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Südafrikas Trainer Parreira im Gespräch : „Wir müssen eine Identität entwickeln“

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Carlos Alberto Parreira soll „Bafana Bafana” zum Wunder führen Bild: dpa

Um 16 Uhr bestreitet Südafrika das Eröffnungsspiel der Heim-WM gegen Mexiko. Im F.A.Z.-Interview spricht Trainer Carlos Alberto Parreira über mangelhafte Nachwuchsförderung und die Chancen der afrikanischen Mannschaften.

          Carlos Alberto Parreira ist viel herumgekommen in der Welt. Vor vier Jahrzehnten arbeitete der 67 Jahre alte Trainer bereits einmal in Afrika. Später schaffte der Brasilianer mit den Nationalteams Kuweits, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabiens und Brasiliens die Qualifikationen für Weltmeisterschaftsendrunden. Mit seinem Heimatland wurde er 1994 Weltmeister. Nach vielen Monaten großer Probleme hat der Trainer doch die Hoffnung gewonnen, eine erfolgreiche Heim-WM bestreiten zu können.

          Haben Sie den Film „Invictus“ über den Triumph Südafrikas bei der Rugby-WM 1995 im eigenen Land gesehen?

          Nein, aber ich kenne die Geschichte: Wie die Situation damals war, was alles passiert ist, wie wichtig es für Südafrika war. Wir wollen ein paar Highlights aus dem Film für unsere Spieler als Motivationshilfe einsetzen.

          „Ich weiß nicht genau, was schiefgelaufen ist seit 1996”

          Was können Sie daraus für Ihre Mannschaft ziehen?

          Diese Einheit, wie das Team zusammengewachsen ist. Sie waren Außenseiter bei der WM, Neuseeland war das stärkste Team und der heiße Favorit im Finale. Südafrika hat es nur schaffen können, weil das Team zu einer Einheit verschmolzen ist - unterstützt von Nelson Mandela, der mit Hilfe des Rugbys versucht hat, Schwarz und Weiß in seinem Land zusammenzubringen. Ein Sport, eine Nation, das war die Botschaft. Als Südafrika dann das Turnier gewonnen hatte, riefen Weiße im Stadion „Man-de-la, Man-de-la“. Es war unglaublich, was er für das Land erreicht hat.

          Spüren Sie auch einen politischen Aspekt Ihrer Arbeit?

          Nein, überhaupt nicht.

          Als Sie den Trainerposten bei Bafana Bafana im Oktober 2009 zum zweiten Mal übernahmen, sagte der stellvertretende Präsident des südafrikanischen Verbands, die Mannschaft brauche einen Messias als Trainer. Wie empfinden Sie das?

          Es gibt ja Probleme hier. Wenn Sie sich die Rangliste der Fifa anschauen, da liegen wir nur auf Platz 83. In Afrika sind wir die Nummer 17. Ich weiß nicht genau, was schiefgelaufen ist seit 1996, als Südafrika die Afrikameisterschaft gewonnen hat. Aber irgendwas muss ja schiefgelaufen sein, dass wir von ganz oben so weit abgestürzt sind.

          Was war das Ihrer Meinung nach?

          Da gibt es viele Dinge. Der größte Fehler ist aber, dass der Basis zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wenn Sie sich anschauen, warum Brasilien so stark ist im Fußball, dann liegt das an der Förderung junger Spieler. Ronaldinho war schon mit zehn Jahren ein Star bei Gremio, mit 14 spielte er in der U-15-Nationalmannschaft. Und wenn man von Ronaldinho spricht, könnte man Tausende anderer Spieler nennen. Robinho und Diego zum Beispiel wurden mit 18 und 17 gemeinsam brasilianischer Meister mit Santos. Das Problem in Südafrika ist: Wie willst du ein starkes Team bekommen, wenn du keine Spieler ausbildest? Das wird die wichtigste Aufgabe nach der WM sein. Wir haben die beste Infrastruktur in ganz Afrika, fünf wunderbare neue Stadien. Die Struktur ist da, aber wir müssen sie auch mit Leben füllen.

          Was sind Ihre Ziele für diese WM?

          Wir müssen versuchen, Schritt für Schritt zu machen. Die schwierigste Aufgabe ist es, die Gruppenphase (mit Mexiko, Uruguay und Frankreich) zu überstehen. Danach kann alles passieren: „The sky ist the limit.“

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