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Südkorea : Mit Anlauf in die Bergprüfung

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Starkes Südkorea: Park Ji-sung (r.) jubelt mit Ki Sung-yong über den Sieg gegen Griechenland Bild: REUTERS

Selbstbewusst freut sich Südkorea auf das Spiel gegen Argentinien an diesem Donnerstag um 13.30 Uhr: Nach dem Sieg gegen Griechenland wollen die Asiaten ein Turnier spielen wie 2002. Damals endete das Abenteuer erst im Halbfinale.

          Die Bilder erinnerten an 2002, als Südkorea neben Japan Mitausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft war. Wie damals waren Millionen auf den Straßen von Seoul und anderen Großstädten des geteilten Landes unterwegs, wie damals hatten sich viele Menschen in die roten Trikots der „Red Devils“ gezwängt, und wie vor acht Jahren donnerte der Schlachtruf „Daehanminguk“ („Korea“) durchs Land. Während die Brüder im Norden allenfalls zeitversetzt die WM-Spiele ihrer Mannschaft verfolgen können, leben die Südkoreaner ihre neu entflammte Begeisterung für die „Roten“ mit Hingabe vor Tausenden von Großbildschirmen beim Public Viewing aus.

          Nach dem sehenswerten 2:0-Auftaktsieg über altbacken wirkende Griechen steht das Team von Nationaltrainer Huh Jong-moo an diesem Donnerstagmittag in Johannesburg vor einer wahren Bergprüfung. Die Auswahl rund um den bei Manchester United zur Stammkraft aufgestiegenen Park Ji-sung bekommt es mit dem zweimaligen Weltmeister Argentinien zu tun. Es ist das Spitzenspiel der Gruppe B, weil auch Argentinien zum Auftakt ein voller Erfolg beim 1:0 über Nigeria gelang.

          Huh hat seinen Profis vor dem Gipfeltreffen im Mannschaftsquartier in Rustenburg zugerufen: „Bleibt selbstbewusst, egal, wer der Gegner ist. Wir haben keine Minderwertigkeitskomplexe. Wenn wir tun, was wir tun müssen, können wir als Team weiter wachsen.“ Der stete Wachstumsprozess in Huhs Auswahl war schon am vergangenen Samstag unübersehbar.

          Die Sieger von Port Elizabeth: Südkorea hat Selbstvertrauen getankt

          Wieselflink, zäh, mit aggressivem Pressing attackierten die Südkoreaner den inzwischen antik anmutenden Europameister von 2004. Bleibt Huhs erstes Aufgebot auf diesem selbstbestimmten Kurs, müssen sich auch die argentinischen Stars in Acht nehmen. Koreas Star Park hat deshalb seine Kampfansage, wenn auch eingewickelt in asiatische Höflichkeit, so formuliert: „Argentinien hat die stärkste Mannschaft in unserer Gruppe und könnte das Finale erreichen. Aber im Fußball kann das Unerwartete geschehen. Wir freuen uns darauf.“

          Erfahrung aus Europa

          Der Mittelfelddauerläufer Park Ji-sung war neben dem Abwehr-Ass Lee Jung-soo Torschütze beim südkoreanischen Auftaktsieg. Er führt die Elf der im Ausland beschäftigten Spieler an, zu denen auch der Freiburger Bundesliga-Verteidiger Du Ri-cha gehört. Trainer Huh, der als Einheimischer nach der Periode mit den niederländischen Cheftrainern Guus Hiddink (sehr erfolgreich) und Dick Advocaat (weniger erfolgreich) 2008 den Cheftrainerjob übertragen bekam, hat seitdem mit einer Reihe von koreanischen Konventionen gebrochen. Er hält sich wie sein Vorbild Hiddink nicht an das in diesem Land traditionell hochgehaltene Senioritätsprinzip und hat deshalb den verdienten, aber eben schon 37 Jahre alten Torwarthelden Lee Woon-jae (er parierte im entscheidenden Elfmeterschießen des WM-Viertelfinales 2002 gegen Spanien einen Strafstoß und verhalf Südkorea zur Halbfinalteilnahme) zum Ersatzmann degradiert und durch den 25 Jahre alten Jung Song-ryong ersetzt.

          Huh baut auch nicht wie seine koreanischen Vorgänger vor allem auf Spieler aus der heimischen K-League. Er bedient sich der Erfahrungen, die eine Reihe der besten Profis in den europäischen Ligen oder der japanischen J-League gesammelt haben. Sechs „Auslandskoreaner“ standen in der Startelf gegen Griechenland. Dazu hat Huh Jong-moo ein Faible für die aufstrebende Jugend - die beiden gegen Griechenland starken Mittelfeldspieler Lee Chung-yong (Bolton Wanderers) und Ki Sung-yueng (Celtic Glasgow) sind erst 21 Jahre alt.

          Park Ji-sung, das nationale Fußballidol, gehört mit 29 zwar schon zu den Veteranen der Mannschaft. Fürs Erste aber bleibt er der Spieler, der sinnbildlich für den jüngsten Aufschwung der „Taeguk Warriors“ steht. Park hat es dank seines brennenden Ehrgeizes und seines nimmermüden Fleißes so weit wie kein koreanischer Profi vor ihm gebracht. Wer in der Stammelf von Manchester United unermüdlich auf der linken Seite ackert, verkörpert die Tugenden der südkoreanischen Fußball-Arbeiterelite idealtypisch. Den nie erlahmenden Ehrgeiz der Generation Park soll nun auch das Team vom Trainerstarnovizen Diego Maradona zu spüren bekommen. Ganz Südkorea erwartet einen Feiertag; im volksdemokratischen Norden der koreanischen Halbinsel aber wird dieses Spiel möglicherweise ausgeblendet.

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