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Südafrika : Eine zauberhafte Eröffnung

  • -Aktualisiert am

Südafrika heißt die Fußball-Welt willkommen ... Bild: AP

Die Fußball-WM in Südafrika ist am Freitag offiziell eröffnet worden. Es ist der Startschuss für die erste Endrunde auf afrikanischem Boden. Nur Nelson Mandela fehlt bei der Show mit einer Extraportion Leidenschaft.

          Den großen, geschichtsträchtigen Augenblick gab es leider nicht. Nelson Mandela, die Ikone des südafrikanischen Anti-Apartheitskampfs, war zu Hause geblieben. Der frühere Präsident der Republik am Kap hätte zu gern, wie vom Internationalen Fußball-Verband und dem lokalen Organisationskomitee geplant, die beiden Mannschaften des Eröffnungsspiels der Weltmeisterschaft eigenhändig begrüßt. Es wäre nicht nur für die Auswahl Südafrikas und Mexikos Team ein unvergesslicher Augenblick gewesen.

          Doch nach dem Tod seiner 13 Jahre alten Urenkelin Zenani, die am Freitag bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, wollte und konnte der 91 Jahre alte Herr verständlicherweise die Freude seiner Landsleute über die endlich eröffnete 19. Fußball-Weltmeisterschaft nicht teilen.

          Zuma: „Afrikas Zeit ist gekommen“

          So feierten die Zuschauermassen im Johannesburger Soccer-City-Stadium die Premiere zur ersten WM auf afrikanischem Boden ohne ihr Idol. „Dies ist eine afrikanische WM, Afrikas Zeit ist gekommen“, sagte Staatspräsident Jacob Zuma in seinen Eröffnungsworten kurz vor dem Eröffnungsspiel (aktuell im FAZ.NET-WM-Liveticker).

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          Mandela hätte gewiss seine Freude gehabt am Spiel der Farben und Klänge, das 1.500 Menschen im Innenraum der Arena am frühen Freitagnachmittag vor dem sportlichen Ernstfall aufführten. Die Party begann in einem der schönsten der zehn WM-Stadien, das Assoziationen an eine Kalebasse, ein afrikanisches Trinkgefäß, wecken soll und vor den Toren Sowetos zu einem Wahrzeichen der Millionenstadt Johannesburg geworden ist.

          Die WM-Arena swingte und groovte

          Lebo M, einer der kreativen Köpfe hinter dem Erfolgsmusical „Der König der Löwen“, inszenierte ein Spektakel, das keineswegs nur auf die Tradition des alten Afrika setzte. Vielmehr entfaltete sich hier die Lebensfreude eines Kontinents, der seinen Weg in die Moderne auf seine eigene Weise zu finden im Begriff ist. Gerade Südafrika, aber auch die anderen bei der Einstimmungsfete bildhaft und bildschön gespiegelten fünf afrikanischen Teilnehmerstaaten, bieten der Welt ein reiches musikalisches Angebot zwischen den herkömmlichen Shosholoza-Chorälen der arbeitenden Bevölkerung, den Funkrhythmen der Afrorockgruppe Osibisa oder dem tonangebenden Jazztrompeter des Kontinents, Hugh Masekela.

          Die Arena swingte und groovte bei dieser Eröffnungsfeier, und dazu wurden sogar die Vuvuzelas, das lärmende Folterinstrument der Fans von „Bafana Bafana“, der Nationalmannschaft des Gastgeberlandes, für ein paar Momente überspielt. Besonders umjubelt war der Auftritt des amerikanischen Sängers und Songschreibers R. Kelly, der mit den Soweto Spiritual Singers das hohe Lied auf Afrika anstimmte.

          Eine Extraportion Leidenschaft

          Das war Showbusiness der allerbesten Art, umwabert von den bei Popkonzerten üblichen Bodennebeln. Besser, schwungvoller und mitreißender hätten das Land und die ganze Fußballwelt nicht auf die WM eingestimmt werden können. Selbst die zum Protokoll gehörenden Verweise auf die 32 Teilnehmer dieser ganz besonderen Weltmeisterschaft vier Jahre nach dem deutschen „Sommermärchen“ fügte sich in eine perfekte Dramaturgie, die quasi das Tempo für die folgenden Fußballduelle vorgab. Eine bessere Eröffnungsfeier hat es bei Fußball-Weltmeisterschaften noch nicht gegeben. Dieses im lichten Glanz eines kühlen Wintertages inszenierte Schauspiel zeigte eine Extraportion Leidenschaft.

          Störend wirkte nur die in manchen Ländern noch immer für ein Symbol eigener Stärke gehaltene Fliegerakrobatik, die Kampfflugzeuge der südafrikanischen Armee in den blauen Himmel zeichneten. Sonst aber war dies ein makelloser Start in ein Turnier mit 64 Aufführungen auf der Bühne des Fußballs. Da beim Showact vor der heiß ersehnten Premiere auch keine großen Reden gehalten wurden, war das sehenswerte Freiluft-Theater von Lebo M schon nach knapp 45 Minuten vorbei. Der Regisseur hatte das richtige Fingerspitzengefühl für dieses WM-Vorspiel bewiesen und dabei keine einzige Sekunde verschenkt.

          Der Freudentag hätte nicht schöner sein können

          Danach, rund eine Stunde später, konnte endlich das Heiß ersehnte Hauptprogramm beginnen. Nun war es an „Bafana Bafana“ und der mexikanischen „Tri“, den Ball der Tänzer und Sänger aufzunehmen und die 84.000 erwartungsfrohen Menschen in Johannesburgs größter Kalebasse auf das beste zu unterhalten. Wäre auch Nelson Mandela dabeigewesen, der Freudentag für sein stolzes Volk hätte nicht schöner sein können. So aber trauerte Südafrika auch ein wenig mit seinem angehimmelten Altpräsidenten. Vielleicht kommt er am Ende des Turniers ja doch noch, wenn sich der Kreis schließt und das Finale dieser 19. Titelkämpfe im Soccer-City-Stadium die WM krönen wird.

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