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Stuttgarter Fehlstart : „Ich poltere jetzt etwas wie der Franz“

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Selber schuld: Die Stuttgarter verloren in Glasgow und hadern mit sich Bild: dpa

Das 1:2 des VfB in der Champions League bei den Glasgow Rangers war völlig unnötig. Vor allem Stuttgarts Trainer Armin Veh schimpfte nach dem Spiel. Doch es wird nicht leichter: Schon in der nächsten Partie der Königsklasse wartet der große FC Barcelona.

          Armin Veh platzte nach dem Fehlstart der Kragen. „Wir haben drei Minuten geschlafen und das Spiel hergeschenkt. Das ist mehr als bitter“, schimpfte der Trainer des VfB Stuttgart nach der völlig unnötigen 1:2 (0:0)-Pleite bei Glasgow Rangers zum Auftakt der Champions League. Der sonst stets kontrollierte Augsburger ließ seiner Wut in Beckenbauer-Manier freien Lauf: „Ich poltere jetzt etwas wie der Franz. Das regt mich furchtbar auf.“

          Völlig frustriert übten auch die Spieler Selbstkritik. „Wir haben es einfach aus der Hand gegeben und zu viele Fehler gemacht“, grantelte Torschütze Mario Gomez. Roberto Hilbert resümierte: „Wir sind angefressen und enttäuscht.“ Alles hatte für einen Traumstart der Schwaben in die europäische Königsklasse und ein Ende der schwarzen Serie in Schottland gesprochen.

          Anfängerfehler vor dem 1:1-Ausgleich der Rangers

          Der Bundesliga-Neunte kontrollierte eine Stunde lang souverän das Geschehen, ging sogar durch Gomez in Führung (56. Minute) und machte dann durch Nachlässigkeit und unverzeihliche individuelle Patzer alles selbst kaputt. In dieser Phase erinnerte vieles an die Punktspiel-Niederlagen in Berlin (1:3) und Karlsruhe (0:1). „Das Unheil kam aus heiterem Himmel“, sagte Veh zu den beiden Gegentreffern durch Charles Adam (62.) und Jean-Claude Darcheville (75./Foulelfmeter).

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          Vor dem Ausgleich ließen gleich drei Stuttgarter den Schützen ungestört durch ihre Reihen ziehen. „Da muss ein taktisches Foul her“, kritisierte Hilbert. Dann fällte der zuvor so souveräne Abwehrchef Fernando Meira den durchgebrochenen Rangers-Außenverteidiger Alan Hutton im Strafraum.

          Im nächsten Spiel wartet das Überteam aus Barcelona

          Horst Heldt brachte es nüchtern auf den Punkt: „Die haben von unseren Fehlern gelebt.“ Jetzt wird es für die Stuttgarter schon nach nur einem Spiel extrem schwierig, den angestrebten Einzug in die nächste Runde zu erreichen. Gegen den FC Barcelona am 2. Oktober im Daimlerstadion steht der deutsche Meister unter enormem Erfolgsdruck, um in der Gruppe E nicht vorzeitig den Anschluss zu verlieren. „Da sollten wir punkten“, forderte Veh.

          Aber wenn dies schon nicht gegen den vermeintlich leichtesten Kontrahenten glückte, wie soll der VfB dann gegen die katalanische Weltauswahl bestehen. „Da sind wir natürlich Außenseiter“, räumte Heldt ein. Die Vereinsführung, die sportlich Verantwortlichen und die Fußballprofis klammern sich nun an die Hoffnung auf ein „neues Wunder“ wie vor vier Jahren.

          „Ich hoffe, dass sich die alte Geschichte wiederholt“

          Auch damals war der VfB zum Auftakt 1:2 in Glasgow gescheitert, hatte dann aber in einer magischen Nacht zu Hause die Mega-Mannschaft Manchester United mit 2:1 entzaubert und damit den Grundstein für den Achtelfinaleinzug gelegt. „Unser Traum, weiterzukommen, ist mit diesem Ergebnis natürlich schwieriger geworden“, sagte Meira geknickt. „Aber ich hoffe, dass sich die Geschichte von vor vier Jahren wiederholt.“

          Die äußerst vage Aussicht auf eine Wiederholung dieses Fußball- Märchens bezeichnete der abergläubische Veh als „das einzig Positive“ des erneut missglückten Gastspiels in Glasgow: „Damals sind wir auch so gestartet und haben dann ManU geschlagen. Vielleicht ist das ein gutes Omen.“ Klub-Präsident Erwin Staudt („ich bin sehr enttäuscht“) sieht „keinen Grund für Fatalismus“. Man dürfe nach einem Spiel nicht nur noch an Platz drei denken.

          Schon in Bremen soll es die Wiedergutmachung geben

          Die ganze Konzentration gilt jetzt eh der samstäglichen Bundesligabegegnung in Bremen. Die Verlierer wollen gegen Werder Wiedergutmachung für den Fehltritt in der Champions League leisten. „Wir fahren nach Bremen, um dort drei Punkte zu holen“, kündigte Hilbert keck vor dem Direktflug in die Hansestadt am Donnerstag an. Veh sprach hingegen vorsichtig von „einem interessanten Vergleich“ angesichts der Parallelen: Auch der kommende Kontrahent startete mit einem 1:2 in der Königsklasse, allerdings gegen Starensemble von Real Madrid, und hat ähnliche Verletzungsprobleme wie der VfB.

          Die Schwaben müssen weiter auf Thomas Hitzlsperger (Zehenentzündung) und Matthieu Delpierre (Rehabilitation) verzichten. Dafür steht Ludovic Magnin nach überstandener Magen-Darm-Grippe wieder zur Verfügung und Yildiray Bastürk dürfte nach seinem geglückten Kurzeinsatz ein Kandidat für die Startformation sein.

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