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Supercup-Sieg in Dortmund : Die Lebensversicherung des FC Bayern

Hört, hört; Der FC Bayern gewinnt in Dortmund auch dank der beiden Tore von Robert Lewandowski. Bild: AP

Die Konkurrenz, die auf eine Münchner Schwäche gehofft hatte, wird bitter enttäuscht. Die Bayern gewinnen den Supercup beim BVB. Lewandowski trifft doppelt. Und Trainer Nagelsmann wird zum Tier.

          3 Min.

          Das Wetter in Dortmund passte durchaus zur Stimmungslage in Dortmund. Am Samstag noch gab es viel Sonne und Wärme in Dortmund. Der furiose 5:2-Sieg über Frankfurt zum Bundesliga-Start fügte sich prima ein in das strahlende schwarz-gelbe Bild. Nur drei Tage später waren dunkle Wolken, aus denen einiger Regen fiel, über dem Westfalenstadion aufgezogen. Das 1:3 gegen den FC Bayern im Supercup zwischen dem Pokalsieger und dem Meister der vergangenen Saison wirkte auf die Laune der Borussen wie der Temperatursturz am Dienstagabend.

          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Die Dortmunder mussten früh in der neuen Saison erfahren, dass aus dem Jäger der Münchner nicht schon ein fleißiger Sammler von Titel geworden ist. Zwar wird der Wert des Supercups in der Vitrine von allen regelmäßig heruntergespielt, doch wie die Spieler die Sache auf dem Platz angingen, wurde doch schnell klar, dass hier jeder den silber-goldenen Pokal hochstemmen möchte. Es ist, selbst wenn sich mit Leipzig ein weiterer ernsthafter Anwärter eingeschaltet hat, immer noch das große Prestigeduell des deutschen Fußballs. Und am Ende jubelten wieder die Bayern.

          „Wir sind enttäuscht“, sagte der neue BVB-Trainer Marco Rose. „Wir haben ein hochklassiges Spiel gesehen. Aber wir haben zu viele einfache Fehler gemacht.“ Vor der Pause übersah seine Abwehr den aus dem Rückraum startenden Robert Lewandowski, der per Kopf traf (41. Minute), nach der Pause war viel zu viel Platz für die Münchner Angreifer, bis Thomas Müller den Ball nur noch ins leere Tor einschieben musste (49.). Nach Marco Reus‘ raffiniertem Distanzschuss in den Winkel kam Hoffnung auf (64.), ehe Manuel Akanji den Ball vor dem Strafraum fahrlässig verlor und Lewandowski lässig zum 1:3 einschob (74.).

          „Nach dem 1:2 hatten wir die Bayern am Haken, haben dann aber das dritte Tor bekommen“, monierte Rose, der bemüht war, die guten Aspekte des BVB-Spiels in den Vordergrund zu rücken: „Auch wenn wir verloren haben, nehme ich viel Positives mit für die nächsten Aufgaben. Wir wollen mutig bleiben. Und wir wollen aus unseren Fehlern lernen.“ Die wurden beim ersten richtigen Härtetest offengelegt. Zuvor gegen Frankfurt und auch im DFB-Pokal in der ersten Runde beim 3:0 beim Drittligaklub SV Wehen Wiesbaden traten nun auffallende Mängel nicht entscheidend zutage, auch weil Erling Haaland alles überstrahlte.

          Der Stürmerstar schoss alle drei Tore im Pokal und traf gegen die Eintracht zwei Mal, zudem hatte er vor den anderen drei Treffern seine Füße direkt zuvor im Spiel. Gegen die Bayern tat er sich ungleich schwerer, weil er mit Dayot Upamecano und Niklas Süle Gegenspieler hatte, die in Sachen Robustheit und Schnelligkeit durchaus mithalten konnten und die Münchner ihm vor allem nicht den Platz für seine unaufhaltsamen Läufe gab wie die Kontrahenten zuvor. Bezeichnend war Haalands Chance in der Nachspielzeit, als er, noch gestört von Süle, letztlich nur ein harmloses Schüsschen zustande brachte.

          Da hatte der andere große Torjäger aus dem Rasen schon einen anderen Nachweis seiner Klasse zu bieten. Lewandowski, der vergangene Saison den Rekord des am Sonntag verstorbenen Gerd Müller mit 41 Toren überboten hatte, war zur Stelle, als die Münchner ihn brauchten. „Es bedeutet viel, das ist der nächste Titel. Was wir gezeigt haben, war super“, sagte Lewandowski, der sich über die Fan-Rückkehr ins Stadion freute. „Es war richtig geil, mit Zuschauern zu spielen. Du spielst für die Fans. es war auch ein gutes Spiel zum Anschauen, mit vielen Offensivaktionen von beiden Mannschaften.“

          Die beste Dortmunder Aktion der ersten Halbzeit war eine Chance von Reus, der vor Manuel Neuer auftauchte. Doch der Nationaltorhüter wehrte den Ball per Weltklasseparade mit dem Fuß ab (20.). Ein Tor für den BVB und die Sache wäre womöglich ganz anders ausgegangen. So aber musste der Dortmunder Kapitän bilanzieren: „Wir wollten unbedingt gewinnen, weil es ein Finale war und es einen Pokal zu gewinnen gab. Deshalb sind wir enttäuscht.“ Bei den Gegentoren sei man selbst verantwortlich gewesen, sprach Reus den Schwachpunkt der Borussia an. „Ich bin natürlich traurig.“

          Davon waren die Münchner nicht zuletzt dank Lewandowski weit entfernt, als sie den Pokal auf der kleinen Bühne auf dem Rasen mit Konfettiregen in den Nachthimmel stemmten. Der Stürmer traf in Dortmund im 14. Pflichtspiel nacheinander. Das hatte im deutschen Profifußball nur Gerd Müller in der Saison 1969/70 mit sogar 16 Partien geschafft. „Er hat einen unglaublichen Spirit reingebracht. Er war wie eine Lebensversicherung, überragend gut“, lobte Nagelsmann den Doppeltorschützen, den auch die enttäuschende Europameisterschaft mit dem frühen Aus seiner Polen nicht aus der Bahn geworfen zu haben scheint.

          Das Ergebnis erleichtert auch dem Trainer die Arbeit in den kommenden Tagen. Schließlich hatte er in vier Testspielen und beim Bundesliga-Start in Mönchengladbach nicht gewonnen mit seiner neuen Mannschaft. Schon keimte bei der Konkurrenz die leise Hoffnung auf eine Bayern-Schwäche auf. Das änderte sich in Dortmund. Nagelsmann sprach von einem „absolut verdienten Sieg für uns“. Sich selbst wollte er den Erfolg aber nicht auf die Fahnen schreiben: „Der Titel ist eine Belohnung für die letzte Saison. Das ist ein Titel, der Hansi (Nagelsmanns Vorgänger Hansi Flick, d.Red.) und der Mannschaft gebührt.“

          Flick hat die Messlatte hochgelegt mit sieben Trohäen in eineinhalb Jahren. Nun ist für Nagelsmann ein Anfang gemacht. „Ich wünsche mir mehr Titel als nur einen. Ich habe ja so kleine Hamsterzähne. Ich würde gerne ein Titelhamster sein. Jetzt habe ich einen. Ich muss mir ein Vorbild nehmen an vielen Spielern von uns.“ Das ist der Anspruch, den auch sein neuer Vorgesetzter an den leitenden Angestellten hat: „Dieser Titel ist erst der Anfang, wir haben noch viel vor", schrieb der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn bei Twitter. Für die Konkurrenz der Bayern sieht es schon jetzt wieder nicht nach vielen sonnigen Tagen aus.

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