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Später Supercup-Sieg über BVB : Kimmichs Kunststück stürzt den FC Bayern ins Glück

Erlösender Jubel: Joshua Kimmich trifft für den FC Bayern spät im Supercup. Bild: Reuters

Auch der deutsche Supercup geht an die Münchener. Gegen Borussia Dortmund aber hat der FC Bayern nach einer 2:0-Führung lange große Mühe. Doch dann kommt Joshua Kimmich an den Ball.

          3 Min.

          Auf einmal machte sogar der Fußballprofi einen Fehler, der eigentlich nie Fehler macht. Als die Dortmunder ihn umzingelten, wollte Manuel Neuer, der Torhüter des FC Bayern, den Ball aus seinem Strafraum schießen. Der Plan war vermutlich: hoch und weit. Das Ergebnis: flach und kurz. Marco Reus stoppte den Ball. Er stürmte aufs Tor, freie Schussbahn, wartete dann aber, schaute sich kurz um, wartete, dribbelte einen Verteidiger aus. Danach schoss er. Und weil der Winkel etwas spitz und der Schuss etwas langsam waren, machte Neuer, was er oft macht: seinen Fehler wieder gut.

          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Wenn eine deutsche Mannschaft gegen den Meister aus München gewinnen möchte, ist sie meistens auf diese Fehler angewiesen. Das gilt auch für Borussia Dortmund. Im DFL-Supercup leisteten sich die Bayern viele. Am Ende siegten sie trotzdem. In der 82. Minute schoss Joshua Kimmich, obwohl er auf dem Boden lag, mit großen Geschick das entscheidende Tor. Endergebnis: 3:2. Davor hatten Corentin Tolisso (18. Minute) und Thomas Müller (32.) für München und Julian Brandt (39.) und Erling Haaland (55.) für Dortmund getroffen. „Joshua ist ein klasse Spieler. Wie er den im Fallen ins Tor chippt...“, staunte nicht nur Kollege Neuer nach dem turbulenten Spiel über Kimmich. Auch Trainer Hansi Flick lobte: „Er hat enorme Qualitäten. Er ist auf einem richtig guten Weg.“

          Eine bedeutende Frage

          Am Mittwochabend haben sich zum ersten Mal in dieser Saison die zwei großen Vereine des deutschen Fußballs zum Schlagabtausch getroffen. Der Anlass, der sogenannte Supercup, mag unbedeutend gewesen sein, die Frage, die damit verknüpft war, aber nicht: Wie nah können die Dortmunder den Bayern in den nächsten Monaten kommen?

          In diesem Spiel hielten sie mit, weil sie die Fehler oft nutzten. In der 39. Minute spielte der Münchner Rechtsverteidiger Benjamin Pavard einen ungenauen Pass. Sofort passten die Dortmunder Stürmer den Ball von der linken zur rechten Angriffsseite, wo Julian Brandt ihn mit Wucht ins Tor schoss. In der 55. Minute verlor Robert Lewandowski den Ball im Mittelfeld. Thomas Delaney handelte schnell und spielte ihn zu Erling Haaland, der ihn im Eins-gegen-Eins mit Neuer verwandelte. Schon vor den beiden Toren war Reus auf Neuer zugelaufen. Danach waren es Haaland und Passlack. Sie alle vergaben.

          Lange umkämpftes Duell: Der BVB um Mats Hummels (links) und der FC Bayern um Robert Lewandowski im Finale um den Supercup
          Lange umkämpftes Duell: Der BVB um Mats Hummels (links) und der FC Bayern um Robert Lewandowski im Finale um den Supercup : Bild: AFP

          Die letzten Karten in diesem Duell sind aber ohnehin noch nicht aufgedeckt. In München suchen sie noch neue Spieler – im besten Fall einen Rechtsverteidiger, einen Mittelfeldspieler und einen Außenstürmer –, die ihre Mannschaft in einer Saison mit wenigen Pausen entlasten können. Am Mittwochabend war aber noch keiner da, weswegen Trainer Flick die aufs Feld schickte, die dort oft zu finden sind – aber auch Javi Martinez, den Supercup-Spezialisten.

          Was damit zu tun hat, dass Leon Goretzka wegen Rückenbeschwerden fehlte, wohl nur für dieses Spiel, anders als Leroy Sané, der mit einer Kapselverletzung im Knie mindestens bis zum Ende der Länderspielpause ausfällt. Lucien Favre, der Dortmunder Trainer, wechselte da schon mehr durch. Weil er musste (Torhüter Roman Bürki und Stürmer Jadon Sancho meldeten sich wegen Atemwegserkrankungen ab), aber auch weil er anders als Flick vermutlich auch wollte.

          Glücklicher Torschütze: Münchens Thomas Müller (links) jubelt.
          Glücklicher Torschütze: Münchens Thomas Müller (links) jubelt. : Bild: AFP

          Es war an diesem Abend aber nicht nur auffällig, wer auf dem offiziellen Spielberichtsbogen fehlte, sondern wer darauf zu finden war. Als Schiedsrichterin nämlich war Bibiana Steinhaus eingeteilt worden, zum ersten Mal überhaupt für den Supercup. Als erste Frau darf sie seit 2017 Spiele in der Männer-Bundesliga leiten. Künftig wird sie es nicht mehr tun. Sie hört als Schiedsrichterin auf, obwohl sie erst 41 Jahre alt ist. Warum, so ließ sie vor dem Supercup mitteilen, wolle sie „zu gegebener Zeit nochmals etwas ausführlicher“ erklären. „Für den heutigen Abend wünsche ich mir, dass der Fokus allein auf dem Spiel liegt.“

          Das Spiel hatte dann, was viele Spiele in München haben: Tore für die Bayern in der ersten Halbzeit. Das erste nahm in einer Dortmunder Ecke seinen Anfang. Am eigenen Strafraum spielte Coman den Borussen Meunier aus. Über Müller und Lewandowski kam der Ball zu Tolisso. Seinen ersten Versuch wehrte BVB-Torhüter Hitz so ab, dass der Ball an die Latte sprang. Seinen zweiten Versuch musste Tolisso dann nur über die Torlinie drücken. Das zweite Tor entstand wieder auf der Seite von Coman. Es war Davies, der Linksverteidiger, der in die Mitte flankte, wo Thomas Müller das Kopfballduell gegen den 1,70 Meter großen Felix Passlack gewann.

          Das entscheidende, aber auch beeindruckendste Tor fiel acht Minuten vor dem Spielende. Kimmich selbst leitete es mit einer Balleroberung ein. Dann schoss er, nach Querpass von Lewandowski, den Dortmunder Keeper Hitz an. Der Ball prallte zu ihm zurück, Kimmich fiel hin – und fuhr doch noch das linke Bein aus, mit dem er den Ball ins Tor lupfte. „Am Ende haben wir den Pokal, es fühlt sich gut an. Wir haben für den Pott gefightet“, meinte der Torschütze Kimmich später. Und Flick resümierte: „Es war nicht ganz so einfach, gerade in der zweiten Halbzeit. Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht. Für mich zählt aber, dass wir das Spiel gewonnen haben.“

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