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Südafrika-Torwart Meyiwa : Erschossen wegen eines Handys

  • -Aktualisiert am

Torwart Senzo Meyiwa im Einsatz für seinen Verein, die Orlando Pirates aus Johannesburg Bild: dpa

Südafrikas Nationaltorwart Senzo Meyiwa wird von Einbrechern erschossen. Die Ermordung des beliebten Fußballspielers setzt die Sicherheitsdienste unter Druck. Die Polizei reagiert zunächst mit einem ungewöhnlichen Schritt.

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          Die Nachricht von der Ermordung des südafrikanischen Nationaltorhüters Senzo Meyiwa am Sonntag ist national wie international mit Bestürzung aufgenommen worden. „Worte können die Fassungslosigkeit nicht beschreiben, die das ganze Land erfasst hat“, ließ der südafrikanische Präsident Jacob Zuma am Montag in einer Erklärung verbreiten.

          Fifa-Präsident Joseph Blatter drückte der Familie des Ermordeten über den Nachrichtendienst Twitter sein Beileid aus. Bundesligaprofi Kevin-Prince Boateng von Schalke 04 nahm die Nachricht mit Bestürzung auf: „Tragödie!!!! Ruhe in Frieden Senzo Meyiwa“, schrieb der ghanaische Nationalspieler und kondolierte Familie und Freunden des Torhüters.

          Meyiwa war am Sonntagabend in dem Johannesburger Vorort Vosloorus im Haus seiner Verlobten, der Sängerin Kelly Khumalo, von Einbrechern erschossen worden. Nach Angaben der Polizei sollen sich zwei Männer Zugang zu dem Haus beschafft haben und die insgesamt sieben anwesenden Personen mit Waffengewalt zur Herausgabe ihrer Handys aufgefordert haben.

          Ob auf Meyiwa gefeuert wurde, weil er sich geweigert hatte, sein Handy herauszurücken, oder ob er sich schützend vor seine Lebensgefährtin gestellt hatte, wie in südafrikanischen Medien spekuliert wurde, ist noch nicht klar. Die Schussverletzung war jedenfalls so schwer, dass der 27 Jahre alte Sportler noch auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb.

          Die südafrikanische Polizei, deren Ruf nicht der Beste ist, lobte in einem ungewöhnlichen Schritt eine Belohnung von 250.000 Rand (knapp 18.000 Euro) für Hinweise zur Ergreifung der Täter aus. Polizeichefin Riah Phiyega, die gerade in eine Vielzahl von Korruptionsvorwürfen verstrickt und deshalb dankbar für jede Ablenkung von der eigenen Person ist, ließ die Nation per Live-Übertragung am vorläufigen Stand der Ermittlungen teilhaben. Angeblich will die Kriminalpolizei eine Sonderkommission zur Ergreifung der Mörder von Meyiwa einsetzen.

          Die Ermordung des beliebten Fußballspielers setzt die südafrikanischen Sicherheitsdienste unter großen Druck. Jedes Jahr hören die Menschen am Kap, dass es besser geworden sei mit der endemischen Gewalt in ihrem Land, und dennoch sterben täglich Menschen wegen so etwas Banalem wie einem Handy. Gegenwärtig werden in Südafrika mit seinen 53 Millionen Einwohnern täglich 47 Menschen ermordet. Das sind rund zwölf Morde pro 100.000 Einwohner. Weltweit liegt der Durchschnitt bei sechs Morden pro 100.000 Einwohner.

          Der sinnlose Tod von Meyiwa wird auch wieder die Debatte über den privaten Besitz und den Gebrauch von Feuerwaffen aufleben lassen. Vor Wochenfrist war der Paralympic-Star Oscar Pistorius wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp zu fünf Jahren Haft verurteilt worden (wogegen am Montag die Strafverfolgungsbehörde Berufung einlegte). Pistorius hatte durch eine verschlossene Toilettentür gefeuert und dies vor Gericht mit seiner Angst vor Einbrechern zu erklären versucht. Diese Angst teilt der beinamputierte Sprinter jedenfalls mit der Mehrheit der Südafrikaner.

          Jenseits der Diskussion über die Unfähigkeit der südafrikanischen Regierung, die galoppierende Kriminalität in den Griff zu bekommen, verliert das Land mit Meyiwa einen vielversprechenden Fußballspieler. Der Kapitän des Johannesburger Traditionsklubs „Orlando Pirates“ war erst zu Beginn des Jahres in die Nationalmannschaft „Bafana Bafana“ berufen worden.

          Bei den bislang absolvierten vier Qualifikationsspielen für den Afrika-Cup im kommenden Jahr hatte die südafrikanische Mannschaft kein einziges Tor kassiert. Für die beiden noch ausstehenden Spielen genügt „Bafana Bafana“ dank Meyiwas Leistung ein Sieg gegen Sudan am 15. November, um sich vorzeitig zu qualifizieren. Zuletzt hatte der Torwart am Samstag bei dem Spiel der „Pirates“ gegen „Ajax Kapstadt“ zwischen den Pfosten gestanden. Die Johannesburger Mannschaft gewann 4:1. Meyiwa war nur durch einen Elfmeter zu bezwingen gewesen.

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