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Stuttgart im DFB-Pokal-Halbfinale : Diesmal hält die Berliner Mauer nicht

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg nach Berlin? Der VfB steht im Halbfinale Bild: dpa

Der Höhenflug des VfB Stuttgart geht auch im DFB-Pokal weiter. Noch am vergangenen Freitag hatten die Schwaben die Defensive von Hertha BSC nicht überwinden können, doch im Viertelfinale fanden die Stuttgarter zwei Lücken, gewannen 2:0 und stehen im DFB-Pokal-Halbfinale.

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          „Ohne Hertha fahr'n wir nach Berlin“, haben die Fans des VfB Stuttgart am Mittwochabend zum Ende eines spannenden, guten Viertelfinalspiels um den DFB-Vereinspokal gehöhnt und gesungen. Die Schwaben setzten sich dabei vor 37.000 Zuschauern im heimischen Gottlieb-Daimler-Stadion über ihre Berliner Gäste letztlich locker und jederzeit verdient 2:0 nach Toren von Cacau (38. Minute) und Hitzlsperger (77.) durch.

          Am 17. oder 18. April steht den Stuttgartern das am Sonntag in der ARD-“Sportschau“ ausgeloste Halbfinale in diesem Wettbewerb bevor, während die Hertha in ihrer Heimatstadt wieder einmal nur zuschauen kann, wenn zwei andere Mannschaften am 26. Mai im Berliner Olympiastadion um den großen Goldpokal des Deutschen Fußball-Bundes streiten.

          Schaurige Bedingungen

          Die Mauer muss weg - mit dieser schwäbischen Grundforderung stürmte der VfB in das zweite Duell mit den Berlinern fünf Tage nach dem ernüchternden 0:0 im Punktspielalltag. Nun aber ging es nach den K.o.-Gesetzen des Pokals in die zweite Runde mit den Defensivstrategen der Hertha. „Wir wollen nach Berlin“, hatte Armin Veh, der Trainer des Tabellenzweiten der Bundesliga, seinen dringenden Wunsch für das Finale dieser Konkurrenz zu Protokoll gegeben. Die Stuttgarter haben den DFB-Pokal ja immerhin schon dreimal gewonnen, die Berliner dagegen noch gar nicht. 1979 standen sie letztmals im Finale, 1981 zuletzt im Halbfinale dieses zweiten nationalen Wettbewerbs.

          Delpierre (li.) siegt im Luftduell mit Pantelic

          Die Bedingungen für ein gutes Fußballspiel jedoch waren am Mittwochabend ausgesprochen schaurig, und entsprechend durchnässt und aufgeweicht sah der Rasen auch aus. Beide Teams konnten diesmal wieder auf zwei besonders wichtige Kräfte in den hinteren Reihen bauen: Beim VfB kehrte der Mexikaner Pavel Pardo auf die zentrale Defensivposition im Mittelfeld zurück, bei der Hertha bezog der zuletzt ebenfalls gesperrte Kapitän Arne Friedrich seinen Platz als rechter Verteidiger.

          Fußball ist nun mal kein Lochspiel

          Diese zwei verhielten sich anschließend zunächst vollkommen drehbuchgerecht. Wie schon vergangene Woche zog sich die Hertha vorzugsweise zurück, konterte aber ein paar Mal besser als am Freitag und hatte durch Dejagah zwei kleinere Möglichkeiten. Der stets offensive VfB schien auf der Suche nach der Lücke nach einer halben Stunde schon ein wenig zu verzweifeln an der vorher oft beschworenen Berliner Mauer. Leichte Konzentrationsschwächen schlichen sich in das Spiel der Schwaben, bei denen Khedira im vorderen Mittelfeld wie Dejagah auf der anderen Seite gelegentlich gute Szenen hatte.

          In der 38. Minute war endlich der Moment für die Stuttgarter gekommen. Platz da: Magnin brachte Friedrich auf der linken Seite ins Rutschen, und Cacau stand in der Mitte, unbehelligt von van Burik oder Simunic einladend frei. Der Brasilianer nutzte seinen Raum nach Magnins Flanke zu einem genau plazierten Kopfball, und es hieß 1:0 für den Favoriten. Endlich öffnete sich die Partie, so dass Pardo die große Chance zum 2:0 (44.) auf dem Fuß hatte. Doch der Mexikaner wollte es zu schön machen und scheiterte bei seinem Versuch, den Ball wie beim Golf ins Netz zu putten. Fußball ist nun mal kein Lochspiel. Nach der Pause brachte Veh sogleich zwei frische Männer: Streller kam für den Liga-Toptorjäger Gomez, der wegen leichter Oberschenkelprobleme in der Kabine blieb; dazu stärkte nun der von einer Schienbeinverletzung genesene Kapitän Meira anstelle von Osorio die Abwehr des VfB. Und die konnte einen ausgeruhten Spieler mehr vertragen, da die Hertha jetzt gezwungen war, mehr Energie und Phantasie in das Vorwärtsspiel zu investieren.

          „The Hammer“ Hitzlsperger trifft

          Die besseren Chancen aber besaß nach wie vor der VfB, dessen Attacken und Konter stets Gefahr verströmten, mochten sie auch eine Spur zu verschnörkelt angelegt sein. Der wieder einmal exzellente Magnin schloss ein Solo über die linke Seite in dem endlich offen geführten und dadurch attraktiven Pokalspiel mit einem Schuss ab, den Fiedler nur abklatschen konnte. Im Nachschuss versuchte es Cacau mit der Hacke zu kunstvoll, um damit das 2:0 erzwingen zu können (60.); der Schütze zum 1:0 verfehlte sechzig Sekunden später mit seiner zweiten großen Kopfballgelegenheit das Ziel aufs neue nur knapp. Für Berlin traf Pantelic bei seinem Schuss nur das Außennetz (57.); während Ebert bei seiner Chance den Ball nur in den Stuttgarter Luftraum schaufelte (72.).

          Wie man auf direktem Weg zum Ziel findet, machte in der 77. Minute Nationalspieler Hitzlsperger seinen Mannschaftskameraden vor. In der 77. Minute schlug sein Schuss aus 17 Metern zum 2:0 im Berliner Tor ein - die Entscheidung in diesem letzten Viertelfinale des DFB-Pokalwettbewerbs und ein deutlicher Hinweis darauf, zu was die Stuttgarter auch im Pokal fähig sind: Das Ziel heißt Berlin, der Weg dorthin ist nicht mehr weit.

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