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Surfer hilft Klopps Liverpool : „Der Körper schaltet sehr schnell in den Panikmodus“

Sebastian Steudtner ist das Spiel mit den ganz großen Wellen gewohnt. Bild: Reuters

Sebastian Steudtner ist Big-Wave-Surfer. Im Interview spricht er über seine Erlebnisse im Pool mit den Fußballern vom FC Liverpool, den richtigen Umgang mit Angst und sein interessantes Gespräch mit Jürgen Klopp.

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          Herr Steudtner, Sie waren zuletzt in Frankreich, wo Sie Jürgen Klopp und den FC Liverpool im Trainingslager besucht haben. Was können Profi-Fußballer von einem Big-Wave-Surfer wie Ihnen lernen?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Fußballspieler auf diesem Niveau stehen unter einem riesigen Druck. Und der Umgang mit Angst und Stress ist meine Kernkompetenz. Wenn ich von einer zwanzig Meter hohen Welle begraben und minutenlang unter Wasser gehalten werde, darf ich keine Panik bekommen, sonst kann es vorbei sein. Und auch während des Surfens muss ich Entscheidungen treffen, die rational gesehen richtig sind – aber der Kopf will in dem Moment das Gegenteil tun. Wenn ich merke, dass ich es aus einer Welle nicht mehr rausschaffe, muss ich zum Beispiel in sie hineinfahren und nicht versuchen, ihr zu entkommen, weil mich die Welle sonst viel härter trifft. Und wenn ich unter ihr begraben werde, auftauche und sehe, dass die nächste Zwanzig-Meter-Welle auf mich zurollt, darf ich nicht vor ihr weg in Richtung Strand schwimmen – sondern muss auf sie zuschwimmen. Sonst komme ich da nie mehr raus. Diesen Umgang mit der Angst wollte ich Jürgen Klopp und seiner Mannschaft vermitteln.

          Sebastian Steudtner

          Wie haben Sie das gemacht?

          Wir sind alle in den Pool gesprungen, für viele Spieler war das ein sehr ungewohntes Umfeld. Manche waren regelrecht wasserscheu. Dann habe ich gesagt: Jetzt haltet alle mal so lange wie ihr könnt unter Wasser die Luft an. Das war bei den meisten sehr schnell vorbei. Das Interessante ist, dass der Körper sehr schnell in den Panikmodus schaltet, wenn er keine Luft mehr bekommt – obwohl er minutenlang ohne frischen Sauerstoff auskommt. Ich habe den Spielern ein paar Atemübungen und Entspannungstechniken gezeigt, dann haben sie relativ schnell gecheckt, dass sie sehr lange die Luft anhalten können, wenn sie ruhig bleiben, sich konzentrieren und die Panik überwinden. Das waren dann schon wirklich beeindruckende Zeiten, die sie geschafft haben.

          Was bringt diese Erfahrung einem Spieler, wenn er im Champions-League-Finale zum entscheidenden Elfmeter anläuft?

          Erst mal kann es sein, dass er das Gefühl hat: Endlich, da habe ich mein Leben lang drauf gewartet, ich ballere das Ding jetzt rein. Aber es kann eben auch sein, dass er Panik bekommt. Es geht für ihn nicht um Leben und Tod, aber wenn er diesen Elfmeter verhaut, könnte sich das extrem negativ auf sein Leben als Fußballer auswirken. Deswegen ist es für den Kopf egal, ob ein Drache vor dem Spieler steht oder ein Ball auf dem Elfmeterpunkt liegt – das kann sich genauso bedrohlich anfühlen. Und wenn ein Spieler in einer solchen Situation Panik bekommt, erinnert er sich vielleicht an unsere Übung, überwindet die Panik, bleibt ruhig und konzentriert sich darauf, dass er genau für diese Situation jahrelang trainiert hat und perfekt vorbereitet ist. So kann er aus der Panik heraus in einen Wettkampfmodus kommen und sich sagen: Ich ziehe das jetzt durch.

          Haben Sie von den Fußballern auch etwas lernen können?

          Mich hat der Zusammenhalt dieser Mannschaft sehr inspiriert. Ein echtes Team. Die Jungs stehen ja nicht nur extrem unter Druck, wenn sie auf dem Fußballplatz sind. Sie können nicht mal etwas Dummes sagen oder falsch parken, ohne dass es am nächsten Tag in allen Zeitungen steht. Damit muss man erst mal umgehen, ich könnte das nicht. Im Gespräch mit Jürgen Klopp habe ich außerdem gemerkt, dass es in unseren Sportarten taktisch viele Parallelen gibt: Du hast einen Vorteil im Sturm, wenn deine Abwehr gut funktioniert, zum Beispiel. Beim Surfen muss man seine Welle verteidigen, dafür startet man möglichst nah an der Stelle, an der sie bricht. So kann einem niemand zuvorkommen. Der Weg zum Ziel ist dann kurz. Wenn ich das mache, ist danach auch meine Performance auf der Welle besser. Und so ist es wohl auch im Fußball – aber das muss Jürgen Klopp erklären. Er kann da stundenlang drüber reden.

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