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Nach dem Finale: Sandro Wagner wirft seine Medaille fort. Bild: Imago

Medaillenwurf nach Pokalfinale : Sandro Wagner und die dritte Halbzeit

Das DFB-Pokalfinale hat ein Nachspiel – im Mittelpunkt steht die Silbermedaille von Sandro Wagner. Der Bayern-Spieler warf sie nach der Siegerehrung ins Publikum. Zwei Männer streiten nun erbittert darum.

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          Der Tag, an dem Helmut F. (Name geändert) fast die DFB-Pokal-Silbermedaille nach Hause geholt hätte, begann für ihn um sechs Uhr morgens. Nach drei vergeblichen Versuchen hatte der 47 Jahre alte Berliner es in diesem Jahr endlich geschafft, Volunteer für das Finale im Olympiastadion am vergangenen Samstag zu werden. Im Morgengrauen fuhr er einmal quer durch die Stadt, um sieben Uhr begann er, Akkreditierungen auszugeben. Um 18 Uhr hatte er Feierabend.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ohne sich umzuziehen, machte er sich danach auf den Weg: Für seine Hilfe hatte man ihm einen Platz im Stadion versprochen. Es wurde sogar ein Sitzplatz, wenn auch kein sehr guter. Von den vordersten Reihen auf der Haupttribüne verdecken die überdachten Bänke der Auswechselspieler den Blick auf einen Teil des Platzes. Helmut F. war trotzdem zufrieden. „Mir ging es mehr um die Stimmung“, sagt er. Für Plätze wenige Reihen hinter ihm hatten Gäste und Sponsoren mehrere hundert Euro gezahlt, dafür durften sie nach dem Spiel in einen VIP-Bereich. Helmut F. kam auch so auf seine Kosten: Er sah Mario Basler, Oliver Bierhoff und schoss ein Foto mit Giovane Élber.

          „Gib sie mir, oder ich schlag' dir in die Fresse“

          Nachdem Eintracht Frankfurt auf dem Platz Bayern München niedergerungen hatte, hoffte Helmut F. auf ein weiteres Andenken. Er verließ seinen Platz und lief ganz nach vorne in eine Ecke, an der die Spieler nach der Siegerehrung vorbeigehen würden. „Ich wollte ein Foto mit einem Spieler oder ein Trikot“, sagt er. In seinem Freundeskreis ist der Fußballbegeisterte für sein Glück in solchen Situationen bekannt. Zu einem AC/DC-Konzert, auf das sie alle wollten, schaffte er es mal dank eines Gewinnspiels.

          Wohin fliegt die Medaille? Und wer fängt sie?

          Später wettete er mit einem Kumpel, dass er ihm beim Champions-League-Finale in Berlin vom Platz aus zuwinken würde – und schaffte es als Volunteer tatsächlich. Am Final-Samstag sah es zunächst so aus, als würde Helmut F. wieder zum großen Glückspilz. Die Szene, die dazu führte, war einer der großen Aufreger nach dem Finale: Bayern-Stürmer Sandro Wagner, der vor fünf Jahren noch in der Regionalliga gekickt hatte, war mit der Silbermedaille so unzufrieden, dass er sie auf die Tribüne warf. Gefangen wurde sie von Helmut F. – so erzählt der es jedenfalls.

          Aber spätestens hier muss die Geschichte kritisch hinterfragt werden: Die „Bild“-Zeitung berichtete später immerhin, dass der notorisch größenwahnsinnige Stürmer die Auszeichnung nicht weg-, sondern einem Fan zugeworfen habe, den er „auf der Ehrentribüne“ erkannt hatte. „Das stimmt auf gar keinen Fall“, sagt Helmut F. „Er hat sie einfach in die Menge geworfen.“ Die Ehrentribüne, das bestätigt auch der DFB, liegt in einem ganz anderen Bereich des Stadions. Der FC Bayern reagierte auf eine Anfrage dazu nicht.

          Aber auch ohne diese wohl falsche Erklärung wird es von diesem Punkt an so unübersichtlich, wie es auf den Tribünen eines Fußballstadions nun mal zugeht: Helmut F. sagt, dass er die Medaille zusammen mit dem Mann rechts neben ihm gefangen habe. „Der hatte nur das Band und hat zu mir gesagt: Nimm du sie!“ In dem Moment habe ein anderer Mann, der hinter ihm stand, ein Stück der Schnur zu fassen bekommen. „Er hat versucht, sie mir zu entreißen, und immer wieder gesagt: Gib sie mir, oder ich schlag dir in die Fresse!“ Weil er sich nicht prügeln wollte, habe er irgendwann losgelassen – der andere Mann sei daraufhin abgehauen. Das Sicherheitspersonal könne das bestätigen.

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