Ausbildungsentschädigungen gegen Europa-Recht verstoßen.

          Wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Rechtsstreits, der an das Bosman-Urteil erinnert, hat das OLG Bremen die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen. Der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV), der den Zwangsabstieg nach der Saison 2013/2014 verhängt hatte, kündigte als Beklagter umgehend den Gang vor die nächste Instanz an.

          Der Deutsche Fußball-Bund reagierte enttäuscht. „Wenn Streitigkeiten vor nationalen Gerichten in den Mitgliedsländern verhandelt und unterschiedlich beurteilt werden, wird das weltweit anerkannte System des Sports außer Kraft gesetzt. Wir sehen das Urteil aus diesem Grund sehr kritisch und unterstützen den NFV bei seinem Gang vor den Bundesgerichtshof“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

          Die Amateure aus Wilhelmshaven, die inzwischen in der sechstklassigen Landesliga spielen, weigern sich seit mehr als sieben Jahren, für den ehemaligen Spieler Sergio Sagarzazu Ausbildungsentschädigungen an zwei argentinische Vereine in Höhe von 157.500 Euro zu zahlen. Sagarzazu hatte von 2007 bis 2008 beim SVW unter Vertrag gestanden. Durch das Urteil ist die Geldstrafe zunächst vom Tisch.

          Wird der DFB aus Schadensersatz verklagt?

          Entsprechend erfreut reagierte Klubchef Hans Herrnberger auf das Urteil. Was genau das für die Zukunft des Vereins bedeutet, wollte der SVW-Präsident in der „Wilhelmshavener Zeitung“ am Dienstag nicht kommentieren. Denkbar wäre, dass sich der SVW wieder in die Regionalliga einklagt, oder aber den DFB auf Schadensersatz verklagt.

          Der Verein sieht in den Strafen der Vergangenheit - neben dem Zwangsabstieg hatte der NFV auch Punktabzüge ausgesprochen - einen Verstoß gegen geltendes Recht. Nach mehreren verlorenen Prozessen bei Sportgerichten und zuletzt beim Internationalen Gerichtshof Cas gab nun das OLG Bremen als erste Instanz dem Verein Recht.

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          Letztes großes Fußballfest: 2013 schaute Dortmund in der ersten DFB-Pokal-Runde vorbei : Bild: dpa

          Nach Ansicht der Bremer Richter haben DFB und NFV die Entscheidungen der Fifadarauf zu überprüfen, ob diese gegen zwingendes nationales oder internationales Recht verstoßen. „Dies sei hier der Fall, weil die festgesetzten Ausbildungsentschädigungen das Recht des Spielers auf Freizügigkeit nach Artikel 45 Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union verletzten, worauf sich nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs auch der Verein, der die Ablösesumme zu zahlen habe, berufen könne“, heißt es in der Urteilsbegründung.

          Weiterhin argumentierten die Richter: Die Europarechtswidrigkeit folge daraus, „dass nach den maßgeblichen Vorschriften der Fifa die Ausbildungsentschädigungen nach den pauschal eingeschätzten ersparten Ausbildungskosten des übernehmenden Vereins bemessen worden seien und nicht entsprechend den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs“.

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