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Vorwurf der Steuerhinterziehung : Ermittlungen gegen DFB und ein Besuch beim Sponsor

Die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main Bild: picture alliance/dpa

Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen den Deutschen Fußball-Bund den Vorwurf der Steuerhinterziehung. Interne Überprüfungen beim Verband ergaben nach F.A.Z.-Informationen schon zuvor einen Verdacht.

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          Nach neuen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Leistungen seines langjährigen Sponsors Adidas hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) seine Vergangenheit wieder eingeholt. Die Ermittler haben in diesem Zusammenhang, es geht um die Versteuerung von Sachleistungen in den Jahren 2015 bis 2020, entsprechende Unterlagen aus der Adidas-Zentrale angefordert und erhalten. „Es kam nicht zu einer Durchsuchung, die Unterlagen wurden freiwillig herausgegeben“, sagte Oberstaatsanwältin Nadja Niesen der dpa.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

          Die ersten Vorwürfe in diesem Fall waren im Januar 2021 öffentlich geworden. Interne Überprüfungen im DFB sollen nach Informationen der F.A.Z. in der zweiten Jahreshälfte 2020 ergeben haben, dass Sachleistungen vom Verband womöglich nicht korrekt versteuert worden sein könnten. Doch bevor der DFB selbst aktiv geworden sei, hätten die Behörden mit Ermittlungen begonnen. Der DFB soll daher vorsorglich eine Summe von angeblich rund 3,3 Millionen Euro an das Finanzamt überwiesen haben, das aber von Strafbefreiung abgesehen habe.

          Dieser Fall gilt in DFB-Kreisen als Ausgangspunkt des Konflikts innerhalb der damaligen DFB-Führung zwischen dem ein Jahr zuvor zum neuen Präsidenten gewählten Fritz Keller sowie dem damaligen Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge, in die folgenden Auseinandersetzungen war auch Vizepräsident Rainer Koch verwickelt. Die Differenzen innerhalb der DFB-Führung drehten sich auch um die Frage einer möglichen Selbstanzeige, auf die aber offenbar verzichtet wurde.

          Der DFB bestätigte im Januar 2021 lediglich, dass ein neu eingeführtes System zur steuerlichen Fehlerprävention eine „mögliche Fehlerquelle aufgezeigt“ habe, woraufhin der Verband eine Mitteilung an das zuständige Finanzamt geschickt habe. Nach „Information des Präsidiums“, so hieß es in einer Erklärung, sei eine „Nachmeldung auf Basis einer Maximalbetrachtung an das Finanzamt“ erfolgt. Anhaltspunkte für ein steuerstrafrechtlich vorwerfbares Verhalten hätten nicht vorgelegen, so der DFB damals.

          Keller trat im Frühjahr 2021 als DFB-Präsident zurück, ebenso Generalsekretär Curtius. Osnabrügge kündigte an, auf dem kommenden DFB-Bundestag nicht mehr zu kandidieren. Koch und Peter Peters führen als Interimspräsidenten derzeit den DFB.

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