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Spitzenklubs wollen Superliga : „Jemand, der Fußball bis auf die Knochen hasst“

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Spielt er künftig in einer Super League? Cristiano Ronaldos Klub Juventus Turin ist unter den Mannschaften, die sich für eine Superliga positionieren. Bild: AFP

Die Ankündigung einer europäischen Fußball-Superliga um zwölf Spitzenklubs wie dem FC Liverpool und Juventus Turin erhitzt in vielen Ländern die Gemüter – auch in der Presse.

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          Zwölf Topklubs aus Italien, Spanien und England haben sich zusammengeschlossen und wollen eine europäische „Super League“ gründen. Deutsche Vereine sind bei dem höchst umstrittenen Projekt bislang nicht dabei. Es geht um viel Geld – und angeblich auch um die Fans. Dazu schreibt die internationale Presse:

          Großbritannien:

          „Daily Mail“: „Die Großen Sechs des englischen Fußballs haben sich einer neuen europäischen Super League angeschlossen, in einer Erdbebenbewegung, die Krieg im Sport ausgelöst hat. Die Entscheidung droht, den englischen Fußball zu spalten, nachdem die Premier League in einem Brief an die Klubs Sonntagnacht erkennen ließ, dass sie keinem derartigen Wettbewerb zustimmen werde.“

          „The Guardian“: „Das ist eine Idee, die sich nur jemand ausgedacht haben kann, der Fußball wirklich bis auf die Knochen hasst. Der den Fußball so sehr hasst, dass er ihn beschneiden, ausnehmen, zerlegen will, vom Spiel an der Basis bis zum Weltcup.“

          Italien:

          „La Gazzetta dello Sport“: „Die Super League, die er (Juve-Boss Andrea Agnelli) fördert, würde eher den Interessen seines Klubs nützen, als den allgemeinen Interessen der Serie A. Ein Parallelturnier zwischen einigen Vertretern des europäischen Klub-Adels würde Geld nur in die Kassen der beteiligten Vereine spülen. Die Superliga steht im Widerspruch zum Versuch, die italienische Meisterschaft wieder aufzuwerten und noch stärker im Gegensatz zum Projekt der neuen Champions League, die vorhat, den Wettbewerb von 2024 an auf 36 Mannschaften auszuweiten.“

          „La Repubblica“: „Die Nacht, die den europäischen Fußball veränderte“ – „Die geschlossene Superliga (...) beendet die Qualifikation auf dem Spielfeld – und damit das grundlegende Konzept des verdienten Erfolgs –, bei der die Voraussetzung der Teilnahme aller gilt. Ein inakzeptabler Verlust.“

          „Corriere della Sera“: „Eine grobe Idee, die sich gegen die Fans richtet“

          Spanien:

          „Marca“: „Die Schaffung der neuen Liga kommt in einer Zeit, in der die weltweite Pandemie die Instabilität des aktuellen ökonomischen Modells des europäischen Fußballs beschleunigt hat. Jahrelang hatten die Gründerklubs zum Ziel gehabt, die Qualität und Intensität der bestehenden europäischen Wettbewerbe zu verbessern und vor allem, ein Turnier zu schaffen, bei dem die besten Klubs und Spieler häufiger aufeinandertreffen könnten.“

          Frankreich:

          „L'Équipe“: „Derzeit gegen das Projekt der europäischen Super League eingestellt, steht PSG vor einem Dilemma. Der Pariser Klub gehört nicht zu den zwölf Gründungsklubs des Projekts, dessen möglicher Start nicht ohne Konsequenzen für ihn wäre.“

          Österreich:

          „Kronen Zeitung“: „Die Schwergewichte des europäischen Fußballs machen Ernst. Zwölf Top-Clubs wollen zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine europäische Superliga gründen.“

          Schweiz:

          „Blick“: „Ein Erdbeben im europäischen Club-Fussball! Zwölf Topclubs wollen so schnell wie möglich in einer eigenen europäischen „Super League“ aufspielen.“

          Vereinigte Staaten:

          „New York Times“: „Es ist wirklich keine Überraschung, dass die Rebellen glauben, ihr Plan könnte funktionieren und es keine rote Linie gibt. Dass, was auch immer sie tun, wir weiter alle zuschauen und der Ball weiter rollen wird. Es ist keine Überraschung, dass sie denken, sie können tun was immer sie wollen. Das haben sie schließlich seit Jahren, und niemand hat sie bislang aufgehalten

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