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Stuttgarts Sportdirektor Horst Heldt : „Wir werden dazwischenhauen“

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„Egoismus ist nicht nur negativ”: VfB-Sportdirektor Horst Heldt (r.), daneben Trainer Markus Babbel Bild: ddp

Der VfB Stuttgart steht in der Bundesliga nur auf Platz dreizehn. Zudem gibt es Unruhe, auch durch Jens Lehmann. Sportdirektor Horst Heldt spricht im FAZ.NET-Interview über über egoistische Spieler, einen überforderten Trainer und den Torwart-Ärger.

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          Der VfB Stuttgart steht nach acht Spieltagen nur auf dem dreizehnten Platz der Bundesliga-Tabelle. Auch in der Champions League läuft es nicht rund, nach zwei Unentschieden gegen die Glasgow Rangers und Unirea Urziceni ist der Einzug ins Achtelfinale zwar möglich, dennoch wurden Punkte unnötig abgegeben. Zudem schwächeln Führungsspieler wie Kapitän Thomas Hitzlsperger. Und Torwart Jens Lehmann produziert negative Schlagzeilen abseits des Fußballplatzes.

          In der Länderspielpause haben sich die Schwaben gesammelt - auch wenn zahlreiche Nationalspieler in der Welt unterwegs waren, um sich für die WM 2010 in Südafrika zu qualifizieren. Im FAZ.NET-Interview spricht der Stuttgarter Sportdirektor Horst Heldt über egoistische Spieler, einen überforderten Trainer und den Torwart-Ärger beim VfB.

          Es muss dramatisch um den VfB Stuttgart bestellt sein, immerhin hat Kapitän Thomas Hitzlsperger gesagt: „Die Tiefs, die wir schon hatten in Stuttgart, waren unangenehm. Aber das hat jetzt eine neue Dimension.“

          Wir haben das ja in der Tat immer wieder zum Anfang einer Saison, dass wir uns in einem Tief bewegen. Gerade können wir natürlich eine Menge verlieren. Wir sind noch in drei Wettbewerben dabei, aber bis zum Winter wird sich jetzt entscheiden, wie es weitergeht in dieser Saison. Aber wer ist denn gerade oben in der Liga? Das sind jene Vereine, die im letzten Jahr ihre Ziele nicht erreicht haben. Die waren am Boden, haben vielleicht Trainerwechsel hinter sich, da ging es richtig heiß her. Der VfB Stuttgart hat in den vergangenen acht Jahren sieben Mal seine Ziele erreicht. Nach diesen Erfolgen sind die Erwartungen im Umfeld extrem hoch, aber denen werden wir gerade nicht gerecht.

          Warum?

          Der Mensch nimmt sich nach einem Ziel, das er erreicht hat, vielleicht mal eine Erholungsphase. Auch vom Kopf her. Automatisch macht man dann ein bisschen weniger, das zeigt sich immer wieder. Beim VfB Stuttgart, in anderen Vereinen, in anderen Sportarten und im normalen Berufsleben. Wir haben sieben oder acht Monate in der vergangenen Saison alles dafür getan, noch mal nach oben zu kommen in der Tabelle. Wir sind Dritter geworden, aber das war ein langer und intensiver Weg mit vielen Entbehrungen. Jeder hat in dieser Zeit seine persönlichen Interessen hintenangestellt. Aber diese persönlichen Dinge kommen nun wieder zum Vorschein.

          Haben Sie also zu viele Egoisten in der Mannschaft?

          Fakt ist, dass es dieses Bestreben in der vergangenen Saison nicht gab. Aber Egoismus ist nicht nur negativ. Wir brauchen auch Typen, die in der entscheidenden Situation die Verantwortung übernehmen. Allerdings ist das immer ein schmaler Grat. Derzeit gibt es bei uns unterschiedliche Interessen, nicht jeder stellt mehr seine persönlichen Interessen hinter die des Vereins beziehungsweise des Teams an.

          Also müssen die Spieler wieder mehr in die Verantwortung genommen werden?

          Natürlich. Wir haben viele erfahrene Spieler mit einer gewissen internationalen Erfahrung. Jeder Einzelne muss nun in die Pflicht genommen werden und sich wieder auf das Wesentliche im Verein konzentrieren.

          In der Regel hat auch der Kapitän eine tragende Rolle. Man hat jedoch das Gefühl, dass Thomas Hitzlsperger mehr mit sich selbst zu tun hat, als dass er positiven Einfluss auf die Mannschaft ausüben könnte.

          Das ist doch zu einfach. Ich mache das nicht an einzelnen Personen fest, vielmehr gibt es doch eine klare Hierarchie innerhalb der Mannschaft. Und eines ist sicher: Man kann nicht alles alleine regeln, auch Thomas Hitzlsperger braucht Unterstützung. Es sollte sich niemand hinter dem Kapitän verstecken. Was wäre das auch für eine lächerliche Einstellung.

          Wo sehen Sie Jens Lehmann in der Hierarchie?

          Oben.

          Müsste er aber nicht disziplinierter agieren?

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