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Steuer-Affäre Hoeneß : Das Schweigen der Bayern

  • Aktualisiert am

Uli Hoeneß: Das wird richtig teuer Bild: dpa

Uli Hoeneß will sich zu seiner Steueraffäre nicht äußern. An einen Rücktritt denke er derzeit nicht. Vertreter von DFB und Verein schweigen. Und der FC Bayern verbittet sich sogar Fragen.

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          Der FC Bayern München hat sich in der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Duell mit dem FC Barcelona Fragen zur Steueraffäre von Bayern-Präsident Uli Hoeneß verbeten. „Ich möchte Sie im Vorfeld darüber informieren, dass wir dazu keinerlei Stellung abgeben werden“, sagte Pressesprecher Markus Hörwick am Montag in München.

          Danach äußerten sich Trainer Jupp Heynckes sowie die Spieler Philipp Lahm und Javi Martínez nur zu sportlichen Themen und dem Halbfinal-Hinspiel gegen die Katalanen am Dienstag in der Allianz Arena.

          Auch aus dem Bayern-Aufsichtsrat gab es zunächst keine Äußerung über den Vorsitzenden des Gremiums. Ein Sprecher des Hauptsponsors Telekom, für den Finanzvorstand Timotheus Höttges im Aufsichtsrat sitzt, verwies darauf, dass es sich um eine Privatangelegenheit von Hoeneß handele.

          „Für die wird das richtig teuer“

          Mit Spannung wird der angekündigte Besuch von Hoeneß gegen den FC Barcelona erwartet. Äußerungen zum schwebenden Verfahren soll es dabei allerdings ebenfalls nicht geben: „Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere“, sagte Hoeneß.

          Ungeachtet dessen wird der aufsehenerregende Steuerfall Hoeneß voraussichtlich zur Dauer-Affäre. Über die Länge der Untersuchungen machte Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich am Montag noch keine Angaben. Nachdem er einen Rücktritt von seinen Ämtern beim deutschen Fußball-Rekordmeister aus München ausgeschlossen hatte, will auch Hoeneß selbst nicht für weitere öffentliche Aufklärung sorgen.

          Stattdessen geht der 61-Jährige schon wieder in die Offensive. Zwei Tage nachdem die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München II wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung bekanntgeworden waren, drohte Hoeneß Medien mit juristischen Schritten. „Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen“, sagte er im „Münchner Merkur“. Einer Münchner Zeitung kündigte der frühere Bayern-Manager an: „Für die wird das richtig teuer.“

          „Es müssen viele Dinge geprüft werden“

          Dennoch wird der Fall die Münchner wohl noch für längere Zeit begleiten. „Das lässt sich rein zeitlich sehr schwer einschätzen, das hängt immer von der Fallgestaltung ab“, sagte Staatsanwalt Heidenreich über das mutmaßliche Ausmaß der Ermittlungen. „Es müssen viele Dinge geprüft werden.“ Heidenreich bestätigte, dass die juristische Maßnahme durch eine Selbstanzeige des Präsidenten des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München im Januar aufgenommen worden seien. Zu Details, Summen oder einer angeblich erfolgten Hausdurchsuchung machte er keine Angaben. „Zu Einzelheiten möchten wir uns nicht äußern.“

          Der Deutsche Fußball-Bund will die gesamte Steueraffäre nicht kommentieren. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass sich der DFB aktuell nicht weiter äußern möchte“, sagte DFB-Sprecher Jens Grittner am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

          Vogts steht stramm an Hoeneß’ Seite

          Branchen-Kollegen wie Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler zeigten sich „ein bisschen geschockt“ über die unerwartete Offenbarung. „Wenn man die Fakten nicht kennt und vor allem Uli Hoeneß kennt - ich habe ihn im Laufe der Jahre als ganz großen Menschen kennengelernt - muss man sich zurückhalten“, sagte der frühere Teamchef der deutschen Nationalmannschaft beim Pay-TV-Sender Sky.

          Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts hat seinem früheren Nationalelf-Kollegen Uli Hoeneß moralische Unterstützung zugesagt. „Ich werde immer an der Seite von Uli Hoeneß stehen. Er ist so ein feiner Mensch, der sich immer für die Leute eingesetzt hat. Alles Weitere kann und will ich nicht kommentieren“, sagte Vogts am Montag der Nachrichtenagentur dpa.

          Auch Nationalspieler Lukas Podolski ist dem Bayern-Präsidenten zur Seite gesprungen. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass Viele über einen Menschen, der soviel Gutes für Andere und Traditionsvereine getan hat wie Uli Hoeneß, so früh urteilen“, schrieb der frühere Profi des deutschen Fußball-Rekordmeisters am Montag auf seiner Facebook-Seite. „Wir machen alle Fehler!“

          Moralprediger von der Kanzel gestürzt

          „Kein Kommentar dazu von mir“, sagte Willi Lemke, als  Manager von Werder Bremen langjähriger Widersacher von Hoeneß. „Ich habe auch bei allen Anfragen gesagt, dass ich dazu nicht in einer Talkshow auftreten werde“.

          Die Selbstanzeige hänge mit einem Konto in der Schweiz zusammen, hatte Hoeneß dem „Focus“ gesagt. Dort sorgt die Causa vor allem vor dem Hintergrund früherer Aussagen des Bayern-Präsidenten für deutliche Kritik. „Bis jetzt war er der erhobene Zeigefinger des deutschen Fußballs - doch nun richten sich die Zeigefinger auf ihn selbst“, hieß es im Schweizer „Tages-Anzeiger“. „Uli Hoeneß stürzt von der Kanzel des Moralpredigers“, schrieb die „Neue Zürcher Zeitung“.

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