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Bayern im Corona-Risikogebiet : „Wir wissen nicht, was uns erwartet“

  • Aktualisiert am

Das Stadion in Budapest ist vorbereitet für den Supercup am Donnerstag. Bild: AFP

Das Kopfschütteln über die Uefa ist groß – auch bei Trainer Hansi Flick. Ausgerechnet im Corona-Risikogebiet erleben die Triple-Bayern ihr Comeback vor Publikum. Auch sportlich wird die Aufgabe knifflig.

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          Manuel Neuer saß in der noch leeren Puskas Arena und rätselte, was den FC Bayern beim Supercup-Finale gegen den FC Sevilla erwarten könnte. Seit Monaten sehnen sich die Münchner Stars nach Fußball vor Fans – und jetzt erfüllt sich dieser große Wunsch ausgerechnet in einem Corona-Hotspot. „Wir wissen nicht, was uns erwartet“, sagte der Kapitän des Champions-League-Siegers vor dem Kampf um die nächste internationale Trophäe am Donnerstag (21.00 Uhr auf Sky und DAZN): „Unser Augenmerk liegt auf dem Spiel. Wie es im Stadion sein wird, werden wir sehen. Wir nehmen es an, wie es kommt.“

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          In Budapest dürfen – oder besser gesagt sollen – die Münchner Triple-Champions nach dem Willen der Uefa und des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban vor bis zu 20.000 Zuschauern antreten, was vielen an einem Ort mit sehr hohen Infektionswerten fragwürdig erscheint. Auch einige hundert Bayern-Fans wollen trotz verschärfter Quarantäne-Auflagen bei der Rückkehr aus Ungarn und eindringlicher Appelle des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) zu einem Reiseverzicht ihr Team unbedingt vor Ort in der über 60.000 Besucher fassenden Puskas Arena anfeuern.

          Hansi Flick äußerte sich bei der offiziellen Uefa-Pressekonferenz pragmatisch professionell. „Wir sind hierhergekommen, um Fußball zu spielen, Entscheidungen werden woanders gefällt. Wir haben ein Ziel: den Uefa Super Cup zu holen“, sagte der Trainer. Die irrwitzig anmutende Mission des streng abgeschirmten Teams lautet, Titel Nummer vier im Erfolgsjahr 2020 zu holen. „Das wäre eine schöne Abrundung für den internationalen Wettbewerb“, sagte Flick.

          Leicht wird’s nicht. „Sevilla ist eine starke Mannschaft. Die sind sehr gut mit dem Ball“, sagte Leroy Sané, der nach seinem tollen Debüt beim 8:0 gegen Schalke auch auf Europas Bühne zusammen mit Flügelpartner Serge Gnabry auftrumpfen will. „Wir müssen wieder unsere Topleistung abrufen, um den nächsten Titel einzufahren“, meinte Gnabry.

          Flick hofft, dass er das bestmögliche Team aufbieten kann. Ein Fragezeichen stand am Mittwochabend noch hinter Torjäger Robert Lewandowski, der nach einer Blessur am Fuß beim Abschlusstraining einen Härtetest absolvieren sollte. Mit dabei ist auch nochmal Javi Martínez (32), obwohl der Spanier vor einer Rückkehr zu Athletic Bilbao steht. „Wir wollen jeden Titel mitnehmen“, sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge: „Nach dem Triple käme das Quadruple.“

          Das Kopfschütteln über die an ihrem „Pilottest“ mit Zuschauern konsequent festhaltende Uefa ist groß. „Ich halte es grundsätzlich ein bisschen für das falsche Signal, dass man da in einem Risikogebiet jetzt so viele Zuschauer zulässt“, sagte Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch in Dresden bei einem Termin für DFB-Sponsor VW. Söder fürchtet, Bayern-Fans könnten infiziert zurückkehren und eine Gefahr darstellen. Der bayerische Landesvater warnte plakativ vor einem „Fußball-Ischgl“. Der FC Bayern reagierte auf die Lage in Budapest, wo die Infektionswerte doppelt so hoch sind wie in München, wo gegen Schalke am Ende keine Fans ins Stadion durften.

          „Wir haben uns entschlossen, nur mit der absoluten Minimalbesetzung nach Budapest zu gehen“, sagte Präsident Herbert Hainer bei der Veranstaltung „Bild100“ in Frankfurt. Der 66-Jährige stornierte den Trip auch für sich. Hainer will nun vorm Fernseher mitfiebern. Die TV-Sender Sky und DAZN schicken keine Reporter nach Ungarn.

          Budapests Oberbürgermeister Gergely Karacsony votierte wegen der Corona-Lage vergeblich für ein Geisterspiel. „Hätte ich die rechtlichen Möglichkeiten, das zu entscheiden, würde ich das Match hinter geschlossenen Toren stattfinden lassen“, sagte der grün-liberale Politiker der oppositionellen Tageszeitung „Nepzava“ (Mittwoch). „Die Verantwortung liegt bei denen, die die Entscheidungsgewalt haben“, fügte er mit Blick auf die rechtsnationale Regierung von Ministerpräsident Orban hinzu.

          Die Uefa will mit einer 30-Prozent-Auslastung der Stadionsitze den Supercup als Probelauf für ihre anderen Wettbewerbe nutzen. In vier Wochen beginnt die neue Champions-League-Saison. „Die Uefa will wieder ein Stück Normalität in den Fußball bringen“, sagte Hainer. Eine Absage oder Spielverlegung wäre „nicht einfach“ gewesen.

          Einfach dürfte es auch auf dem Spielfeld nicht werden. „Der FC Sevilla ist im Moment vielleicht die gefährlichste spanische Mannschaft, gegen die man spielen kann“, meinte Rummenigge. Aus dem corona-geplagten Sevilla werden übrigens nur wenige Fans ihr Team vor Ort unterstützen. Trainer Julen Lopetegui ernannte die Bayern zum Favoriten: „Es ist so, dass wir auf das momentan beste Team der Welt treffen. Aber wir wollen nicht einfach nur Spalier stehen.“

          Beim Champions-League-Finalturnier in Lissabon hatten die Bayern im August auf dem Weg zum Titelgewinn den FC Barcelona mit 8:2 besiegt, weshalb in Spanien höchster Respekt vor den Münchnern herrscht. Für Sevilla ist es das erste Pflichtspiel der neuen Saison. „Wir werden versuchen, schnell in den Rhythmus zu kommen“, sagte Lopetegui. „Wir fühlen keinen Druck. Wir haben es uns verdient, hier zu sein“, sagte der Brasilianer Fernando, der sich auf ein „schönes Finale“ freut. „Wir wissen natürlich, dass es schwer werden wird. Aber wir haben das Potenzial, wir werden alles investieren, um auch gegen Bayern zu gewinnen“, kündigte der 33 Jahre alte Mittelfeldspieler an.

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