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Südafrikas Nationalmannschaft : Im großen Illusionstheater

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Große Chance auf den Vertrauensgewinn: Bafana Bafana kann dem tiefen sportlichen Schatten entfliehen Bild:

An diesem Sonntag beginnt der Confederations Cup, bei dem Südafrika alle Zweifler überzeugen will. Doch ein Jahr vor der WM spielt die heimische Nationalelf nur eine Nebenrolle im Hinterland der Weltgrößen.

          Die größte Zeitung des Landes betitelte ihren Aufmacher am Samstag unmissverständlich: „It’s time to trust SA.“ Höchste Zeit also, Südafrika zu vertrauen – als Ausrichter des Confederations Cup und der Fußball-Weltmeisterschaft 2010? Der Appell des „Stars“ aus Johannesburg folgte dem Freitagsaufruf von Joseph Blatter. Der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) hatte die Pressekonferenz kurz vor Beginn der WM-Generalprobe dazu genutzt, die Zweifler in der ganzen Welt, aber auch in Südafrika selbst zu mehr Optimismus anzustacheln. „Warum zur Hölle“, hatte der zu großen Auftritten und großen Worten neigende Schweizer den Journalisten zugerufen, „gibt es immer noch Fragezeichen? Ist es etwa Neid? Lasst uns mit dem Turnier beginnen und seien wir vertrauensvoll.“

          Mochte es dem 73 Jahre alten Fifa-Matador auch eher um das Zerstreuen von Sicherheitsbedenken gegangen sein, die den sportlichen Kern des Confederations Cup in den kommenden zwei Wochen ständig umhüllen werden, so gilt die Chiffre „Vertrauen“ doch für alles, was der erste afrikanische Organisator des Megaspektakels Weltmeisterschaft in diesen Tagen des Probelaufs mit Pokalperspektive auf die Beine stellt.

          Im Blickpunkt der kritischen Weltöffentlichkeit

          Das knapp 50 Millionen Einwohner zählende Land schaut derzeit mit einiger Skepsis vor allem auf die heimischen Hauptdarsteller der ersten internationalen Fußballshow, die Südafrika seit 1996 vor heimischem Publikum mitinszeniert. Damals hatte man die jahrzehntelange Apartheid gerade hinter sich; Nelson Mandela war der gefeierte Held einer endlich vereinten Regenbogennation in neuer Aufbruchstimmung. Sie wurde auch beflügelt von den nationalen Fußballstars, die seinerzeit die Afrika-Meisterschaft zu aller Überraschung gewannen und auch in den Jahren danach Eindruck hinterließen.

          Hohe Erwartungen: Staatspräsident Jacob Zuma hat eine wohl unerfüllbare Parole ausgegeben

          Bafana Bafana („die Jungs“), wie die Nationalelf genannt wird, nahm an den Weltmeisterschaften 1998 und 2002 teil, wenn auch ohne nennenswerten Erfolg. Immerhin: Damals war man wer in der großen weiten Welt des Fußballs. Heute spielt der Zweiundsiebzigste der Fifa-Weltrangliste im Hinterland der Weltgrößen nur noch eine Nebenrolle. Das Team konnte sich nicht einmal für die im Januar 2010 ausgetragene Afrika-Meisterschaft qualifizieren. Bafanas Glück ist auch seine Bürde: Der Ausrichter des Confed Cup wie der Weltmeisterschaft 2010 ist automatisch für diese beiden Turniere qualifiziert und damit auch im Blickpunkt der kritischen Weltöffentlichkeit.

          Gegen den Irak erwarten die Südafrikaner einen überzeugenden Sieg

          An diesem Sonntag steht die vom Brasilianer Joel Santana trainierte Auswahl im Johannesburger Ellis-Park-Stadion vor der ehrenvollen und komplizierten Aufgabe, das Turnier mit dem Spiel gegen den Irak zu eröffnen. Dem Asien-Meister von 2007, der damals mit seinem Sensationstriumph eine von Krieg und Terror bis heute zerrissene Nation für den Augenblick vereinte, geht es ein bisschen so wie den Südafrikanern in den Jahren nach 1996: Der Fußball-Alltag hat das Land wieder, das aus dem asiatischen Qualifikationsrennen um die begehrten WM-Plätze 2010 schon ausgeschieden ist. Gegen den 77. der Weltrangliste erwarten sie deshalb in Südafrika nichts anderes als einen überzeugenden Sieg. Vorneweg hat der neue Staatspräsident Jacob Zuma die wohl unerfüllbare Parole ausgegeben, als er Bafana Bafana dazu aufforderte, den „Pokal im Land zu behalten“.

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