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Großer Streit im Fußball : Der DFB muss raus aus der Zwickmühle

Ausweg gesucht: Der DFB mit Generalsekretär Friedrich Curtius (links) und Präsident Fritz Keller muss für die dritte Liga eine Lösung finden. Bild: Reuters

Nicht nur das Fußball-Oberhaus steht derzeit im Fokus. Um die dritte Liga etwa droht ein großer Disput sogar zu eskalieren. Dabei verliert der Deutsche Fußball-Bund die Geduld mit einigen Klubs.

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          Die dritte Liga ist schon länger das Sorgenkind des deutschen Profifußballs. Als im Herbst die wirtschaftlichen Kennziffern publiziert wurden, war schließlich einmal mehr deutlich geworden, was ohnehin jeder ahnte: Die dritthöchste Spielklasse ist und bleibt für viele ihrer Mitglieder eine Nichts-wie-raus-hier-Liga. Trotz eines Umsatzrekordes schrieben in der Vorsaison 13 von 20 Klubs rote Zahlen. Zum neunten Mal in elf Jahren machte die Liga in ihrer Gesamtheit Verlust, weil die Vereine zu sehr ins Risiko gingen.

          Etwas mehr als ein halbes Jahr später zeigt sich, was dieser Zustand im Ernstfall für Folgen haben kann. Denn in einer für alle Beteiligten bedrohlichen Situation ist die Liga offenkundig außer Stande, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Stattdessen ist eine Spaltung zu beobachten, in Befürworter und Gegner einer Saisonfortsetzung. Die Diskussion wird öffentlich ausgetragen. Zuletzt mischten auch die Politik und der Deutsche Fußball-Bund (DFB), in dessen Verantwortungsbereich die Liga fällt, munter mit.

          Während die Landesregierungen in Thüringen und Sachsen-Anhalt auf Ausübungsverbote für professionellen Mannschaftssport pochten, reagierte der Verband am Dienstagabend mit einem Statement seines Generalsekretärs Friedrich Curtius. Dieser beklagte, es sei auffällig, dass Probleme derzeit ausschließlich im Lager der Abbruchbefürworter auftreten würden. Und warf beinahe schnippisch die Frage auf: „Kann man nicht, oder will man nicht?“

          Es braucht einen Kompromiss

          Tatsächlich ist die Situation verzwickt. Schließlich haben beide Seiten nachvollziehbare Argumente. Die Verweise der Abbruchfraktion auf das finanzielle Risiko einer Fortsetzung ohne Zuschauereinnahmen sind legitim. Genau wie die von einzelnen Spielern geäußerten Sorgen bezüglich der eigenen Gesundheit und die Verweise der Politik auf rechtliche Rahmenbedingungen. Doch Gleiches gilt für die Position des DFB und einer knappen Mehrheit der Klubs, dass der Liga, ohne wenigstens den Versuch eines Neustarts zu wagen, noch verheerendere wirtschaftliche Konsequenzen drohen.

          Letztlich braucht es deshalb einen Kompromiss. Der DFB muss einsehen, dass sich das für die ersten beiden Ligen vorgesehene Konzept womöglich nicht eins zu eins auf die dritte Liga übertragen lässt. Gleichzeitig müssen die Fortsetzungsgegner von ihrer teilweise arg durchschaubaren Verweigerungshaltung abrücken und sich vor allem Gedanken über die Alternativen machen. Im Endeffekt werden sich beide Lager bewegen müssen. Denn sonst könnte aus dem Sorgenkind schon bald ein „Sozialfall“ werden.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

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